PKK-Erklärung zum Anschlag auf Zekî Şengalî

In einer schriftlichen Erklärung hat sich der Exekutivrat der PKK zum tödlichen Anschlag auf Zekî Şengalî geäußert.

Der Exekutivrat der Arbeiter*innenpartei Kurdistans PKK hat eine schriftliche Erklärung zu dem Anschlag auf Zekî Şengalî durch den türkischen Staat veröffentlicht und dabei auf die Rolle der USA, des Irak und der PDK verwiesen. „Im Vorfeld des Attentats hat es lange Gespräche und Verhandlungen zwischen Ankara, Hewlêr, Bagdad und Washington gegeben“, heißt es in der Erklärung. Der ezidische Politiker Zekî Şengalî, der Mitglied der ezidischen Koordination Şengal und des KCK-Exekutivrates war, wurde am Mittwoch tödlich verletzt, als die türkische Luftwaffe gezielt sein Fahrzeug bombardierte.  

Die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen

In der Erklärung heißt es:

„Am 15. August verloren wir unseren Genossen Zekî Şengalî (Ismail Özden), den Mam Zekî der Ezidinnen und Eziden, tapferen Freiheitskämpfer des Volkes Kurdistans, Veteran unserer Freiheitsbewegung und Mitglied der ezidischen Koordination Şengals bei einem Luftangriff der faschistisch-rassenfanatischen Republik Türkei. Wir verurteilen diesen kolonialistischen Angriff auf das Schärfste, dessen Verantwortliche vom Volke Kurdistans und seiner Jugend zur Rechenschaft gezogen werden. Mit tiefem Respekt und großer Dankbarkeit verneigen wir uns vor unserem Genossen. Die Erinnerung an Şehîd Zekî Şengalî wird im freien Kurdistan und im Demokratisch-Autonomen Şengal stets bestehen bleiben.

40 Jahre Kampf für die Emanzipation Kurdistans

Genosse Zekî, geschätzter Sohn des ezidisch-kurdischen Volkes, der in Êlih/Qubîn geboren wurde, war ein großer Revolutionär und Patriot, der zeit seines Lebens fast 40 Jahre für die Emanzipation Kurdistans und ein freies und demokratisches Leben der ezidischen Bevölkerung kämpfte. Insbesondere nachdem er von den Ideen des Vordenkers Abdullah Öcalan erfuhr und ihn persönlich traf, war sein Engagement für den Widerstand noch viel kraftvoller. Lange Jahre widmete sich Genosse Zekî revolutionären Aufgaben in Europa, die er in allen Bereichen des Freiheitskampfes mit Verantwortung erfüllte. In den frühen 2000er Jahren war Mam Zekî Mitglied im Zentralkomitee unserer Partei und später Mitglied im KCK-Exekutivrat. Als am 3. August 2014 der faschistische Islamische Staat unsere ezidisch-kurdische Bevölkerung in Şengal überfiel, kehrte er dorthin zurück und nahm bis zu seinem Tod an den Aufbauarbeiten eigener autonomer Strukturen für eines freien und geschwisterlichen Lebens für die Ezid*innen und die Völker Şengals teil. Er wurde zu einem Lehrer und Repräsentanten der ezidisch-kurdischen Identität von Şengal.“

Anschlag auf Şengalî ist ein Angriff auf alle Ezid*innen

Bei dem Attentat auf Şengalî handele es sich um einen Angriff auf die Existenz der ezidisch-kurdischen Bevölkerung und die Demokratisch-Autonome Verwaltung der bezwecke, die Demokratisierung des Irak und Südkurdistans zu sabotieren. Der Angriff sei eine Fortsetzung des Genozids, den der sogenannte Islamische Staat am 3. August 2014 und der türkische Staat am 24. April 2017 in Şengal und Rojava verübten, so die PKK. Was der IS-Faschismus vor vier Jahren unternahm, habe nun der AKP-MHP-Faschismus versucht, heißt es weiter.

Gespräche und Verhandlungen vor Anschlag

„Eine Frage muss ganz klar gestellt werden: Gemäß welchen Autorisationen und Anrechten bombardieren die Kräfte der faschistisch-türkischen Republik Şengal und Südkurdistan? Ist der Irak ein souveräner Staat? Gibt es in Bagdad eine Regierung? Sollte dem so sein, werden die Angriffe türkischer Kampfjets von der irakischen Regierung abgesegnet? Was sagt die südkurdische Autonomieregierung in Hewlêr zu den Angriffen? Der irakische Luftraum wird seit Jahren von den USA kontrolliert. Heißt dies dann, dass türkische Kampfjets Şengal mit Unterstützung und Zustimmung der USA bombardieren?

Die Tatsache, dass der irakische Ministerpräsident am Vortag des Attentats nach Ankara reiste, die intensiven Gespräche zwischen dem türkischen Geheimdienst MIT, der PDK und YNK und der Besuch eines Generals der US-Streitkräfte in Ankara vor zwei Wochen verdeutlichen, dass diese Treffen für Verhandlungen hinsichtlich des Anschlags auf Zekî Şengalî stattgefunden haben.

Freude wird nicht von Dauer sein

Dagegen war Mam Zekî vier Jahrzente seines Lebens aktiver Revolutionär, der nichts anderes als die Freiheit des kurdischen Volkes, insbesondere der Ezid*innen und das geschwisterliche Zusammenleben der Völker ersehnte. Mit seiner reifen, proletarischen und freundlichen Art war er stets im Dienst seines Volkes tätig. Die Persönlichkeit des beispiellosen Freiheitskämpfers Zekî vereinte in Harmonie den kurdischen Nationalcharakter mit den freiheitlichen Gedanken Abdullah Öcalans.

Mögen die rassenfanatischen Mörder noch so beglückt sein und in Hysterie verfallen, weil sie solch einen Verfechter der Freiheit ermordet haben. Ihre Freude wird nicht von Dauer sein. Die Frauen, die Jugend und das gesamte Volk Kurdistans, insbesondere die Ezid*innen, werden den Faschismus der AKP-MHP im Grab der Geschichte versenken, so wie sie es bereits mit dem Faschismus des IS taten. Die Schüler*innen von Mam Zekî werden die Mörder zur Rechenschaft ziehen.

Wir gedenken in Würde und Respekt ein weiteres Mal unserem Genossen Zekî Şengalî und rufen das kurdische Volk, seine Jugend und die Guerilla dazu auf, den revolutionären Kampf für die Vergeltung weiter zu stärken.

An seinem 15. Todestag gedenken wir auch dem Genossen Erdal (Engin Sincer), Mitglied des HPG-Hauptquartiers. Seinen Spuren werden wir fortan noch entschlossener folgen.“