Um Krankheit zu verstehen, müssen wir wissen, was Gesundheit ist

„Das Coronavirus ist vielleicht genau der Schlag, der es uns erlaubt, diesen Moment des Chaos zu einer Chance für eine wirkliche Veränderung werden zu lassen“, schreibt das Andrea-Wolf-Institut in einer Betrachtung der aktuellen Situation.

Dieser Artikel des Andrea-Wolf-Instituts gibt einen Ausblick auf die aktuelle Coronavirus-Krise. Das Institut ist als Teil der Jineoloji-Akademie in Rojava ein Raum, um Verbindungspunkte in dem wachsenden Netzwerk der Jineoloji zu schaffen. Auf Grundlage der Jineoloji – der Wissenschaft für eine freie Gesellschaft, die auf der Realität und dem Wissen von Frauen basiert – soll die Forschung über das Wissen vertieft werden, das in matriarchalen Werten, revolutionärer Geschichte sowie Kultur und Widerstand von Frauen und verschiedenen Geschlechtern in der Welt verwurzelt ist. Weitere Informationen über Jineoloji gibt es auf der Webseite.

Perspektiven auf die Coronavirus-Krise

Der dritte Weltkrieg ist in vollem Gange. Hier, im Gebiet der Autonomieverwaltung Nord- und Ostsyriens (auch bekannt als Rojava, Westkurdistan), ist er besonders zu spüren. Aber dieser Krieg ist nicht nur ein militärischer. Seine Waffen sind die Zerstörung der Umwelt, der kommunalen Werte und der Gesundheit. Er macht die Menschheit auf vielfältige Weise krank und die Suche nach unserer eigenen Wahrheit ist heute notwendiger denn je. Abdullah Öcalan, der an der Spitze der Befreiungsbewegung Kurdistans steht, sagt: „Um die Wahrheit zu finden, müssen wir zu dem Moment zurückkehren, an dem wir sie verloren haben.”

Um eine Krankheit zu verstehen, müssen wir wissen, was Gesundheit ist, was sie bedeutet und wie wir sie bewahren können. Etymologisch gesehen kommt das Wort „health“ (Gesundheit) im alten Englisch von dem Wort „whole” (ganz) oder „wholeness” (Ganzheit). Was uns ganz macht, ist, wer wir sind. Vor der Durchsetzung von Patriarchat, Staat und Kapitalismus, die sich seit etwa 5000 Jahren gemeinsam entwickelten, lebte die Gesellschaft in Clans oder großen Familiengruppen, in denen die Mütter im Mittelpunkt des Lebens standen. Die verwendete Medizin basierte auf Pflanzen und der Stärkung von Körper, Geist und Seele der gesamten Gemeinschaft. In den verschiedenen Teilen der Welt entwickelten sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Gesundheitssysteme, aber alle finden ihren Ursprung in der natürlichen Gesellschaft der Jung- und Neusteinzeit (Paläolithikum und Neolithikum). Dies ist darauf zurückzuführen, dass zu dieser Zeit die Menschen in Harmonie mit der Natur lebten. Später entwickelten sich die Gesundheitssysteme entsprechend den regionalen und kulturellen Unterschieden. Bis heute ist die Mutter durch das Tragen des Lebens, das Füttern und Stillen in den ersten Lebensjahren, die erste Bezugsperson und die Trägerin des Wissens darüber, wie Leben erhalten und geschützt werden kann.

Gesundheit ist keine Institution. Auch Tiere und Lebewesen verfügen über ein Gesundheitssystem. Alles, was im Universum existiert, versucht zu überleben, indem es ein Gleichgewicht aufrechterhält. Gesundheit muss ständig durch verschiedene Selbstverteidigungssysteme geschützt werden, vom Magnetfeld der Erde bis hin zu unseren Antikörpern.

Die frühesten medizinischen Traditionen wurden in Babylon, China, Ägypten und Indien entwickelt. Die Geschichte der Medizin zeigt, wie sich die Gesellschaften in ihrem Umgang mit Krankheit und Leiden von der Antike bis zur Gegenwart verändert haben und wie sie die Frau von ihrer ursprünglichen zentralen Rolle der Heilerin getrennt haben. Ein Beispiel dafür ist die Hexenjagd, die vom 6. bis zum 14. Jahrhundert vor allem in Mitteleuropa verübt wurde (und in einigen Teilen der Welt bis heute andauert). Sie war der Versuch, die Rolle der Heilerinnen zu brechen, die bis zum Ende des Mittelalters Gemeinschaften zusammen hielten und verschiedenste Aufgaben erfüllten. Die staatliche und kirchliche Verfolgung dieser Frauen, die auch als Hebammen arbeiteten, Schmerzen linderten, Abtreibungen und Heilungen durchführten, war brutal. Millionen von Menschen wurden eingesperrt, gefoltert und bei lebendigem Leibe verbrannt. Über 300 Jahre lang haben die Hexenjagden den Menschen Angst eingejagt, Frauen dämonisiert und ihnen ihre Rolle als Heilerin entrissen. Sie wurde durch die Figur des männlichen Arztes ersetzt, der sich nur auf den Körper konzentrierte, den er immer weiter in voneinander getrennte Systeme aufteilte.

So wurde versucht, die enge Verbundenheit der Frauen mit der Natur zu brechen. Das ist nicht gänzlich gelungen, doch die Verbindung bleibt bis heute beschädigt. Als im 16. Jahrhundert der amerikanische Kontinent von Europäern besetzt wurde, wurde die Hexenjagd fortgesetzt. In ihrem Streben nach Macht und Herrschaft wurden ganze Völker massakriert, um deren alte Praktiken und Gemeinschaftsleben zu zerstören. Aber die Waffen der Kolonialherren, die in einigen Gebieten 90 % der indigenen Bevölkerung töteten, waren nicht ihre Gewehre. Es waren Krankheiten wie die Windpocken, die sie in sich trugen und gegen die sich die Ureinwohner nicht wehren konnten. Das Ergebnis war ein Massaker, auch wenn der Widerstand, der bis heute anhält, nicht vollständig gebrochen werden konnte.

Bei der Bekämpfung von weltweiten Epidemien standen Frauen immer an vorderster Front. Die Schwarze Pest (1346-1353) war die schlimmste Pandemie in der Geschichte der Menschheit, an der mehrere hundert Millionen Menschen starben. Es waren vor allem Frauen, die die Kranken pflegten und versorgten. Die Pest tötete mehr Männer, so dass sich die Frauen zusammen taten und damit fortfuhren, sich um einander und andere zu kümmern. Die Schwarze Pest brach nach einem enormen Bevölkerungswachstum, der Zerstörung von Wäldern, intensivem Handel und überproportionalem Wachstum aus, die keine Sorge für Gesundheit und Natur trugen.

Heutzutage können wir einige ähnliche Muster in der Corona-Krise erkennen. Die Gesellschaftsordnung, in der wir leben, befindet sich in einer tiefen Krise, da die Gemeinschaften und die Natur ebenso wie die Bedeutung von Frauen untergraben wurden. Die Werte, die uns am Leben erhalten haben, und diejenigen, die sie weitergegeben haben, wie unsere Ältesten und unsere Mütter, werden von der modernen Gesellschaft ständig angegriffen.

Weltweit sind 70 Prozent der Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen Frauen. Auch 90 Prozent der Heimarbeiter*innen, die z.B. ältere Menschen betreuen, sind Frauen. Frauen tragen die Gesellschaft, denn es geht nicht nur darum, Arzt zu sein, sondern auch zu pflegen, zu ernähren, zu erziehen und zu unterstützen. Um gesund zu werden und zu bleiben brauchen wir Ethik, Emotionen, Einfühlungsvermögen, Gemeinschaftssinn und Verbundenheit mit der Natur. Der Umgang mit der Corona-Krise weltweit zeigt uns, wie weit wir uns von diesem umfassenden Verständnis von Gesundheit entfernt haben und führt uns zu wichtigen Fragen: Wie verstehen wir Leben? Was macht Leben möglich?

In Kurdistan, Mesopotamien, ist das Wort für Leben in Kurmancî jiyan, das seine Wurzel in dem Wort für Frau – jin hat. Frauen sind die Spenderinnen und Pflegerinnen des Lebens. Aber dieses Konzept der Frau ist nicht nur ein biologisches und bezieht sich nicht ausschließlich auf die Frau, sondern umfasst ein System von Werten, das für alle Mitglieder der Gesellschaft gilt. Leben ist nicht nur ein lebendiger Körper, Leben beinhaltet alle Schöpfungen der Natur: Regentropfen, Ozeane, Berge, Emotionen, die menschliche Gesellschaft oder fallende Blätter und ihre Organisation durch die biologische Vielfalt. Das Coronavirus an sich ist etwas Lebendiges, weil es sich fortpflanzt und ausbreitet, aber auch seine Form verändert, mutiert. Wir müssen das Virus also als Teil des Lebens auf dem Planeten verstehen und uns auf die Gründe konzentrieren, warum es auftaucht und sich schnell ausbreitet.

In der modernen Gesellschaft wird die Natur als ein auszubeutendes Objekt betrachtet. Der Mensch hingegen, repräsentiert durch den weißen, reichen, dominanten Mann, wird als Subjekt gesehen, das aktiv daran arbeitet, die Welt nach den eigenen Bedürfnissen umzugestalten. Das Land gehört den Staaten und multinationalen Konzernen, und alles, was auf ihm lebt, wird ihr Eigentum. Die Landschaft wird transformiert. Wo es früher weite Räume gab, in denen wir mit der Natur, deren Teil wir sind, leben konnten, haben wir mit Mauern gefüllte Gebäude errichtet, um die Menschen voneinander zu trennen, sogar innerhalb ihrer eigenen Familien. Das wir uns bereits vor Corona in Isolation befanden, unsere Gemeinschaften angegriffen und wir uns nur noch auf den Staat beziehen konnten, wird gerade in dieser Situation deutlich, in der wir noch die letzten Verbindungen abbrechen und uns ganz in Isolation begeben müssen. Aber selbst wenn wir in die physische Isolation gezwungen werden, können wir immer noch auf vielfältige Weise verbunden sein und in unseren Kämpfen den Weg zur Freiheit finden. Das Beispiel von Abdullah Öcalan inspiriert uns. Auch wenn er sich seit 21 Jahren in Isolationshaft in den Händen des türkischen Staates befindet, kämpft er weiter, und seine Ideen gehen über Mauern und Grenzen hinaus. Tiefe revolutionäre Verbindungen können niemals abgebrochen werden.

So wie sie im Moment angewendet wird, spaltet die Isolierung, mit der verhindert werden soll, dass sich Menschen infizieren, die Menschen und erschwert die Selbstorganisation. Die bereits bestehenden Unterstützungsnetze werden geschwächt. Familien oder Solidaritätsnetze können sich nicht treffen, um andere Wege zu finden, diese Zeit zu leben oder um ihre verstorbenen Lieben zu betrauern. Stattdessen ist der Staat heute in der Lage, das Leben der Menschen stärker als früher zu kontrollieren, indem er entscheidet, wer nach draußen gehen kann und wer nicht, welche Arten von Arbeit notwendig sind und welche nicht, wobei dem Kapital und nicht den Menschen Wert beigemessen wird. Um sicher zu sein, dass alle die neuen Regeln befolgen, nutzen Staaten die Situation, um Repression zu verstärken, Ausgangssperren einzuführen, die Straßen mit Polizei und Militär zu füllen, Geldstrafen zu verhängen und die Überwachung zu verschärfen. Dies trägt dazu bei, dass sich in den Herzen der Menschen Angst aufbaut.

Während der Zeit der Isolation erfolgt die Sozialisierung mit technologischen Mitteln, und Informationen werden über das Internet und die Massenmedien empfangen. Der Idee der liberalen individuellen Freiheit folgend gibt es keine ethischen oder moralischen Codes, die kontrollieren, welche Botschaften übermittelt werden. Durch die Medien weicht die liberale Politik dem Faschismus, und der Staat ist frei, eine Terrorkampagne zu führen, um die soziale Kontrolle zu verstärken, die Menschen anfälliger dafür zu machen, zu akzeptieren, dass ihnen ihre Rechte weggenommen werden, und die soziale Spaltung zwischen denen zu fördern, die als gute und schlechte Bürger angesehen werden. Die schlechten werden als verantwortlich für die Verbreitung des Virus angesehen.

Sozialisation ist Teil der menschlichen Natur und damit der Gesundheit. Die Stärke unserer Gesellschaft beruht auf der Liebe, die wir füreinander und für das, was wir sind, empfinden. Diese Liebe treibt uns zur Fürsorge und verbindet unsere Existenz in einer menschlichen Seele. Die gegenwärtige Situation der Isolation hat große Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, da sie Gefühle der Ohnmacht und Einsamkeit hervorruft, aber dies ist nur die Spitze eines Eisbergs, der vor Hunderten von Jahren zuzufrieren begann.

Wir sehen, wie die Menschen in den Großstädten um ihr Überleben kämpfen, nachdem sie ihre Einkommensmöglichkeiten verloren haben. Das zeigt, wie sehr unser Leben mit dem kapitalistischen System verbunden ist und dass das Überleben nicht mehr in unseren Händen liegt. Die Gesellschaft wird nicht von den Menschen selbst geführt, sondern von äußeren Mitteln, Staaten oder Produkten. Kein Staat ist auf seinem Territorium in der Lage, die Bedürfnisse seiner Bevölkerung allein zu befriedigen. Außerhalb der globalisierten kapitalistischen Logik können wir zum Beispiel auf lokaler Ebene in Kurdistan Menschen sehen, die das Land bearbeiten, Nahrung anbauen und Masken für ihre Kommunen herstellen. Obwohl wir hier unter einem Kriegsembargo leben, kann sich die Gesellschaft besser an die neuen Bedingungen anpassen, weil sie gemeinschaftlich organisiert ist.

Die Frau betreffend sehen wir, dass überall auf der Welt die Abgeschiedenheit zu Hause zu einem Gefängnis für diejenigen wird, die mit geschlechtsspezifischer Gewalt konfrontiert sind. Frauen sind in ihrem eigenen Zuhause Gewalt und Tod ausgesetzt. Sie bleiben in ihren Kleinfamilien und sind vom öffentlichen Raum ausgeschlossen, für den wir so hart gekämpft haben. Frauen können nur frei sein, wenn die Gesellschaft frei ist. Wenn wir also gemeinsam stark bleiben und die Ethik der Gesellschaft bewahren, wird der Kampf für die Freiheit lebendig bleiben. Wir dürfen niemanden allein lassen. Wir werden unsere Verbundenheit miteinander weiter ausbauen, denn unsere Verbindungen bilden die Grundlage für unsere Verteidigung und dafür, Todesfälle verhindern zu können.

Auf den Straßen, in den Gefängnissen und an den Grenzübergängen hat die Gewalt zugenommen. Rassistische politische Maßnahmen werden umgesetzt und Rechte werden eingeschränkt. Wir sehen auch, wie die imperialistischen Staaten im Namen des Lebens handeln und die Menschen auffordern, zu Hause zu bleiben, während Kriegsflugzeuge und Drohnen in die Lüfte steigen. Der Krieg geht weiter, besetzt Land, tötet Menschen und bedroht das Leben selbst. So wie hier in Nord- und Ostsyrien, wo der türkische Staat Zivilist*innen bombardiert und die Wasser- und Stromversorgung unterbricht, von der Tausende von Menschen abhängig sind, um zu leben und das Virus zu bekämpfen.

Wir sehen, dass die wirkliche Krankheit nicht vom Coronavirus kommt, sondern vom kapitalistischen, kolonialen, patriarchalen System, das die Menschheit überhaupt erst krank gemacht hat. Wie Abdullah Öcalan in seinen Verteidigungsschriften schreibt, „gibt es viele Anzeichen, die das Ende des Systems signalisieren, sowie viele wahre Sagen, die dem zustimmen – aber das eigentliche Problem liegt in der Entscheidung, welche freien, gleichen und demokratischen Werte aus diesem Chaos heraus vergemeinschaftet werden sollen”. Das Coronavirus ist nur ein Anzeichen dafür, dass ein radikaler Paradigmenwechsel notwendig ist.

Die Saat für den Aufbau eines neuen Paradigmas haben wir bereits gesät. Diejenigen, die sich bis heute der Unterdrückung widersetzt haben, tragen in sich noch immer demokratische Werte und kennen Wege, sich kollektiv und solidarisch miteinander zu organisieren. In der revolutionären Bewegung Kurdistans finden wir einen Vorschlag für ein neues Paradigma. In diesem Moment weltweiter Krankheit müssen wir uns darauf konzentrieren, wie wir das Leben, seine wahre Ethik und Freiheit auf globale und ganzheitliche Weise verteidigen.

In der kurdischen Befreiungsbewegung ist Selbstverteidigung ein Synonym für Existenz. So heißt es: „Ein Wesen, das sich nicht verteidigen kann, kann nicht existieren.” Selbstverteidigung ist mit Gesellschaft und Identität verbunden. Alle Lebewesen haben ein Verteidigungssystem. Alle Existenz ist ein ständiger Kampf. Ein Beispiel dafür ist der Löwenzahn, dessen Samen vom Wind verweht wird und die Pflanze nackt und scheinbar abgestorben zurück lässt, aber seine Samen verbreiten sich überall. Oder die Rose, die ihr Leben mit Dornen verteidigt, die auch als Warnung dienen.

Selbstverteidigung ist eine Form, die Gesellschaft zu organisieren. In den letzten zwei Monaten haben wir gesehen, wie überall auf der Welt Mechanismen der sozialen Selbstverteidigung in Form von Solidaritätsnetzwerken mit den am stärksten von der Isolation betroffenen Menschen aktiviert wurden, indem zum Beispiel Nahrungsmittel und Masken verteilt wurden. Die Menschen haben sich zusammengeschlossen, um gegen Maßnahmen zu kämpfen, die das soziale Gewebe zerstören, das uns schützt. Arbeiter*innen haben Streiks organisiert, es werden Solidaritätsbotschaften aus der ganzen Welt verschickt, es finden Hungerstreiks und Proteste in den Gefängnissen zur Verteidigung der grundlegenden Menschenrechte statt.

Leere Straßen, die nicht-menschlichem Leben Platz machen, zeigen uns auch die schädlichen Auswirkungen des kapitalistischen Systems auf die Umwelt. Die Luftverschmutzung ist an einigen Orten seit Beginn der Isolation um bis zu 40 Prozent zurückgegangen. Wenn wir die Macht sehen, Leben aus der Natur zu schaffen, und uns mit ihr als Teil von ihr verbinden, können wir die liberale Denkweise, die auferlegten falschen Bedürfnisse, die Vormachtstellung des Menschen über die Natur oder die Vormachtstellung des Mannes über die Frau überwinden.

Angesichts jeder Krise entsteht eine Option für einen revolutionären Wandel, ein Wandel, der eine Lösung für alle Gesellschaften in der Welt bringt. Das Wort Krise kommt vom griechischen krisis, was „Entscheidung” bedeutet. In diesem Moment der Corona-Krise müssen wir eine Entscheidung treffen. Wir sehen das Ende von Kapitalismus, Imperialismus und Patriarchat näher denn je, weil seine Wahrheit ans Licht kommt. In dieser Zeit gibt es ebenso viel Angst und Verzweiflung über die Ausnahmesituation wie Hoffnung und die reale Möglichkeit eines Wandels. Der Glaube daran erhöht die Chancen, die Weltrevolution Wirklichkeit werden zu lassen, und es ist notwendig, sich hier und jetzt daran zu erinnern, dass wir im Jahrhundert der Frauen leben. Das Coronavirus ist vielleicht genau der Schlag, der es uns erlaubt, diesen Moment des Chaos zu einer Chance für eine wirkliche Veränderung werden zu lassen. Aus unserem gemeinsamen Schmerz und unserer kollektiven Hoffnung kann eine neue Möglichkeit erwachsen.