„Die Angriffe auf Zap, Şengal und Şehba hängen zusammen“

Der Zap in den kurdischen Bergen, die ezidische Region Şengal im Nordirak und Şehba in Nordsyrien werden zeitgleich angegriffen. Die TEV-DEM-Vorsitzenden Rûken Ehmed und Xerîb Hiso weisen auf den Zusammenhang hin.

Während die irakische Kadhimi-Regierung das ezidische Siedlungsgebiet Şengal militärisch belagert, greift der türkische Staat die Zap-Region in Südkurdistan mit aktiver Unterstützung der PDK und das Autonomiegebiet Nord- und Ostsyrien mit dschihadistischen Söldnern an. In Nordsyrien/Rojava konzentrieren sich die Angriffe momentan vor allem auf den Kanton Şehba im Norden von Aleppo. Rûken Ehmed und Xerîb Hiso, die Ko-Vorsitzenden der zivilgesellschaftlichen Dachorganisation TEV-DEM in Rojava, sehen die zeitgleiche Angriffswelle im Zap, in Şengal und in Şehba als Versuch, den Willen des kurdischen Volkes zu brechen.

 

Rûken Ehmed erklärte gegenüber ANF: „Die Bevölkerung von Südkurdistan und Şengal muss wissen, dass sie nicht allein ist. Frauen und vor allem Mütter sind im Widerstand und machen beharrlich deutlich, dass sie den Kämpferinnen und Kämpfern zur Seite stehen und Şengal verteidigen werden.“ Die vom Barzanî-Clan dominierte Partei PDK hingegen vertrete eine Linie des Verrats, dagegen müsse vor allem die Bevölkerung in Südkurdistan protestieren: „Gegen den Verrat muss ein organisierter Widerstand erfolgen. Die Menschen müssen daran glauben, dass sie den Verrat nichtig machen können, wenn sie sich organisieren und dagegen ankämpfen. Der Widerstand der Völker wird den Faschismus und den Verrat zerschlagen. Unserem Volk muss die Realität der Familie Barzanî bewusst sein. Sie opfert ihr Volk ihren Eigeninteressen und ihrem Profit.“

Zum Kampf der Guerilla gegen die türkischen Besatzungsangriffe sagte Rûken Ehmed: „Die Guerilla ist nicht allein, sie ist die Hoffnung der Völker. Wir befinden uns im Jahr der Befreiung, niemand darf jetzt untätig bleiben. Die Menschen aus ganz Kurdistan müssen sich erheben und ihren Kampf verstärken. Auch der Bevölkerung von Rojava fällt eine große Aufgabe zu. Alle politischen Parteien, die Autonomieverwaltung und die zivilgesellschaftlichen Organisationen müssen den Widerstand stärken und unterstützen.“

 

Der andere Ko-Vorsitzende von TEV-DEM, Xerîb Hiso, wies darauf hin, dass die Türkei, der Irak, Syrien und die PDK die Errungenschaften des kurdischen Volkes zerstören und seinen Willen brechen wollen. Für dieses Ziel sei ein breites Gebiet von Şehba bis zur Zap-Region in einen Kriegsschauplatz verwandelt worden: „Die Kadhimi-Regierung greift mit Unterstützung der PDK Şengal an. Im gesamten Grenzgebiet soll dem kurdischen und ezidischen Volk die Möglichkeit zur Selbstbestimmung genommen werden. Gegen diese schmutzige und gefährliche Politik leistet unser Volk mutigen Widerstand. Als TEV-DEM unterstützen wir diesen Widerstand.“

Einige kurdische Parteien hätten sich in den Dienst der AKP/MHP-Regierung gestellt und würden gemeinsam mit dem türkischen Staat gegen das kurdische Volk vorgehen, so Xerîb Hiso: „Dabei denken sie nicht an die Zukunft. Wir dürfen es nicht dabei belassen, die Besatzung und den Verrat nur zu verurteilen. Vielmehr müssen wir die Realität dahinter aufzeigen. Warum beteiligt sich die PDK an diesem schmutzigen Plan? Alle müssen Verantwortung übernehmen und Position beziehen. Sich herauszuhalten, ist in der aktuellen Phase nicht möglich. Wir müssen jetzt ständig aktiv sein.“

Der entschlossene Kampf der Guerilla in der Zap-Region wirke sich auch auf Nord- und Ostsyrien aus, fuhr der Ko-Vorsitzende von TEV-DEM fort. Dieser Kampf müsse unterstützt werden, was in den nordsyrischen Städten auch demonstriert werde: „Die Menschen sehen den Widerstand im Zap und in Avaşîn als ihren eigenen Kampf an, der Sieg der Guerilla ist ihr eigener Sieg. Wenn der Feind dort gewinnt, wird auch in Nord- und Ostsyrien Schlimmes geschehen. Wenn er jedoch verliert, wird der Willen hier gestärkt. Der Kampf und der Willen der Völker sind voneinander abhängig, beides hat sich als Feuerball gegen die Angriffe vereint. In Nord- und Ostsyrien wird der Widerstand von Şehba bis zum Zap als Sieg der Zukunft betrachtet.“

TEV-DEM: Gegenmacht zur Autonomieverwaltung

TEV-DEM wurde 2011 gegründet, um das demokratische System der Kommunen und Räte in Rojava aufzubauen. Mit der Entstehung der Autonomen Föderation Nord- und Ostsyrien hat sich die Rolle der Bewegung gewandelt, da diese Aufgabe von der Selbstverwaltung übernommen wurde. Seit 2018 gilt TEV-DEM als Dachorganisation der Zivilgesellschaft, insbesondere für Gewerkschaften und andere Institutionen. TEV-DEM fungiert somit als Gegenmacht zur Autonomieverwaltung, um die Entstehung staatsähnlicher Strukturen zu verhindern und den demokratischen Konföderalismus zu fördern.

Die Ko-Vorsitzenden Rûken Ehmed und Xerîb Hiso

Rûken Ehmed stammt aus Kobanê und ist seit 1993 in der revolutionären Arbeit aktiv. In diesem Zeitraum hat sie in allen Gebieten Nordostsyriens sowie in Aleppo und Damaskus gearbeitet. Sie ist außerdem Mitglied des Frauenverbands Kongreya Star.

Xerîb Hiso ist 1967 in Efrîn geboren. Er ist Ezide und Vater von vier Kindern. Seit 1984 engagiert er sich in der kurdischen Befreiungsbewegung und wurde deshalb drei Mal verhaftet, zuletzt 2011. Er spielte eine Schlüsselrolle bei der Gründung der PYD 2003 und war vier Jahre lang Repräsentant der PYD und von TEV-DEM in Südkurdistan.