„Für die Freiheit“ vom Festival-Programm in Silêmanî gestrichen

Der Film „Ji bo azadiyê“ ist mit fadenscheiniger Begründung offenbar auf Druck von außen vom Programm des Filmfestivals in Silêmanî gestrichen worden. Die Filmkommune Rojava kritisiert das Vorgehen und fordert Aufklärung.

Der Film Ji Bo Azadiyê (Für die Freiheit, englischer Titel: The end will be spectacular) des kurdischen Regisseurs Ersin Çelik ist vom Programm des 5. Internationalen Filmfestivals Silêmanî (SIFF) gestrichen worden. Der von der Filmkommune Rojava und der katalanischen Dokumentarfilmerin Alba Sotorra produzierte Film über den Widerstand der zivilen Verteidigungseinheiten YPS gegen die Belagerung des türkischen Militärs im Altstadtbezirk Sûr in Amed (Diyarbakir) sollte am Samstagabend gezeigt werden.

Die Filmkommune Rojava hat aus Protest gegen die Festival-Direktion auch Dema Dirîreşkan (Zeit der Brombeeren) zurückgezogen, die Verfilmung eines gleichnamigen Guerillaromans, an deren Produktion sie ebenfalls beteiligt war. Beide Filme waren auf Anforderung des Festivals in das Programm aufgenommen worden, die Filmteams sind sogar offiziell nach Silêmanî eingeladen worden.

Wie die Filmkommune Rojava mitteilt, ist sie kurz vor der für Samstagabend angekündigten Vorführung von Ji bo azadiyê von der Festival-Leitung darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass der Film nicht gezeigt und aus dem Preiswettbewerb ausgeschlossen wird, weil er bereits 2019 produziert worden ist. Die Weltpremiere hat im November 2019 auf dem internationalen Filmfestival in Kalkutta stattgefunden, für Kurdistan war eine Gala am 31. Dezember zeitgleich in Rimelan in Rojava und in Silêmanî geplant. Während die Gala in Rojava wie geplant durchgeführt wurde, ist die Vorführung in Südkurdistan vom Gouverneur von Silêmanî und den Sicherheitskräften verhindert worden. Danach wurde der Film auf zwanzig Filmfestivals weltweit präsentiert.

Die Filmkommune Rojava weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass der Festival-Leitung diese Fakten bekannt waren und niemals von einer Beschränkung auf nach 2019 gedrehte Filme die Rede gewesen ist. Im Programm stehen auch andere Filme, die vor 2019 produziert wurden. „Darüber haben wir gestern ausführlich gesprochen. Um die Krise nicht zu vergrößern, haben wir mitgeteilt, dass es uns nicht auf den Preiswettbewerb ankommt, die Vorführung jedoch wie geplant stattfinden müsse. Da die Gegenseite sich auf keine Lösung eingelassen hat, ist davon auszugehen, dass innerhalb des gestrigen Tages eine andere Entwicklung stattgefunden hat“, erklärt die Filmkommune. Es gebe Hinweise darauf, dass auf die Festival-Leitung Druck ausgeübt worden sei.

Die Filmkommune weist außerdem darauf hin, dass nur zwei der 16 im Hauptwettbewerb zugelassenen Spielfilme in Kurdistan und auf Kurdisch gedreht worden sind: Ji bo azadiyê und Zeit der Brombeeren.

In ihrer Stellungnahme kritisiert die Filmkommune Rojava das Vorgehen des Festivals und erklärt: „Weil das Festival keine freie Kunstplattform ist, sehen wir uns gezwungen, auch unseren Film ,Zeit der Brombeeren' zurückzuziehen. Wir fordern die Festival-Leitung zu einer öffentlichen Erklärung auf. Silêmanî gilt als die kulturelle Hauptstadt Kurdistans. Ihre Bewohner:innen, Kunstschaffende, die Gäste des Festivals und die Öffentlichkeit Kurdistans müssen über die Gründe informiert werden.“