Jin TV Rojava feiert einjähriges Jubiläum

Die Zweigstelle des Frauensenders Jin TV in Rojava besteht seit einem Jahr. Für die Mitarbeiterinnen ist das Jubiläum ein Grund zum Feiern, aber auch ein Anlass zur Selbstkritik.

Der Frauenkanal Jin TV mit Hauptsitz in Holland ist am 8. März 2018 auf Sendung gegangen. Am 30. Juni letzten Jahres eröffnete eine Zweigstelle in Rojava. Aus diesem Anlass fand in Amûdê eine gut besuchte Jubiläumsfeier statt, bei der Musikerinnen der kurdischen Kulturbewegung Kevana Zêrîn auftraten.

Rabia Aytu ist Korrespondentin von Jin TV in Kobanê. Gegenüber ANF erklärte sie: „Wir feiern heute das einjährige Bestehen von Jin TV in Rojava. Diesen Tag widmen wir allen Gefallenen und insbesondere den Frauen, die wie Gurbetelli Ersöz und Dilişan İbiş großen Einsatz gezeigt haben. Als Jin TV wollen wir politische und militärische Dogmen brechen. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, für Jin TV zu arbeiten. Der Sender ist die Stimme der Frauen und ich habe mir gedacht, dass ich bei dieser Arbeit eine Antwort für meine Suche nach Freiheit finden kann. Jin TV richtet sich nicht an einen bestimmten Kreis von Zuschauerinnen, sondern macht die Stimmen, die Fähigkeiten und die Probleme von Frauen weltweit sichtbar.“

Auch Helîn Asmîn arbeitet bei Jin TV Rojava. Anfangs war die Gründung eines reinen Frauensenders eine große Herausforderung, sagt sie: „Von der Regie bis zu den Korrespondentinnen, von der Kamera bis zum Schnitt wird alles von Frauen gemacht. Wir bekommen viel Zuspruch aus demokratischen Kreisen und von Frauen weltweit. Das macht uns natürlich froh, aber wir sind längst noch nicht an dem Ziel angekommen, das wir erreichen wollen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Der Hauptgrund sind die Auswirkungen der patriarchalen Denkweise im Mittleren Osten, die sich natürlich auch in Rojava widerspiegeln. Unser Ziel war außerdem, ganz Nord- und Ostsyrien zu erreichen, da müssen wir Selbstkritik leisten. In der kommenden Zeit wollen wir einen Schwerpunkt darauf setzen, was gerade arabische, ezidische und christliche Frauen unter der Herrschaft des IS erlitten haben.“