Schwerbehinderter nach Terrorparagraphen inhaftiert

Der querschnittsgelähmte Kurde Serdal Yıldırım wurde nach Bestätigung einer zwölfjährigen Haftstrafe wegen angeblicher Rekrutierung von Mitgliedern für eine verbotene Organisation inhaftiert.

Der Kurde Serdal Yıldırım aus der Kreisstadt Qoser (Kızıltepe) in der Provinz Mêrdîn (Mardin) ist zu 98 Prozent behindert. Aufgrund eines Unfalls ist er seit neun Jahren querschnittsgelähmt. Im Jahr 2016 wurde er von einem türkischen Gericht wegen angeblicher „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“ und „Rekrutierung von Elementen für eine verbotene Organisation“ zu einer zwölfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Mittlerweile hat eine nächsthöhere Instanz das Urteil gegen Yıldırım bestätigt. Wie jetzt bekannt wurde, stürmten Polizisten bereits am 30. Dezember seine elterliche Wohnung und überstellten den jungen Mann samt Rollstuhl an das Hochsicherheitsgefängnis von Mêrdîn.

Anwalt: Er kann nicht im Gefängnis bleiben!

Nach Angaben des Anwalts Erdal Kuzu ist sein Mandant aufgrund der Aussage eines „Zeugen“ zu der Haftstrafe verurteilt worden. Im Gefängnis könne sich Yıldırım nicht allein versorgen, erklärt Kuzu: „Seine Zellengenossen müssen ihm bei seinen Bedürfnissen helfen. Aus diesem Grund kann er nicht im Gefängnis bleiben. Wir haben bei der Vollzugsstaatsanwaltschaft entsprechende Anträge eingereicht und warten auf eine Antwort. Es gibt keinerlei menschliche Begründung, dass sich jemand in diesem Zustand im Gefängnis befindet.“