Zehra Doğan in Berlin festgenommen -UPDATE

Die kurdische Journalistin und Künstlerin Zehra Doğan ist nach einer Performance-Aktion im Berliner Pergamonmuseum festgenommen worden. Drei weitere Künstler*innen wurden ebenfalls in Gewahrsam genommen.

Die kurdische Journalistin und Künstlerin Zehra Doğan ist am Samstag in Berlin festgenommen worden. Das teilte die 30-Jährige über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Neben Doğan wurden auch die Künstler*innen Juan Golan Elibeg, Aurélie Gerardin und Thomas Lamouroux abgeführt. Die vier hatten im Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel eine Performance-Art für die historische Stätte Heskîf (Hasankeyf) dargeboten, die akut vom Ilisu-Staudammprojekt bedroht ist. Die Museumsleitung verständigte daraufhin die Polizei.

 

Auf der Museumsinsel herrschte heute viel Andrang. Nach zwei Jahrzehnten Planung mit neun Jahren Bauzeit und reichlich Problemen ist das zentrale Empfangsgebäude für das Weltkulturerbe Museumsinsel, die neue James-Simon-Galerie, eröffnet worden.

Zehra Doğan sowie Elibeg, Gerardin und Lamouroux wurden im Anschluss an ihre polizeiliche Befragung in den späten Abendstunden freigelassen. Wie die Künstler*innen erklärten, ist ihnen durch die Museumsleitung ein Hausverbot erteilt worden. Die Referatsleitung Presse, Kommunikation, Sponsoring der staatlichen Museen zu Berlin teilte gegenüber ANF mit, dass das Hausverbot nur für einen Tag gegolten hat.

Wer ist Zehra Doğan?

Zehra Doğan gehört zu den Gründerinnen der Frauennachrichtenagentur JINHA. Als Künstlerin thematisiert sie die politischen Verhältnisse und das Leben von Frauen. Während des Selbstverwaltungswiderstands in Nordkurdistan hatte die Journalistin aus Nisêbîn (Nusaybin) und Cizîr (Cizre) berichtet. Aufgrund ihrer Berichterstattung und einem Bild, das die türkische Flagge über von Panzern zerschossenen Häusern zeigt, wurde Zehra Doğan am 21. Juli 2016 festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Die Anklage lautete „Mitgliedschaft“ und „Propaganda für eine terroristische Organisation“. Am 9. Dezember 2016 wurde Zehra Doğan vom Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristische Organisation freigesprochen, aber ein Berufungsgericht bestätigte am 2. Juni 2017 das erstinstanzliche Urteil über zwei Jahre, neun Monaten und 22 Tage Gefängnis wegen ihrer Aktivitäten in sozialen Medien und der „Terrorpropaganda“. Sie kam erneut ins Gefängnis, zunächst in Amed (Diyarbakir), später wurde sie mit zwanzig weiteren Frauen gegen ihren Willen nach Tarsus verlegt. Am 24. Februar wurde Zehra Doğan nach zwei Jahren und einem Monat aus dem Gefängnis entlassen.

Während ihrer Haft machte Zehra Doğan Reportagen mit ihren Mitgefangenen und malte Bilder auf Zeitungspapier und Kartons, weil ihre Malutensilien beschlagnahmt wurden. Ihre Bilder sind in vielen europäischen Ländern ausgestellt worden.