KCK: Wie der IS besiegt wurde

Die KCK gratuliert zum Sieg über den IS in Syrien, warnt zugleich vor einer Neubelebung der islamistischen Terrororganisation und verweist auf die Rolle des türkischen Staates, der die Geisteshaltung des IS ständig reproduziert.

Mit einer schriftlichen Erklärung hat der Vorsitz des KCK-Exekutivrats zum Sieg über den IS gratuliert. Gleichzeitig wird in der Erklärung darauf hingewiesen, dass der militärische Erfolg nicht mit dem vollständigen Ende der Organisation gleichzusetzen ist. „Die Ideologie des IS hat weiterhin Einfluss innerhalb eines Teils der Gesellschaft. Um diesen Einfluss zu brechen, bedarf es der Umsetzung eines politischen und kulturellen Gesellschaftsprojekts, das auf einer freiheitlichen und demokratischen Ideologie beruht. Auch aus diesem Grund sind die Existenz und der Schutz des demokratischen Systems in Nordsyrien von besonderer Wichtigkeit.“

In ihrer Erklärung unterstreicht die Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) auch die Mitverantwortung der Türkei bei den Verbrechen des IS: „Die Regierung in Ankara reproduziert praktisch stündlich die Ideologie und die Geisteshaltung des IS. Der türkische Staat bietet das passende ideologische, politische, und gesellschaftliche Umfeld für die Reproduktion von Strukturen, die dem IS gleichen.“

Im Folgenden geben wir Ausschnitte aus der Erklärung der KCK-Erklärung wieder:

„Am 23. März dieses Jahres ist das vermeintliche Kalifat und die Gebietsherrschaft des IS in Syrien zusammengebrochen. Wir beglückwünschen die Völker und Kämpfer*innen, die gegen eine Organisation gesiegt haben, die wie ein Unheil auf die Völker des Mittleren Osten losgelassen wurde und für Hunderttausende Tote verantwortlich ist. Den Sieg über den IS haben die Völker errungen, die für Demokratie und Freiheit einstehen. Zuvorderst sind das die Kurdinnen und Kurden. Aber gemeinsam mit ihnen haben Araber, Suryoye, Turkmenen und weitere Völker in den Reihen der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) den IS Stück für Stück zurückgedrängt und immer größere Gebiete Syriens befreit. An dieser Stelle möchten wir auch der vielen Menschen gedenken, die im Kampf gegen den IS ihr Leben verloren haben.

Die ersten Niederlagen erlitt der IS in Şengal und Mêxmûr

Die Erfahrung der ersten militärischen Niederlagen machte der IS in Şengal und Mêxmûr. Der versuchte Genozid des IS in Şengal und die vollständige Besatzung Südkurdistans scheiterte nur am erbitterten Widerstand der Guerillakämpfer*innen Kurdistans. Die entscheidende Schlacht wurde dann allerdings in Kobanê geschlagen. Der Sieg der Kurden in Kobanê hatte im Kampf gegen den IS-Faschismus eine ähnliche Wirkung wie der Sieg über Nazi-Deutschland während des 2. Weltkrieges in Stalingrad. Während des Widerstandes von Kobanê hat die Bevölkerung Nordkurdistans mit ihrem Protest und ihren Aktionen die größtmögliche Unterstützung geleistet. Auch die weltweite internationale Solidarität, die mit dem Welt-Kobanê-Tag am 1. November ihren Höhepunkt erreichte, gab den Kämpferinnen und Kämpfern große Kraft. Auf diese Weise haben sich weltweit Menschen im Kampf gegen den IS vereint. Erst infolge dieser Entwicklungen hat die internationale Koalition sich dazu durchgerungen, den Widerstand von Kobanê aus der Luft zu unterstützen.   

Ein Kampf mit der Perspektive des Demokratischen Konföderalismus

Das, was die Menschen im Kampf gegen den IS in Kobanê zusammengebracht hat, sind die gemeinsame Ideologie und der Kampf für ein demokratisches System. Die Revolutionär*innen von Rojava haben dieses System mit Leben gefüllt und gemeinsam mit den Völkern der Region im gesamten Norden Syriens verbreitet. Dieses antistaatliche und antihierarchische System hat in Form der Demokratischen Autonomie eine tatsächliche Lösungsperspektive für die Menschen der Region entworfen. Für alle gesellschaftlichen Probleme, die der IS geschickt für seine Zwecke zu instrumentalisieren pflegte, hat dieses Modell wirkliche Lösungen bereitgestellt. Und genau hiermit hat die von uns vertretene ideologische Linie der Geisteshaltung des IS die schwerwiegendsten Schläge verpasst. Aus diesem Grund hat der IS mit ungebremster Gewalt den Kampf gegen den Norden Syriens geführt und ist gegen die noch entschiedeneren revolutionären Kräfte in Kobanê gescheitert. Ohne die Überzeugung der eigenen ideologischen Linie wäre es keiner militärischen Kraft gelungen, auf diese Weise den Angriffen des IS standzuhalten.

Ohne die Gründe für die Niederlage IS zu verstehen, können nicht die richtigen Schlüsse gezogen werden. Für einen endgültigen Sieg über den IS muss der ideologische Nährboden dieser Organisation zerschlagen werden. Nur wenn auf diese Weise der Einfluss des IS gebrochen wird, wird auch die gesellschaftliche Unterstützung für die Organisation ein Ende haben. Sollte das nicht gelingen, könnte es sein, dass die schlafenden Zellen des IS erneut Unterstützung erfahren und die Organisation wieder erwacht.“