Türkei und IS attackieren, Bevölkerung ist im Widerstand

Während die Angriffsvorbereitungen des türkischen Staats auf Girê Spî und Serêkaniyê in Nordsyrien weitergehen, startet der IS einen umfassenden Angriff auf Raqqa. Die Bevölkerung Nord- und Ostsyriens erhebt sich zum Widerstand, der Westen schweigt.

Der türkische Staat zieht seine Kräfte an der Grenze nach Nordsyrien zusammen und bereitet einen massiven Angriff vor. Auch gestern Nacht liefen die Militärtransporte in das gegenüber der nordsyrischen Stadt gelegene Girê Spî (Tall Abyad) gelegene Akçakale und in das gegenüber von Serêkaniyê gelegene Ceylanpınar weiter. Die beiden nordsyrischen Orte wurden als Brückenköpfe für die Operation ausgewählt, um die selbstverwalteten Gebiete voneinander zu trennen. Nach dem Treffen zwischen den USA und Ankara zwischen dem 5. und 7. August wurde beschlossen, das Gebiet zwischen den beiden Städten zu der Region zu machen, in der ein auch mit den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) vereinbarter Grenzsicherungsmechanismus umgesetzt werden sollte. Im Rahmen dieses Mechanismus richteten us-amerikanische und türkische Militärvertreter ein gemeinsames Kommandozentrum in Riha (Urfa) ein. Es fanden zehn gemeinsame Patrouillen statt, sieben in der Luft und drei am Boden. Die letzte Bodenpatrouille fand am 4. Oktober statt. Die QSD und die Selbstverwaltung erfüllten die Anforderungen, wie den Rückzug ihrer Einheiten und den Abbau von Verteidigungsstellungen, noch vor dem Zeitplan. Allerdings hatte der türkische Regimechef Erdoğan bereits am 27. August nach seiner Moskau-Reise erklärt, das Abkommen „befriedige ihn nicht“ und das Signal zur Vorbereitung einer Invasion gegeben.

Russland und Iran schlagen Mechanismus des Adana-Abkommens zur Lösung der Krise vor

Nach dem Dreiergipfel in Ankara, bei dem sich am 16. September Putin, Erdoğan und Ruhani trafen, wurden die Drohungen gegen Nordsyrien aufs höchste Maß gesteigert. Erdoğan hatte von Putin und Ruhani Unterstützung für seine Invasion erhofft, die beiden Mächte verwiesen aber auf das Abkommen von Adana aus dem Jahr 2018, mit dem Hinweis, Erdoğan müsse sich mit Assad verständigen. Die türkische Regierung versucht in diesem Sinne immer wieder zu suggerieren, sie wolle die territoriale Integrität Syriens bewahren.

Treffen zwischen türkischem und syrischem Geheimdienst

Unter Vermittlung Russlands und des Irans finden schon seit langem Treffen zwischen dem syrischen Geheimdienst Muhabarat und dem türkischen MIT statt. In der russischen Basis Hmeimim in Syrien fand ebenfalls eine Serie von Treffen zwischen Moskau und Teheran statt.

Erst drohte Erdoğan

Ende September kam Erdoğan mit Landkarten in der Hand in die Generalversammlung der Vereinten Nationen und verlangte Zustimmung für sein Invasionsprojekt. Er bedrohte die europäischen Staaten mit einer Grenzöffnung für Schutzsuchende.

Drohungen des Regimes und des IS folgten

Gleichzeitig zu Erdoğans Drohungen erklärte das Regime die Demokratischen Kräfte Syriens zu „Terroristen“ und der IS-„Kalif“ al-Bagdadi gab seinen Schläferzellen den Angriffsbefehl.

Rückzug der Koalition

Am 7. Oktober wurde nach einem Telefongespräch zwischen Erdoğan und Trump verkündet, die Koalitionstruppen würden von der Grenze abgezogen und der Weg frei für eine türkische Operation gemacht. Ein paar Stunden später wurden zwei Stellungen in Serêkaniyê und Girê Spî geräumt.

Bevölkerung der Region erhebt sich

Die Bevölkerung der Region ist nun seit Tagen gegen die türkische Invasion auf den Beinen. Gegen die Invasionsdrohungen finden in allen Städten Nord- und Ostsyriens Protestaktionen statt. An der Grenze bei Girê Spî und Serêkaniyê versammeln sich seit drei Tagen zahlreiche Menschen als „lebende Schutzschilde“. In Girê Spî stehen die „lebenden Schutzschilde“ an drei verschiedenen Orten, in Serêkaniyê an einem. Auf den Protestaktionen ist die gesamte Vielfalt der Identitäten Nordsyriens präsent: Kurd*innen, Araber*innen, Suryoye, Keldani, Armenier*innen, Tscherkess*innen, Turkmen*innen und Tschetschen*innen.

Botschaften der Selbstverwaltung und der QSD an den Widerstand

Ebenso wie die Bevölkerung haben auch die Selbstverwaltung und die QSD angekündigt, gegen die Invasion Widerstand zu leisten.

IS und Türkei gehen koordiniert vor

Während der türkische Staat auf internationaler Ebene um Unterstützung buhlt, griffen heute Nacht IS-Zellen Kontrollpunkte der QSD im Zentrum von Raqqa an. An dem Angriff sind dutzende Dschihadisten beteiligt, und es kommt weiterhin zu heftigen Gefechten in der Stadt.