KCK gedenkt der im Dezember Gefallenen

In einer Erklärung gedenkt die KCK der Gefallenen und Ermordeten der im Monat Dezember stattgefundenen Massaker. Exemplarisch benennt die KCK das Massaker von Maraş, das Massaker von Paris und das Gefängnismassaker vom 19. Dezember 2000.

Der Dezember ist für Kurd:innen und Linke in der Türkei ein besonders düsterer Monat. In diesem Monat folgt ein Jahrestag eines Massakers auf den nächsten. So begann am 19. Dezember 1978 das Massaker von Maraş, bei dem Tausende von alevitischen Kurd:innen von einem faschistischen Mob tagelang gejagt und hunderte Männer, Frauen und Kinder ermordet wurden. Ebenfalls am 19. Dezember, diesmal im Jahr 2000, begann die als Gefängnismassaker bekanntgewordene „Operation Rückkehr ins Leben“. Sicherheitskräfte ermordeten dabei 30 gegen Isolationsgefängnisse Widerstand leistende Gefangene. Diese wurden zum Teil lebendig verbrannt. Am 23. Dezember 2022 folgte das zweite Pariser Massaker, bei dem Emine Kara (Evîn Goyî), Mitglied des Exekutivrats der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK), Mîr Perwer (Mehmet Şirin Aydın) von der kurdischen Kulturbewegung und der langjährige Aktivist Abdurrahman Kızıl vor dem Kulturzentrum Ahmet Kaya in Paris ermordet wurden. Am 28. Dezember 2011 bombardierte die türkische Luftwaffe bei Roboskî eine Gruppe Zivilisten und tötete 34 von ihnen, viele unter den Opfern waren noch minderjährig.

Die Geschichte des türkischen Staates ist eine Geschichte von Massakern und Völkermord“

Der Exekutivrat der KCK (Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans) gedenkt der Toten dieser Massaker in einer Erklärung. Darin heißt es: „Wir begehen vom 19. bis 24. Dezember 1978 die Jahrestage des Maraş-Massakers, des Gefängnismassakers am 19. Dezember 2000 und des Massakers von Paris am 23. Dezember 2022. Als kurdische Freiheitsbewegung gedenken wir in Person derer, die bei diesen Massakern ihr Leben verloren haben, voll Respekt und Dankbarkeit all der Gefallenen der Revolution. Wir verneigen uns ehrfürchtig vor ihrem Andenken und bekräftigen noch einmal unser Versprechen an die Gefallenen. Wir verurteilen diese Massaker und den türkischen Kolonialfaschismus, der hinter diesen Taten steht in alle Schärfe. Die Geschichte des türkischen Staates ist eine Geschichte von Massakern und Völkermord. Die Massaker, die systematisch an Völkern, Glaubensgemeinschaften wie den Alevit:innen, Sozialist:innen und demokratischen Kräften, insbesondere am kurdischen Volk, verübt wurden, sind eindeutiger Beweis dieser Tatsache.

Das Maraş-Massaker hat nie aufgehört“

Eines der Ereignisse, das den mörderischen Charakter des türkischen Staates am deutlichsten zeigt, ist das Maraş-Massaker von 1978. Es wurde im Rahmen des Reformplans Ost und der antikurdischen Genozidpolitik verübt. Mit dem Maraş-Massaker wurde die im Westen Nordkurdistans westlich des Euphrat lebende kurdisch-alevitische Bevölkerung zum Großteil vertrieben. Auf dieser Grundlage sollte der Genozid auf das Innere Kurdistans ausgedehnt werden. Das Maraş-Massaker ist somit eine Etappe in einer Serie von Massakern an der kurdischen Bevölkerung durch den türkischen Staat. Es zielte darauf ab, die kurdisch-alevitische Bevölkerung durch Mord und Vertreibung aus dem Nordwesten Kurdistans verschwinden zu lassen und ist nicht beendet, sondern dauert bis heute an. Es wurde auch verübt, um eine Begegnung der kurdischen Freiheitsbewegung aus dem Westen Kurdistans mit der Gesellschaft und der revolutionären Bewegung der Türkei zu verhindern.

Das Massaker von Paris wurde mit Hilfe von Gladio verübt“

Ein weiteres Massaker, das der türkische Staat an Kurd:innen verübte, fand am 23. Dezember 2022 in Paris statt und wurde als das zweite Pariser Massaker bekannt. Die große Revolutionärin Evîn Goyî, Mitglied unseres Exekutivrates, der Künstler Mîr Perwer und der Patriot Abdurrahman Kızıl wurden ermordet. Genau wie das erste Pariser Massaker wurde es nicht allein vom türkischen Staat verübt. Seit mehr als hundert Jahren betreibt der türkische Staat seinen Völkermord an den Kurd:innen mit internationaler Unterstützung. Er verübt seine Massaker in diesem Zusammenhang mit der Unterstützung der NATO. Auch die Morde in Europa wurden mit Unterstützung der NATO und von Gladio verübt. Das ist vollkommen klar. In unserem Volk ist das allen bewusst. Der französische Staat muss sich weiterhin den Vorwurf gefallen lassen, die Massaker in Paris nicht aufzuklären. Er muss aufhören, die Wahrheit zu verbergen. Solange die europäischen Staaten, insbesondere Frankreich, die Massaker von Paris nicht aufklären, können sie sich nicht von den Vorwürfen freimachen. Unser Volk ist fest entschlossen, diese Massaker aufzuklären, um weitere Anschläge zu verhindern. Das sollten alle wissen.

Das Massaker vom 19. Dezember hat die grausame Realität des türkischen Staates gezeigt“

Am 19. Dezember 2000 wurden Dutzende von Gefangenen bei brutalen Angriffen in den Kerkern ermordet. Die Angriffe und Massaker in den Gefängnissen haben einmal mehr gezeigt, wie grausam und brutal der türkische Staat ist und dass er keinen Funken Menschlichkeit besitzt. Heute repräsentiert die AKP/MHP-Regierung diesen mörderischen Charakter und geht weiter auf diesem Weg. In den Gefängnissen, insbesondere in der absoluten Isolation gegen Rêber Apo [Abdullah Öcalan] auf Imrali, herrschen Repression und Folter. Die Gefangenen befinden sich im aktiven Widerstand dagegen. Die Aktionen der Gefangenen in Form von alternierenden Hungerstreiks sollten von den Menschen draußen genau verstanden werden. Sie stellen eine Unterstützung der internationalen Kampagne für die physische Befreiung von Rêber Apo und die Entwicklung einer demokratischen politischen Lösung der kurdischen Frage dar. Die richtige Antwort auf die Aktion der Gefangenen ist daher eine stärkere Beteiligung an der Kampagne. Nur so können wir uns mit den Gefangenen solidarisch zeigen. Alle sollten diese Situation richtig einschätzen und durch eine stärkere Beteiligung an der Kampagne Position beziehen.“