Mangelnde Versorgung in Vertriebenenlagern in Nordsyrien

Die vor drei Jahren durch die türkische Invasion aus Serêkaniyê und Girê Spî vertriebenen Menschen leben unter prekären Bedingungen in den von der Autonomieverwaltung von Nordostsyrien errichteten Auffanglagern.

Ein großer Teil der durch die türkische Invasion im Oktober 2019 aus Serêkaniyê (Ras al-Ain) und Girê Spî (Tall Abyad) vertriebenen Menschen lebt seit drei Jahren in Auffanglagern der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien (AANES). Nach der Fluchtbewegung aus der angegriffenen Region wurden viele Menschen zunächst behelfsweise in Schulen in Hesekê und Umgebung untergebracht. Danach wurden die Camps Serêkaniyê und Waşokanî errichtet, in Raqqa entstand ein Lager für Vertriebene aus Girê Spî. Finanziert werden die Lager zum Großteil von der Autonomieverwaltung. Es gab auch Unterstützung von Hilfsorganisationen, aber viele dieser Organisationen haben Rojava verlassen.

Waşokanî-Camp

Das Waşokanî-Camp im Westen von Hesekê wurde am 24. Oktober 2019 aufgebaut. Es liegt 13 Kilometer entfernt von Til Temir. In dem Lager leben 2.355 Familien in 1.987 Zelten. Die Hälfte der 16.306 Bewohner:innen sind Kinder.

Serêkaniyê-Camp

Für die aus Serêkaniyê stammenden Vertriebenen, die zunächst in Schulen untergebracht waren, wurde am 1. August 2020 mit der Errichtung eines weiteren Camps begonnen. Im Serêkaniyê-Camp leben heute 13.729 Menschen aus 2.395 Familien in 2.793 Zelten. 154 der Zelte werden als Küchen genutzt.

Was die Vertriebenen brauchen

Gesundheit: In beiden Lagern gibt es Gesundheitseinrichtungen, die jedoch nur eine Notfallversorgung leisten können. Bei Bedarf werden Kranke von Gesundheitsteams der Rothalbmondorganisation Heyva Sor a Kurd in Krankenhäuser in der Umgebung gebracht. In den Camps fehlen medizinisches Material, Medikamente, Labore und Personal.

Unterbringung: In den Camps gibt es nicht genügend Zelte, oftmals ist mehr als eine Familie in einem Zelt untergebracht. Die Lagerleitungen haben bisher vergeblich Unterstützung bei internationalen Hilfsorganisationen angefordert.

Bildung: Die Autonomieverwaltung versucht, Kindern Schulbildung zu ermöglichen. Anfangs wurde in Zelten unterrichtet, inzwischen sind kleine Schulen gebaut worden. Über 6000 Kinder bekommen Unterricht, aber aufgrund mangelnder Möglichkeiten können nicht alle Kinder davon profitieren. Es fehlt an grundlegenden Materialien wie Heften, Stiften und Tafeln.

Infrastruktur: Die Stromversorgung ist ungenügend und stellt ein großes Problem für die Menschen in den Lagern dar.