Portugiesischer IS-Dschihadist seit sechs Monaten in QSD-Haft

Der portugiesische IS-Dschihadist Nero Saraiva befindet sich seit sechs Monaten bei den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) in Haft. Er reiste 2012 nach Syrien und schloss sich der Terrormiliz IS an.

Der berüchtigte IS-Dschihadist Nero Saraiva befindet sich seit sechs Monaten bei den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) in Haft. Er war unter anderem in die Ermordung von Gefangenen verwickelt. Nero Saraiva war sechs Mal in England und fünf Mal in Syrien verheiratet und hat acht Kinder. Zwei seiner Ex-Frauen und seine aktuelle Ehefrau befinden sich im Camp Hol in Nordsyrien. Saraiva, der sieben Jahre lang für den „Islamischen Staat” (IS) gemordet hat und zu den letzten IS-Dschihadisten in al-Bagouz gehörte, behauptet dennoch, zu bereuen. Während Saraiva lang und breit über sein Leben erzählt, schweigt er jedoch zu seinen Tätigkeiten beim IS.

Saraiva hatte sich am 3. März 2019 zusammen mit seiner Familie verletzt den QSD ergeben. Europäische Geheimdienste rechnen den Dschihadisten dem berüchtigten britischen IS-Folter- und Exekutionskommando „Beatles“ zu, das dem IS-Henker Mohammed Emwazi als rechte Hand diente. Unter anderem wird Saraiva beschuldigt, an der Entführung des britischen Kriegsfotografen John Cantlie und der Ermordung des US-Journalisten James Foley vor laufenden Kameras beteiligt gewesen zu sein. Der 33-jährige Saraiva verließ 2012 seine Wohnung in Walthamstow im Nordosten Londons.

Saraiva war mit seinen ebenfalls aus Portugal nach England migrierten Freunden über die Türkei mithilfe von Ahrar al-Sham nach Syrien eingereist. Er hat sich 2012 der dschihadistischen Gruppe des Tschetschenen Omar Shishani, Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar, angeschlossen und war 2014 dann gemeinsam mit seinen portugiesischen Landsleuten Edgar Costa, Celso Costa und Sacit Ture dem IS beigetreten.


Wegen Drogenhandel inhaftiert

Nero Saraiva war im Jahr 2000 aus Portugal nach England gegangen, wurde nach drei Jahren wegen Drogenhandel festgenommen und war zwei Jahre inhaftiert. 2007 konvertierte er gemeinsam mit seinen portugiesischen Freunden Edgar Costa, dessen Bruder Celso Costa und Sacit Ture zum Islam. Nach seiner Konversion heiratet er. Er beginnt in seiner Freizeit die Nur-Moschee im Osten Londons zu besuchen.

Nach Konversion zum Islam geht er nach Afrika

Saraiva geht im Jahr 2010 zusammen mit seinem Freund nach Tansania. Sie wollen ein Visum für den Sudan bekommen und sich an der Afrika-Universität einschreiben. Nach einigen Monaten kehrt er aus finanziellen Gründen nach England zurück. Bei seiner Rückkehr wird er vier Tage am Flughafen von britischen Antiterroreinheiten festgehalten und vernommen. Sein Freund Edgar Costa bleibt in Tansania und heiratet dort.

An der Afrika-Universität im Sudan

Nachdem er sich in England genug Geld beschafft hatte, kehrt er nach Tansania zurück und reist mit einem Visum in den Sudan ein und schreibt sich 2011 im Sudan an der Afrika-Universität ein. Zwei Monate später beginnt der Bürgerkrieg in Syrien und er bereitet sich mit seinen Freunden darauf vor, nach Syrien zu reisen.

Aus dem Sudan nach Istanbul und Hatay

Er reist zusammen mit Edgar Costa zunächst nach Istanbul und dann nach Hatay. Dort fährt er mit dem Taxi nach Reyhanlı. Nach einer Woche reist er mit Hilfe von Ahrar al-Sham nach Idlib. Eine Woche später treffen auch seine anderen Freunde Celso Costa und Sacit Ture ein.

Die Zeit bei Ahrar al-Sham

In Idlib ist er mit Ahrar al-Sham unterwegs. Er lebt im „zivilen Flüchtlingslager“ von Atme. Als der Grenzübergang Bab al-Hawa von der Miliz Liwa al-Faruk eingenommen wird, ist er mit der Verteilung offizieller Hilfslieferungen betraut. Die Hilfe von den Gruppen aus England wird offiziell durch die Türkei nach al-Bab gebracht. Diese Arbeiten finden ohne jegliche Probleme statt.

Freunde gehen, um Ehefrauen zu holen zurück

Nach drei Monaten reisen seine Freunde, sowohl um ihre Ehefrauen zu holen, als auch um Hilfe zu organisieren, nach England. Er bleibt allein zurück und macht als Mitglied von Ahrar al-Sham weiter.

In der Miliz von Omar Shishani

Sariva gehört im August zu denjenigen, die von Ahrar al-Sham damit beauftragt worden waren, im August 2012 das Regime, das bereits wieder in Salahaddin einmarschiert war, aufzuhalten. Im Monat Ramadan lernt er den Tschetschenen Omar Shishani kennen. Er wird sofort zu Shishanis Leibwächter ernannt und schließt sich Shishanis Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar an.

Seine Freunde kommen zurück nach Idlib

Anschließend reist er wieder nach Idlib und nimmt über Atme Kontakt zu seinen Freunden in England auf. Nach einer Weile kommt Hilfe und dann schließlich auch seine Freunde Celso und Edgar Costa nach Idlib. Zusammen mit seinen Freunden geht er nach Aleppo und errichtet in Haretan mit den ankommenden Hilfsgütern ein Krankenhaus.

Reise nach Raqqa und Beitritt zum IS

Während der Kämpfe zwischen der FSA und dem IS im Jahr 2014 geht er nach Raqqa und schließt sich dem IS an. Er wird dort gut empfangen und bekommt sofort ein Haus. Einen Monat später wird er der aus ausländischen Dschihadisten bestehenden Abu-Musab-Zarkawi-Einheit zugeteilt.

Er schweigt über seine Zeit beim IS

Während Saraiva ausschweifend von seiner Kindheit bis zu seinem Beitritt zum IS erzählt, bleibt seine Zeit bei der Terrormiliz im Dunkeln. Er sei bei der Abu-Musab-Zarkawi-Einheit dafür zuständig gewesen, die Europäer zu kontrollieren, sagt er und fährt fort, er habe einige Monate nach der „Ausrufung des Kalifats“ aufgrund einer Verletzung nach Mosul ins Krankenhaus gehen müssen. Nachdem er dort ein Jahr verbracht hatte, sei er nach Raqqa zurückgekehrt. Ab 2015 war er auf eigenen Wunsch als Aufklärer der Bewegungen des Regimes zuständig gewesen. „Wir haben in Hama, Homs, Tadmur, Deir ez-Zor und anderen Gebieten die Bewegungen des Regimes beobachtet und an unserem Befehlshaber in Raqqa gemeldet”, sagt er aus.

Nach der Befreiung von Raqqa nach Deir ez-Zor

Nach der Befreiung von Raqqa durch die QSD geht er nach Mayadin und von dort aus nach Deir ez-Zor.

Seine Freunde sterben einer nach dem anderen

Er erzählt weiter: „Edgar Costa hieß beim IS Abu-Mekina Andalusi, sein Bruder Abu Bakr Andalusi, Celso Costa, Abu Isa Andalusi und Sacit Ture, Abu Yusha Andalusi. Sacit Ture stirbt 2016 in Aleppo beim Einschlag einer vom Regime abgefeuerten Mörsergranaten. Die Costa Brüder wurden verletzt. Wir waren dann 2018 in Kiranic. Die QSD hatten für ein paar Tage das Feuer eingstellt. Wir wollten nach Idlib abhauen und von dort in die Türkei fliehen. Das hat aber nicht funktioniert. Celso Costa starb in Hajin und Edgard Costa in Soussa bei Deir ez-Zor.

Bei den letzten IS-Dschihadisten in al-Bagour

Saraiva war einer der letzten IS-Dschihadisten, die in al-Bagouz zurückgeblieben sind. Als er dort an Kopf und Schultern verletzt wird, ergibt er sich mit seiner Familie den QSD.

Er behauptet, zu bereuen

Saraiva sagt, er bereue es, sich dem IS angeschlossen zu haben. Saraivas zwei Exfrauen und seine aktuelle Ehefrau leben mit drei Kindern zurzeit im Hol-Camp. Saraivas letzte Ehefrau ist die Frau des Fußballspielers Fabio Pocas, der ebenfalls dem IS beigetreten war. Nach dessen Tod heiratete er dessen Frau.