Kobanê: Tausende demonstrieren vor Koalitions-Stützpunkt

Tausende Menschen aus Nord- und Ostsyrien haben vor dem Stützpunkt der internationalen Anti-IS-Koalition in Kobanê gegen die Besatzungsdrohungen des türkischen Staates protestiert.

Die Proteste in Nord- und Ostsyrien gegen die türkischen Besatzungsambitionen werden zunehmend massiver. An der Grenze zur Türkei harren Menschen seit Tagen als „lebende Schutzschilde“ gegen die Drohgebärden des türkischen Militärs aus. Vor der Basis der internationalen Anti-IS-Koalition im Süden von Kobanê haben heute Tausende Menschen aus Raqqa, Deir ez-Zor, Tabqa, Minbic, Girê Spî (Tall Abyad) und Kobanê mit den Bildern von Gefallenen und Sprechchören gegen den türkischen Staat demonstriert.

„Wir repräsentieren die Zukunft des Mittleren Ostens“

Im Namen des Exekutivrates der Euphrat-Region erklärte Mihemed Şahin in einer Ansprache vor dem internationalen Stützpunkt: „Wir sind nicht gekommen, um irgendjemanden um etwas zu bitten. Europa, Asien und die Länder anderer Kontinente sind dank uns in Sicherheit. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem die internationalen Kräfte handeln und ihrer Verantwortung nachkommen müssen. Tausende Angehörige dieses Volkes haben im Kampf gegen den Terror ihr Leben gegeben. Wir stehen für eine Zukunft, in der die Völker des Mittleren Ostens ohne Krieg in Frieden leben können.“

Die Situation in Nordsyrien

Die Türkei droht seit einiger Zeit mit einer Offensive östlich des Euphrat die selbstverwalteten Gebiete Nord- und Ostsyriens zu besetzen. Zeitgleich zur ersten Lieferung von Teilen des russischen Raketenabwehrsystems S-400 an die Türkei hat die türkische Armee Truppen an der Grenze zu Rojava zusammengezogen. Um die Genehmigung für eine Pufferzone im Grenzgebiet zu erhalten, drohte Ankara den USA bereits mit einem Wechsel der Achse und signalisierte Russland, dass die US-Pläne in der Region gemeinsam durchkreuzt werden könnten. Mazlum Abdi warnte daraufhin: „Wenn die Türkei wo auch immer angreift, wird es zu einem großen Krieg kommen. Das haben wir allen gesagt. Das weiß die Türkei, das wissen auch die USA und Frankreich.“

Sowohl in Ankara als auch in Nordsyrien haben heute Besuche von US-Vertretern stattgefunden, bei denen über die Situation in Nordsyrien gesprochen worden ist.