Kurdische Kulturbewegung gedenkt der Toten von Paris

Kurdische Kunstschaffende reagieren entsetzt und wütend auf den Anschlag in Paris. Die Frauenkulturbewegung Kevana Zêrîn erinnert an den ermordeten Musiker Mîr Perwer und ruft zum Widerstand auf.

Die Frauenkulturbewegung Kevana Zêrîn (Tevgera Çanda Jinên Kevana Zêrîn) ruft nach dem Anschlag im kurdischen Kulturzentrum Ahmet Kaya mit drei Toten und drei Verletzten in Paris zum Widerstand auf. Bei dem Massaker am Freitagmittag sind die langjährige Revolutionärin Evîn Goyî (Emine Kara), der Musiker Mîr Perwer (M. Şirin Aydın) und der Patriot Abdurrahman Kızıl erschossen worden.

Kevana Zêrîn hat nach dem Anschlag eine Erklärung veröffentlicht, in der darauf hingewiesen wird, dass der kulturelle und physische Vernichtungsfeldzug gegen das kurdische Volk inzwischen längst über Kurdistan hinaus geht. „Für uns stehen die Täter fest: Diese Morde wurden nach zehn Jahren am selben Ort und mit derselben Methode durchgeführt. Die AKP/MHP als mafiöse Gladio-Organisation will ihr unvermeidliches Ende hinauszögern und intensiviert ihre schmutzigen Angriffe auf Kurdinnen und Kurden. Mit diesen Anschlägen beschleunigt sie jedoch ihren Zusammenbruch. Es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass der jüngste Anschlag in Paris zehn Jahre nach dem Mord vom 9. Januar 2013 an drei kurdischen Revolutionärinnen durchgeführt wurde. Die Angriffe auf Kurdinnen und Kurden, die aufgrund der Verfolgung durch das faschistische AKP/MHP-Regime in Europa nach Asyl suchen, finden über Mittelsmänner statt“, erklärt die kurdische Frauenkulturbewegung.

Der Faschismus des türkischen Staates kenne keine Grenzen und versuche auf der ganzen Welt, den kurdischen Widerstand und insbesondere rebellierende Frauen auszulöschen. „Als Frauenkulturbewegung Kevana Zêrîn verurteilen wir den blutigen Anschlag auf das Kulturzentrum Ahmet Kaya. Wenn der französische Staat nicht selbst Mittäter ist, muss er die Morde und die Hintermänner aufdecken und anklagen. Der Regierung Frankreichs muss klar sein, dass sie früher oder später in der Geschichte und im Gewissen der Menschen angeklagt wird, solange sie die Morde nicht aufklärt und verurteilt. Wir verneigen uns mit großem Respekt vor dem Künstler Mîr Perwer und seinen beiden ermordeten Weggefährt:innen und gedenken allen Kurd:innen und Frauen, die vor keinem Tribut zurückschrecken. Alle Kunstschaffenden und insbesondere Künstlerinnen rufen wir dazu auf, auf den Plätzen Widerstand zu leisten, bis das Massaker im Ahmet-Kaya-Kulturzentrum aufgeklärt ist.“

Mîr Perwer bei einer Gedenkveranstaltung am Grab von Ahmet Kaya in Paris

Mîr Perwer stammte gebürtig aus der Provinz Mûş und lebte noch nicht lange in Frankreich, wo er Asyl beantragt hatte. Seine Heimat musste aufgrund politischer Verfolgung des türkischen Staates verlassen. Er war aktiv bei der Demokratischen Partei der Völker (HDP) und wurde deshalb unter „Terrorvorwürfen“ von der türkischen Justiz zu einer Haftstrafe verurteilt. Zuletzt versuchte er, seine Ehefrau und die gemeinsamen beiden Kinder nachzuholen. Mîr Perwer gehörte der kurdischen Kulturbewegung TEV-ÇAND an. Viele kurdische Musiker:innen haben nach dem Mord Videos von Mîr Perwer geteilt und an ihn erinnert.