„Wir haben das wahre Newroz durch die PKK erfahren“

Mihemed Mehmûd aus Dêrik in Rojava ist Zeuge der Geschichte der Newroz-Feste in der Region. Er berichtet über die Renaissance des zum Picknick verkommenen Festes hin zu dessen widerständigen Ursprüngen.

Newroz in Rojava

Die Geschichte von Newroz ist Jahrtausende alt. Die Renaissance des Newroz-Festes in seiner ursprünglichen Bedeutung als Fest des Widerstands und der Befreiung von Tyrannei ist jedoch eng mit der PKK verbunden. Zeitzeugen wie Mihemed Mehmûd können darüber berichten. Mehmûd ist 66 Jahre alt und stammt aus dem Dorf Berav im westkurdischen Landkreis Dêrik (heute Rojava). Im Jahr 1986 lernte er über seinen Nachbarn die kleine Gruppe der „Studenten“ kennen ‒ den Kern der PKK. Mihemed hörte den Namen der PKK zum ersten Mal bei einer Newroz-Feier im Dorf Qesirdîb im Jahr 1986. Nachdem er die PKK kennengelernt hatte, beteiligte sich Mihemed an der politischen Arbeit. Er ging mit PKK-Militanten von Tür zu Tür und leistete einen großen Beitrag zur Verankerung der Partei in Dêrik.


Ab den 1990er Jahren arbeitete er im Bereich der Kunst und Kultur. Er beschrieb die Zeit wie folgt: „Die PKK war die Partei der Arbeitenden. Das entscheidende Merkmal, das meine Aufmerksamkeit erregte, war, dass sich arme und werktätige Menschen um die PKK scharten. 1990 engagierte ich mich in der Bewegung, um Kultur und Kunst unter den breiten Massen zu verankern. Während ich also einerseits versuchte, einen Lebensunterhalt für meine Familie zu verdienen, engagierte ich mich gleichzeitig im kulturellen Bereich, um unsere Kultur zu bewahren.“

Newroz im Geiste der Revolution“

Mihemed erinnerte sich an die Newroz-Feste dieser Zeit: „Newroz wurde in einem revolutionären Geist gefeiert. Drei Monate lang bereiteten wir uns auf Newroz vor. Die meisten Newroz-Feiern in Dêrik wurden von Kultur- und Kunstgruppen organisiert. Trotz aller Unterdrückung durch das Baath-Regime, der Verhaftungen, Folter und sogar Todesgefahr wurden Newroz-Vorbereitungen getroffen. Sie wurden mit großer Liebe und Begeisterung organisiert. Ich bin jeden Tag 24 Kilometer gefahren, um an den Vorbereitungen teilzunehmen.“

Vom Picknick zum Widerstandsfest“

Mihemed berichtete, wie sich die Newroz-Feiern mit der PKK veränderten: „In der Vergangenheit wurde Newroz gefeiert, aber es war wie ein Picknick. Mit der PKK wurde uns die historische Bedeutung von Newroz bewusst, und wir wurden Zeuge, wie Newroz sich von einem Picknick zur Widerstandsaktion entwickelte. Als die Menschen die Wahrheit über Newroz erkannten, wurde die Beteiligung größer. Oft regnete es. Die Straßen waren schlammig, Autos konnten nicht fahren, aber die Massen, die zu Newroz kamen, ließen ihre Autos stehen und setzten ihren Weg zu Fuß fort.“

Mütter leisteten Widerstand gegen Angriffe“

Mihemed beschrieb die Newroz-Feiern im Dorf Bacarîq bei Dêrîk: „Unsere Newroz-Feste wurden früher in dem Gebiet gefeiert, in dem sich heute das Camp Newroz [Unterbringung für Geflüchtete] befindet. Der Name des Lagers stammt aus dieser Zeit. Wir verließen unsere Häuser zwei Tage vorher und gingen nach und nach zum Newroz-Gelände. Einen Tag vorher waren wir auf dem Gelände bereit. Für die Sicherheit sorgten hauptsächlich die Mütter. Von den Kultur- und Kunstgruppen bis zum Eingang des Geländes hatten sie ein Auge auf alles. Das Baath-Regime wollte Musikinstrumente konfiszieren, aber die Mütter ließen das nicht zu. Sie versteckten die Fotos von Rêber Apo und die Fahnen in ihren Kleidern und brachten sie auf das Gelände. Dank des Widerstands, der sich bei den Newroz-Feiern entwickelte, erkannten wir unsere Geschichte, Kultur, Sprache und Identität.“ In diesem Sinne seien die Newroz-Feste in Rojava sicherlich auch als einer der kulturellen Kerne zu sehen, aus denen sich die Revolution von Rojava speiste.