Familien fordern Freilassung der YBŞ-Kämpfer

Die Familien der fünf YBŞ-Kämpfer, die kürzlich von der irakischen Armee gefangen genommen worden sind, haben einen dringenden Appell an 14 Länder und verschiedene internationale Organisationen geschickt.

Brief an internationale Gemeinschaft

Die bei einem Hinterhalt des irakischen Militärs in Şengal-Stadt festgenommenen und teils verwundeten YBŞ-Kämpfer sind noch immer nicht freigelassen worden. Die zivilen Proteste in der Region dauern daher an. Nun haben sich die Familien der betroffenen Kämpfer in einem Brief an internationale Menschenrechtsorganisationen sowie die UNO, die EU und die 14 Länder, die den Völkermord an den Ezid:innen von 2014 anerkannt haben, gewendet. Sie fordern hierin die Freilassung der Kämpfer und rufen die Einrichtungen dazu auf, Druck auf die irakische Regierung auszuüben.

Der Brief hebt hervor: „Im 21. Jahrhundert wurde die ezidische Gemeinschaft am 3. August 2014 Opfer eines Genozids. Anstatt die Ezid:innen zu schützen und das Massaker zu verhindern, flohen die PDK-Peşmerga und die irakische Armee, wodurch die Menschen in Şengal einem Massenmord ausgeliefert wurden.“

Appell an die internationale Gemeinschaft

Die Familien appellieren an die internationale Gemeinschaft, insbesondere an die UNO, die EU und diejenigen Staaten, die den Genozid anerkannt haben, sich aktiv für die Freilassung der YBŞ-Kämpfer:innen einzusetzen und gegen die fortgesetzte Misshandlung der ezidischen Gemeinschaft durch die irakische Regierung Stellung zu beziehen. „Unsere Kinder müssen unverzüglich freigelassen werden. Gleichzeitig müssen die Angriffe auf die Ezid:innen aufhören, und der Konflikt muss beendet werden“, fordern die Familien.

Kritik an der irakischen Regierung

Die Familien und Unterstützer:innen der YBŞ-Kämpfer:innen kritisieren die Haltung der irakischen Regierung, die trotz der fortwährenden Bedrohung durch IS sowie der militärischen Eskalation der Armee keine Reaktion zeige. Im Gegenteil: Die Regierung verabschiedete ein Amnestiegesetz, das die Freilassung von IS-Mitgliedern vorsieht, die an den Verbrechen von 2014 beteiligt waren.

„Seit zehn Jahren verteidigen unsere Kämpfer:innen Şengal und seine Bevölkerung, darunter Ezid:innen, Araber:innen und Schiiten. Die Wunden des 74. Völkermordes sind immer noch lebendig, und die ezidische Gemeinschaft hat das Trauma des Massakers nicht überwunden. Tausende von Ezid:innen, darunter auch Frauen, werden noch immer von IS gefangen gehalten, und ihr Schicksal bleibt unbekannt“, heißt es in dem Brief.

Mahnwache vor dem Geheimdienstzentrum

Des weiteren haben die Familien der YBŞ-Kämpfer eine Mahnwache vor dem irakischen Geheimdienstzentrum in Şengal begonnen, um die Freilassung ihrer Kinder zu fordern. Die Mütter hielten Transparente mit den Aufschriften „Wir werden uns niemals der Unterdrückung durch die Regierung beugen“ und „Unser Protest wird weitergehen, bis unsere Kinder freigelassen werden“.

Hintergrund

Die ezidischen militärischen Selbstverteidigungsstrukturen, bestehend aus den YBŞ und den Fraueneinheiten Şengals (YJŞ), wurden gegründet, um die Region vor den Angriffen der Terrororganisation des selbsternannten Islamischen Staates (IS) zu schützen. Sie haben unter großen Opfern gegen IS gekämpft und das Gebiet befreit. Am 18. März diesen Jahres gerieten fünf Kämpfer der YBŞ in einen Hinterhalt der irakischen Armee und wurden nach dem Antiterrorgesetz von 2005 festgenommen. Ein militärischer Vorstoß mit gepanzerten Fahrzeugen und einer großen Anzahl von Truppen folgte, was die Stadt unter Belagerung stellte. Zivilbevölkerung, die die Stadt mit Autos befahren oder verlassen wollte, wurde massiv eingeschüchtert.

Der Vorfall löste einen vehementen Protest in der örtlichen Bevölkerung aus, bei dem insbesondere Frauen und Jugendliche eine führende Rolle übernahmen. Der Widerstand zwang die irakischen Streitkräfte zu einem Rückzug, jedoch ließen sie die gefangenen und verwundeten Kämpfer bisher nicht frei.