Solidarität mit Leyla Güven: Margaret Owen startet Hungerstreik

Die 87-jährige britische Menschenrechtsanwältin und Aktivistin Margaret Owen beginnt in Solidarität mit Leyla Güven und Abdullah Öcalan einen Hungerstreik.

Am 7. November trat die inhaftierte HDP-Abgeordnete Leyla Güven im Gefängnis von Amed (Diyarbakir) in einen unbefristeten Hungerstreik. Mit ihrer Protestaktion fordert die 54-jährige Politikerin, die zugleich die Ko-Vorsitzende des zivilgesellschaftlichen Zusammenschlusses DTK (Demokratischer Gesellschaftskongress) ist, die Aufhebung der Isolation des auf der Gefängnisinsel Imrali inhaftierten PKK-Gründers Abdullah Öcalan. Leyla Güven löste mit ihrem Hungerstreik eine große Solidaritätswelle aus. Nachdem sich überall in der Türkei und Nordkurdistan organisierte HDP-Mitglieder an der Aktion beteiligten und am 27. November auch die in türkischen Gefängnissen inhaftierten PKK- und PAJK-Gefangenen in einen Hungerstreik traten, beteiligten sich auch in Europa lebende Kurdinnen und Kurden an der Aktion. Die britische Menschenrechtsanwältin und Aktivistin Margaret Owen hat nun bekannt gegeben, in Solidarität mit Leyla Güven ebenfalls an dem Protest teilzunehmen. Im Gespräch mit unserem Kollegen Selman Güzelyüz von der Nachrichtenagentur Mezopotamya (MA) sagte die 87-jährige Owen: „Für eine konstuktive Konfliktbearbeitung und einen dauerhaften Frieden muss Abdullah Öcalan in Freiheit sein. Auch die Tausenden politischen Gefangenen müssen freigelassen werden. Meine Solidarität gilt Leyla Güven, denn ihre Forderungen sind auch meine Forderungen”.

Langjährige Freundin des kurdischen Volkes

Seit rund 15 Jahren reist Margaret Owen regelmäßig in die Türkei und nach Kurdistan. Aktuell hält sie sich in der türkischen Hauptstadt Ankara auf, dort geht seit gestern der Prozess gegen den ehemaligen Ko-Vorsitzenden der HDP Selahattin Demirtaş weiter. Margaret Owen wollte die Verhandlung beobachten, wie vielen anderen Personen wurde ihr allerdings keine Genehmigung erteilt.

Margaret Owen bei den Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG/YPJ in Rojava

Türkei befindet sich am Abgrund der Dunkelheit

„Ich komme öfter hierher, um mich gegen die Isolation Abdullah Öcalans zu stellen, das Theater, das unter der Bezeichnung „KCK-Operationen“ stattfindet zu verfolgen und die rechtswidrigen Prozesse gegen die HDP-Abgeordneten zu beobachten. Ich bin eine Verteidigerin der Menschenrechte. Aus diesem Grund reise ich in viele Länder, wo ich Prozesse, aber auch gesellschaftliche Ereignisse beobachte. Doch nirgends sonst ist die Justiz so gleichgeschaltet, wie es in der Türkei der Fall ist. Das antidemokratische Ausmaß in der Türkei habe ich bisher in keinem anderen Land gesehen. Die Lage der Völker der Türkei ist äußerst schwierig. Es ist nicht so, dass die Türkei im Moment lediglich auf der dunklen Seite des Mondes lebt. Die Türkei befindet sich am Abgrund der Dunkelheit“.

Jeder Mensch hat das Recht auf ein faires Verfahren

Die türkische Justiz kommentiert die Menschenrechtsanwältin mit folgenden Worten: „Wir alle wissen nur allzu gut, dass die türkischen Gerichte im Dienst der Regierung stehen und dementsprechend entscheiden. Die Justiz der Türkei ist nicht unabhängig, das ist auch offensichtlich. Jeder Mensch hat das Recht auf ein faires Verfahren. Tausende Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, Frauen und Kinder, Intellektuelle und Parlamentsabgeordnete sitzen im Gefängnis, weil sie die Regierung kritisiert haben. Bis zu ihrer Freilassung wird diesen Menschen ihr Recht auf ein faires Verfahren vorenthalten. Dies spiegelt sich auch in den Anklageschriften wider, die spekulativ und voller Lügen sind. Das darf einfach nicht akzeptiert werden.“

Öcalan muss freigelassen werden

Für die Lösung der kurdischen Frage und einen dauerhaften Frieden müsse Abdullah Öcalan in Freiheit sein, sagt Margaret Owen. Hierfür sei es auch unbedingt notwendig, die PKK aus der europäischen Terrorliste zu streichen und die politischen Gefangenen freizulassen. Dass sie in Solidarität mit Leyla Güven und dem PKK-Gründer Öcalan einen Hungerstreik starten wird, erklärt die 87-Jährige folgendermaßen: „Leyla Güven ist 54 Jahre alt, ich hingegen schon 87. Ich bete für sie, damit ihr nichts passiert und sie gesund bleibt. In Solidarität mit Leyla wird in Großbritannien im zehntägigen Turnus ein Hungerstreik stattfinden. Nach Weihnachten werde ich mich an der Aktion beteiligen und alle zehn Tage einen Tag lang hungerstreiken. Ich bin schon alt und kann ruhig sterben. Leyla ist noch jung, sie soll leben. Ich mache mir Sorgen um sie und hoffe, dass aus ihrem Hungerstreik nicht ein Todesfasten wird.“