„Meine Nichte wurde durch türkische Chemiewaffen getötet“

Xwaşnav Ata fordert Gerechtigkeit für seine durch türkische Chemiewaffen in Kurdistan getötete Nichte. Seit mehreren Wochen protestiert der Kurde aus Deutschland in Den Haag gegen die Untätigkeit der OPCW.

Seit mehreren Wochen steht Xwaşnav Ata mit einem Bild seiner Nichte vor dem Gebäude der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag und fordert Gerechtigkeit ein. Der 56-jährige Kurde aus Deutschland protestiert gegen die türkischen Chemiewaffenangriffe in Kurdistan und die Untätigkeit der OPCW, die bisher keine Anstalten gemacht hat, die Vorwürfe zu untersuchen und den Einsatz verbotener Kampfmittel zu verhindern.

„Der türkische Staat hat meine Nichte mit chemischen Waffen getötet. Warum gibt es keine Untersuchung der OPCW“ steht auf dem Schild, das Ata jeden Tag zwischen zehn und 13 Uhr vor dem Sitz der Organisation in den Händen hält. Gemeint ist die Guerillakämpferin Binevş Agal (Gülperin Ata), die Ende Mai im Widerstand gegen die türkische Invasion am Kuro Jahro in der Zap-Region in Südkurdistan ums Leben gekommen ist. Die Volksverteidigungskräfte (HPG) hatten zu den Todesumständen mitgeteilt, dass die türkische Armee über mehrere Tage chemische Kampfstoffe gegen die Guerillastellung, in der Binevş Agal im Einsatz war, abgefeuert hatte. Eine weitere Nichte von Ata kam vergangenen Dezember in Dersim ums Leben.

Xwaşnav Ata wird bei seiner Protestaktion von solidarischen Menschen unterstützt. Am Mittwoch kamen Aktivisten aus Rojhilat (Ostkurdistan) hinzu, um die OPCW zum Handeln aufzufordern. Doch die OPCW, der die Türkei seit 1997 angehört, zieht es vor zu schweigen. Trotz eindeutiger Berichte der HPG zum Einsatz chemischer Waffen, Aufrufen kurdischer Institutionen, Rechercheergebnissen einschlägiger Organisationen und Einzelpersonen sowie Massenprotesten der kurdischen Diaspora-Community ist die OPCW nicht bereit, hinsichtlich der Vorwürfe gegen Ankara aktiv zu werden. Selbst Versuche von kurdischen Delegationen, Gespräche mit den Verantwortlichen der Organisation zu führen, sind mehrfach verweigert worden. Und auch die Entgegennahme eines Dossiers mit konkreten Dokumenten und Beweisen für den Einsatz chemischer Waffen kam für die OPCW nicht in Frage. Die Türkei kann straflos das Kriegsvölkerrecht brechen.