Türkei, Idlib und Tell Rifat

Die Idlib-Operation Russlands und des syrischen Regimes dauert an. Die Türkei fordert einen Waffenstillstand, um zwei Beobachtungspunkte zu räumen. Für die Besatzung von Tell Rifat will die Türkei Russland erpressen.

Während die Operation der syrischen Armee mit russischer Luft- und Bodenunterstützung aus dem Norden von Hama Richtung Idlib weitergeht, ist mit einer Erklärung Russlands verkündet worden, dass die syrische Armee am 18. Mai um 0.00 Uhr einen Waffenstillstand ausgerufen hat. In der Region herrscht jedoch rege Bewegung, Syrien, Russland, die Türkei, der Iran und die Milizen sind weiterhin aktiv.

Türkei will Waffenstillstand

Nach vorliegenden Informationen steht hinter der Waffenstillstandserklärung, die Russland im Namen des syrischen Regimes abgegeben hat, die Türkei. Laut dem syrischen Regime nahestehenden Medien hat die Türkei einen Waffenstillstand von Russland gefordert, um zwei Kontrollpunkte zu räumen. Zuvor hatten russische und syrische Kräfte bei ihrem Vormarsch nördlich von Hama 17 Ortschaften eingenommen. Gemeint sind der neunte und der zehnte Beobachtungspunkt der Türkei in dem umkämpften Gebiet.

In den vergangenen Tagen sind von diesen Beobachtungspunkten, die von al-Nusra (Hayat Tahrir al-Sham, HTS) als sicheres Gebiet genutzt werden, Raketen auf syrische und russische Kräfte abgeschossen worden. Das syrische Regime hat mit Angriffen auf die Beobachtungspunkte reagiert.

Im Rahmen der Astana-Gespräche zwischen Russland, Iran und der Türkei haben alle drei Länder in der Umgebung von Idlib Kontrollpunkte eingerichtet. Die Türkei verfügt über zwölf Beobachtungspunkte in Idlib, Hama und Latakia.

Rückschlag für syrisches Regime nach Waffenstillstand

Bei der Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu Idlib ist eine militärische Großoffensive auf Idlib als die größte Tragödie des 21. Jahrhunderts bezeichnet worden. Auch diese Erklärung hat Einfluss auf die Ausrufung eines Waffenstillstands gehabt. Beide Seiten beschuldigen sich jedoch gegenseitig, den Waffenstillstand nicht einzuhalten. Das syrische Regime und die russischen Kräfte, die zuvor 17 Ortschaften von al-Nusra und ihren Unterstützern eingenommen haben, haben nach der Erklärung des Waffenstillstands schwere Schläge einstecken und Verluste verzeichnen müssen.

Nachschub aus Efrîn nach Idlib

Nach Beginn der Idlib-Operation sind mehrere von der Türkei unterstützte Gruppen aus Efrîn, al-Bab und Dscharablus zur Unterstützung von al-Nusra in die Region verlagert worden. Seitdem sind viele Punkte des syrischen Regimes mit schweren Waffen angegriffen worden.

Auffällig ist, dass unter den in die Region geschickten Gruppen solche wie Ahrar al-Sham, Jabhat al-Sharqiya und Shuheda al-Sharqiya sind, die der Türkei zuvor in Efrîn, al-Bab und Dscharablus Probleme bereitet haben. Diese Entwicklung wird als Maßnahme der Türkei interpretiert, diese häufig in Konflikte mit anderen Milizen verwickelten Gruppen loszuwerden.

Al-Dschaulani beschwert sich über Türkei

In einer kürzlich veröffentlichten Erklärung des Al-Nusra-Anführers Abu Muhammad al-Dschaulani ist die Türkei ohne Nennung ihres Namens kritisiert worden, die anderen Milizen wurden aufgerufen, in Idlib zu kämpfen und neue Fronten gegen das syrische Regime aufzumachen.

Al-Dschaulani bezeichnete die Gespräche von Astana und Sotschi als politischen Betrug und beschwerte sich bei der Türkei. Der Angriff habe gezeigt, dass alle zuvor geschlossenen Abkommen und Gespräche gestorben seien.

Der türkische Faktor

Dass Russland bei der Idlib-Operation besonnen vorgeht, ist nicht nur dem Faktor geschuldet, dass ein Eingreifen Israels und der westlichen Mächte verhindert werden soll. Auch eine Intervention der Türkei soll verhindert werden. Nach vorliegenden Informationen drängt die Türkei darauf, die Kontrolle über Tell Rifat und Şehba im Gegenzug dafür zu bekommen, dass sie die Unterstützung der Milizen einstellt und grünes Licht für eine Idlib-Operation gibt.