Hungerstreik politischer Gefangener zeigt Wirkung

Der Hungerstreik von fünf politischen Gefangenen in der zentralanatolischen Vollzugsanstalt Aksaray hat offenbar Wirkung gezeigt. Nach Zugeständnissen der Gefängnisleitung wurde der Protest beendet.

 Seit dem 17. Juli befanden sich die im T-Typ-Gefängnis der zentralanatolischen Stadt Aksaray inhaftierten politischen Gefangenen Bişar Bilen, Muhammed Fatih Bingöl und Ümit Temur im Hungerstreik. Eine Woche später schlossen sich auch Bahattin Çelebi und İhsan Taşdelen dem Protest an. Mit der Aktion protestierten die Gefangenen gegen ungesetzliche und unmenschliche Praktiken, denen sie ausgesetzt wurden. Konkret ging es um den militärischen Zählappell, zu dem die Anstaltsleitung sie zwingen wollte, und körperliche Misshandlungen durch das Wachpersonal. Auch protestieren sie gegen Einzelhaft und unangekündigte Zellendurchsuchungen.

Wie jetzt bekannt wurde, hat der Hungerstreik Wirkung gezeigt. Am Freitag machte die Gefängnisleitung Zugeständnisse und ordnete die Unterbringung der fünf in Gemeinschaftszellen an. Denn noch im Verlauf ihrer Aktion waren die Gefangenen voneinander isoliert in Einzelzellen verlegt worden.

In einem wöchentlichen Telefonat mit seinen Angehörigen äußerte Bişar Bilen, dass er sowie seine vier Mitstreiter nach Beendigung des Hungerstreiks einer gesundheitlichen Kontrolle unterzogen worden seien. Bis auf einige Kilogramm Gewichtsverlust hätten sie keine Probleme, wurde er von seinem Bruder Ali Bilen zitiert. „Das Gefängnis in Aksaray ist noch relativ neu, die Zahl der politischen Gefangenen ist begrenzt. Daher sind sie einer Vielzahl von repressiven Praktiken ausgesetzt“, erklärte Bilen. Gerade deshalb sei es von „großer Bedeutung“, dass der Widerstand der fünf Gefangenen zumindest vorerst zu einem positiven Ergebnis führte.

Neu, aber schon jetzt berüchtigt

Das T-Typ-Gefängnis in Aksaray gehört zwar zu den neuesten Haftanstalten in der Türkei, dennoch hat es bereits einen berüchtigten Ruf erlangt. Im März hatten Vollzugsbeamte dort politischen Gefangenen damit gedroht, einen mit dem Coronavirus infizierten „Kriminellen“ in ihre Zelle zu verlegen, wenn sie sich nicht an die Haftregeln halten. Das ging aus einem Bericht der Gefangenenhilfsorganisation MED TUHAD-FED hervor.