Protest gegen Inbetriebnahme des LNG-Terminals auf der Ostseeinsel Rügen

„No Fracking LNG“ – Mehrere Umweltgruppen protestieren heute an mehreren Orten gegen den Bau des Flüssiggas-Terminals auf Rügen. In der kommenden Woche soll der Probebetrieb auf der Ostseeinsel beginnen.

Seit einem Jahr wehrt sich die Bürgerinitiative Lebenswertes Rügen gegen den Bau von LNG-Terminals beim Hafen von Mukran auf der Urlaubsinsel Rügen. Im Schulterschluss mit zahlreichen Akteuren der Klimabewegung wie dem Aktionsbündnis Ende Gelände und Fridays for Future Rügen und Berlin finden heute ab 15.00 bzw. ab 16.00 Uhr erneut Proteste unter dem Motto „No Fracking LNG“ statt.

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Protestaktionen auf Rügen

Auf Rügen selbst finden mehrere Aktionen gegen das Flüssiggas-Terminal statt, das in der kommenden Woche den Probebetrieb beginnen soll. „Seit nunmehr einem Jahr reißen die Proteste der Bevölkerung auf Rügen nicht ab“, erklärte dazu Stefanie Dobelstein von der Bürgerinitiative Lebenswertes Rügen. „Trotzdem erfolgen Genehmigungen im Eiltempo, Bauarbeiten wurden illegal begonnen und die Schonzeit für den Hering beim Pipelinebau von der Firma Gascade missachtet.“ Malte Paschirbe von Fridays for Future Rügen betonte: „Der Ausbau von Gasinfrastruktur ist ein Klimaverbrechen und gefährdet die Lebensqualität auf der Insel. Weiterhin stellen wir uns gegen die Vorhaben der Bundesregierung, dieses – sowie weitere acht Importterminals – zu bauen.“

Kundgebungen in Berlin und Kassel

Zeitgleich wird auf einer Kundgebung vor dem Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz in Berlin gegen die LNG-Strategie der Bundesregierung protestiert. Mit einem vier Meter hohen aufblasbaren Bohrturm vor dem Bundeswirtschaftsministerium machen die Aktivist:innen darauf aufmerksam, dass die aktuelle Politik der Bundesregierung nicht nur die Flüssiggas-Importe nach Deutschland forciert, sondern auch die Ausweitung von Fracking im Süden der USA antreibt.

„Die Bundesregierung übernimmt die dreiste Lüge der Gaslobby, dass wir mehr fossiles Gas brauchen“, so die Sprecherin von Ende Gelände, Jule Fink. „Dabei ist LNG ein Klimakiller! Besonders übel ist gefracktes Gas, denn Fracking zerstört ganze Ökosysteme und macht Menschen krank. Von den verheerenden Folgen sind besonders indigene und Schwarze Gemeinden in den USA betroffen, wo das LNG gefördert wird. Und wer profitiert? Die Energiekonzerne, die Chemie- und Plastikindustrie. Und dank der Milliarden, die die Bundesregierung an Steuergeldern in diese klimazerstörerische Infrastruktur investiert, sprudeln die Gewinne umso besser. Wir sagen: Schluss damit! Wir brauchen den sofortigen Gasausstieg.“

In Kassel kündigen Aktivist:innen vor dem Sitz der Pipelinefirma Gascade weiteren Widerstand gegen den Ausbau von Gasinfrastruktur auf Rügen an. „Ohne Rücksicht auf Schäden für Mensch und Natur baut Gascade weiter Gaspipelines – und verbaut uns damit den Weg aus der Klimakrise. Der Kasseler Konzern stellt seine Profitinteressen über den Erhalt unserer Lebensgrundlagen. Weltweit eskalieren Waldbrände und Überschwemmungen; immer mehr Menschen werden durch die Folgen der Klimakrise vertrieben oder getötet. Doch Gascade hält am Klimakiller Erdgas fest und arbeitet mit anderen Gaskonzernen fleißig an Kassels Ruf als Gashauptstadt Deutschlands“, so Maja Schreiner, Sprecherin von Klimagerechtigkeit Kassel.

LNG steht wissenschaftlich in der Kritik

Mit den Aktionen fordern die verschiedenen Gruppen den sofortigen Gasausstieg. Fossiles Gas und insbesondere LNG steht auch wissenschaftlich in der Kritik. Es gilt als besonders klimaschädlich, weil es wesentlich aus Methan besteht, einem hochwirksamen Treibhausgas.

Auf den Kundgebungen ist auch eine Rede von Christopher Basaldú, einem indigen Anti-Fracking-Aktivisten aus den USA zu hören. Erst kürzlich hat die Klimabewegung in den USA einen Erfolg errungen: Präsident Biden stoppte die Genehmigung weiterer LNG-Exportterminals.