Nordsyrien: Wasserembargo gefährdet Natur und Landwirtschaft

Der türkische Staat versucht mit seinem Staudammsystem, Nordsyrien auszutrocknen. Der Wasserstand des Euphrat sinkt kontinuierlich.

Das türkische Wasserembargo gefährdet das Leben in Nord- und Ostsyrien auf vielfältige Weise. Während Flüsse austrocknen und die Ökosysteme an den Ufern und im Wasser zusammenbrechen, sinken auch die Erträge in der Landwirtschaft und des Fischfangs rapide. Verschärft wird die Situation durch eine Dürre, die in diesem Jahr in der Region herrscht. Viele Felder sind vollkommen ausgetrocknet. Die Bäuerinnen und Bauern können nicht auf das Wasser von Flüssen wie dem Euphrat zugreifen, da die Pegelstände extrem abgesunken sind. Auch der Xabûr-Stausee ist ausgetrocknet und stellt keine Möglichkeit mehr zur Bewässerung dar. Da die Felder praktisch nicht bewirtschaftet werden können, fehlt es auch in der Tierhaltung an Futter.

Landwirtschaftliche Produktion geht zurück

Gegenüber der Nachrichtenagentur ANHA erklärt der Bauer Mihemed Nuri Ehmed aus Zirgan: „Der Mangel an Regen und das Austrocknen der Stauseen führten zu einem Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion. Es hat in diesem Jahr sehr wenig geregnet. Dadurch trocknete das Land aus. Der türkische Staat reduziert gezielt das Wasser des Euphrat, um die landwirtschaftliche Produktion in der Region zu zerstören. Die niedrige landwirtschaftliche Produktion wird sich auch schlecht auf die Wirtschaft auswirken.“


Xabûr-Stausee weitgehend ausgetrocknet

Said Nayif vom Landwirtschaftskomitee von Til Temir kommentiert die Lage: „Die Mehrheit der Felder, die auf Regen angewiesen sind, sind bereits wegen der Dürre ausgetrocknet. Die bewässerten Felder werden aus dem Xabûr-Stausee und den Tiefbrunnen versorgt. Da es dieses Jahr nicht geregnet hat, ist der Xabûr-Stausee weitgehend ausgetrocknet. Wir versuchen durch die Verteilung von Diesel an die Bauern, den Schaden zu reduzieren.“ Mit dem Diesel sollen Pumpen für Tiefbrunnen betrieben werden. Dies gefährdet auf die Dauer die Umwelt massiv, da der Grundwasserspiegel so immer weiter abgesenkt wird.

Fischerei am Ende

Aber nicht nur die Landwirtschaft ist betroffen. Die Fischereiunion von Raqqa klagt über das drohende Aussterben der Fische im Euphrat aufgrund der Reduzierung des Wasserdurchflusses durch die Türkei. Bereits jetzt nimmt die Artenvielfalt des Fischlebens im Euphrat in der Region deutlich ab. Insbesondere, da das Wasser durch seine Abnahme eine höhere Verschmutzung aufweise.

In Raqqa leben etwa 300 Familien vom Fischfang. Die Situation dieser Familien wird immer dramatischer, da sie sich praktisch nicht mehr selbst ernähren können.