Ohne Strom und Wasser: Lebensbedingungen in Qamişlo

In weiten Teilen Nordostsyriens ist die Versorgung der Bevölkerung mit Strom, Wasser und Treibstoff durch die Angriffe der Türkei zusammengebrochen. Frauen in Qamişlo berichten von ihren aktuellen Lebensbedingungen.

Im Stadtteil Qudurbeq in Qamişlo leben mehr als 6.500 Familien. In dem Viertel gibt es sieben Kommunen, acht Bäckereien und eine Schule. Die Versorgung mit Strom und Wasser ist seit der letzten Angriffswelle der Türkei zusammengebrochen. Wir haben mit zwei Frauen aus Qudurbeq über ihre aktuellen Lebensbedingungen gesprochen.


Suheyla Şukri ist Mitglied der Partei PYD und erklärte, dass sich die Angriffe des türkischen Staates nicht nur gegen ein Volk, sondern gegen die Gesamtbevölkerung der Autonomieregion Nord- und Ostsyrien richten: „Die Infrastruktur für Strom, Wasser und Treibstoff wurde angegriffen. In den Häusern gibt es weder Strom noch Wasser. Krankenhäuser und Schulen wurden bombardiert. Es werden Massaker an der Bevölkerung verübt. Die Menschen sollen vertrieben werden, aber wir haben diese Politik vereitelt. Unser Volk wird niemals das Land verlassen, in dem es geboren und aufgewachsen ist. Unsere Lebensbedingungen mögen schwierig sein, und die Menschen sind sich bewusst, dass es noch schwieriger werden kann. Aber ihr Wille ist stark. Nach den Angriffen haben wir kein Wasser mehr, aber die Selbstverwaltung versorgt die Bevölkerung mit Wassertankwagen. Wir werden unser Land auch ohne Wasser und Brot nicht aufgeben. Nach der Besetzung von Efrîn, Girê Spî und Serêkaniye werden wir nicht zulassen, dass eine weitere Stadt besetzt wird. Unser Volk hat sich mit eigenen Mitteln eine Lebensgrundlage geschaffen und bis heute schwierige Prozesse durchlaufen. Der türkische Staat bombardiert die Lebensgrundlagen der Bevölkerung.“

Kranke und verängstigte Kinder

Suheyla Şukri wies darauf hin, dass es in jeder Familie Kinder und ältere Menschen gibt: „Wasser und Treibstoff sind ein sehr ernstes Problem. Das kalte Wetter macht vor allem Kindern und älteren Menschen zu schaffen, viele haben sich erkältet. Die Kinder sind verängstigt. Der Schulunterricht musste ausgesetzt werden, denn die Schulen werden ständig angegriffen. Die Kinder bleiben in der Schule zurück. Unsere älteren Menschen haben bereits mehr als ein Gesundheitsproblem. Wie sollen sie bei diesem kalten Wetter ohne Ofen leben?

Die internationalen Mächte schweigen

Die Autonomieverwaltung hat die Bevölkerung immer unterstützt. Die Menschen helfen sich auch gegenseitig. Die Völker in Nord- und Ostsyrien haben die Politik des türkischen Staates durchschaut. Deshalb ist ihre Hoffnung das Volk, sie wissen, dass das staatliche System den Völkern feindlich gesinnt ist. Sie schützen sich gegenseitig, sie lassen sich in schwierigen Tagen nicht allein. Die internationalen Mächte schweigen, weil sie Partner bei den Angriffen des türkischen Staates sind. Institutionen und Organisationen, die angeblich die Menschenrechte verteidigen, schweigen zu den Massakern an der Bevölkerung. Die Infrastruktur der Region ist die Lebensgrundlage der Menschen. Wenn die hier präsenten Staaten schweigen, sollten sie sich von unserem Land zurückziehen. Unser Volk fügt niemandem Schaden zu. Die Menschen hier haben nur ihre Rechte bekommen und wollen frei leben. Wer dazu schweigt, unterscheidet sich nicht von den Dschihadisten und ist auf ihrer Seite. Unser Volk muss vereint sein und als eine Faust, mit einer Stimme weiterkämpfen.“


Behiye Hesen, die ebenfalls in Qudurbeq lebt, fragte: „Welchen Schaden haben Strom, Wasser, Dieselöl, Druckereien und Bäckereien dem türkischen Staat zugefügt? Die angegriffenen Orte waren die Lebensgrundlage der Menschen, jetzt gibt es keinen Strom und Wasser mehr. Sie bezeichnen sich selbst als Muslime, aber wie ist das mit dem Islam vereinbar? Unsere Nachbarn sind sehr alt, wir haben eine neue Stromleitung für sie gezogen. Das wird aufhören, wenn der Diesel ausgeht. Unsere Wohnung bekommt Strom über eine Leitung von anderen Nachbarn. Hätten sie ihren Strom nicht mit uns geteilt, wäre unser Leben jetzt viel schwieriger. Wenn sie Muslime wären, würden sie die Menschen nicht angreifen und sie ohne Nahrung und Wasser zurücklassen. Wie sollen die Menschen bei kaltem Wetter ohne Diesel überleben? Wer noch Diesel hat, wird ihn aufbrauchen und keinen Treibstoff mehr finden können.

Ohne Diesel kein Strom und kein Brunnenwasser

Wenn wir unsere Wohnung nicht sauber halten und nicht duschen, werden wir krank. Wasser ist eine Quelle des Lebens. Unsere Nachbarn haben einen Brunnen. Um Wasser aus dem Brunnen zu holen, sind wir auf einen Generator angewiesen. Wenn der Diesel ausgeht, sieht es schlecht aus. Es gibt viele kranke Menschen. Menschen, die eine Dialysebehandlung brauchen, sind in Lebensgefahr. Diese Menschen brauchen sauberes Wasser, und dann ist auch noch das Dialysezentrum bombardiert worden. Sie können nicht behandelt werden. Unsere Leute werden umgebracht.

Entweder wir sterben gemeinsam oder wir leben gemeinsam frei

Läden haben geschlossen, weil sie keinen Strom haben. Die Schneidereien können wegen des Stromproblems nicht arbeiten. Die Kinder können nicht zur Schule gehen. Woher sollen die Kinder wissen, was Krieg ist? Sie fragen ständig nach der Schule und kommen in ihrem Lernpensum nicht weiter. Im Dunkeln sind sie unruhig. Sie wollen fernsehen, aber wir können es nicht einschalten. Die Angriffe haben sich in jeder Hinsicht negativ auf die Kinder ausgewirkt. Der türkische Staat hat es auf die gesamte Bevölkerung abgesehen, auf Kinder und Alte. Das arabische, kurdische, assyrische, armenische und tscherkessische Volk wird diese schweren Tage gemeinsam überwinden. Unser Motto lautet: Entweder wir sterben gemeinsam oder wir leben gemeinsam frei. Wir haben uns zusammengetan, wir werden unser Land nicht verlassen, auch wenn wir durstig oder hungrig sind, bis wir unser Land von den Banden befreit haben."