Einnahmen bei Käseproduktion brechen ein

Käse ist eines der wichtigsten kurdischen Nahrungsmittel. Obwohl die Preise für Käse in der letzten Zeit massiv gestiegen sind, verdienen die lokalen Käseproduzent*innen in Nordkurdistan immer weniger.

Käse wird in Nordkurdistan nicht nur zum Frühstück konsumiert, es handelt sich auch um ein Stück Kulturerbe. Aufgrund der besonderen klimatischen Bedingungen und der hohen Biodiversität hat sich in Kurdistan eine historische Käse-Kultur entwickelt. Trotzdem ist die Landwirtschaft als wichtigste Einnahmequelle in Nordkurdistan stark gefährdet. Die Preise für Futter und Heu steigen stetig und schmälern das Einkommen der Produzent*innen. Die Viehwirt*innen müssen deshalb beispielsweise ihre Kühe zu den Schlachthöfen bringen, anstatt sie kontinuierlich für die Milchproduktion nutzen zu können.

Daraus resultieren Milchversorgungsengpässe, die zu einer zwanzigprozentigen Erhöhung des Käsepreises geführt haben. Auch der Käse, der von den Hirt*innen selbst direkt produziert wird, ist betroffen. Im Juni kostete das Kilo Käse 24 Türkische Lira (TL), Anfang August waren es bereits 30 TL. Der Marktpreis für hochwertigen Käse sinkt nicht mehr unter 30 TL und auch die Preise für Butter und Joghurt sind aufgrund der Milchverknappung gestiegen.

Landwirtschaft und Tierhaltung unterstützen

Die Familie Yavuz ist eine Nomadenfamilie, die in den Dörfern um Bedlîs (Bitlis) ihr Vieh weidet und Käse produziert. Ayşe Yavuz berichtet uns detailliert über alle Schritte der Käseproduktion und weist darauf hin, dass der Verdienst aus dem Käseverkauf viel niedriger sei als früher. „Das Tierfutter ist teuer“, erklärt sie, „wir mussten letztes Jahr fünf unserer Kühe verkaufen. Nun machen wir aus der Milch der übrigen Kühe den Käse. Der Käse hat sich stark verteuert. Die Menschen wollen ihn zu Recht nicht mehr kaufen.“ Kadir, ihr Sohn, klagt, die Verteuerung schränke das Leben stark ein und es gäbe keine anderen Einnahmequellen mehr. Daher bleibe ihnen nichts anderes, als trotz der geringen Gewinne Käse zu produzieren.

Die Händlerinnen auf dem Frauenmarkt in Istanbul-Fatih sagen ebenfalls, dass die Verteuerung des Käses den Verkauf hat einbrechen lassen: „Weil der Landwirtschaft und Viehzucht nicht ausreichend Bedeutung beigemessen wird, leidet die ganze Bevölkerung. Wir verkaufen Käse aus Bedlîs, Sêrt, Amed und Izmir. Früher gehörte Käse unbedingt zum Frühstück, jetzt ist er Luxus.“

Halime Kara, die auf dem Markt Käse einkauft, macht für die Verteuerung des Käses auch die Ladenbesitzer verantwortlich. Wo sie früher ein Kilo Käse für 30 TL kaufen konnte, klagt sie, kann sie nunmehr nur 200 Gramm für das Geld nach Hause bringen.