Gründungskongress des ezidischen Frauenrats „Şehîd Zeyneb”

In Achim bei Bremen ist gestern der ezidische Frauenrat „Şehîd Zeyneb” gegründet worden.

Zum 1. Kongress des ezidischen Frauenrates „Şehîd Zeyneb” kamen neben den Delegierten aus Achim auch Munawer Azizoglu Bazan, Vorstandsmitglied des Verbandes der Frauen aus Kurdistan in Deutschland (YJK-E), Ronahî Welat als Abgeordnete der PYD JIN und Sebriyê Savgat, Ko-Vorsitzende von NAV-YEK.

Der Kongress begann mit einer Schweigeminute für die Gefallenen der Revolution und der Freiheit sowie für alle, die ihr Leben im Zuge des 73. Genozids an den Ezid*innen ließen. Die Eröffnungsrede hielt Ayşe Karaca. Sie betonte dabei besonders die Wichtigkeit einer Organisierung der ezidischen Frauen, indem sie sagte: „In dieser Phase des Widerstands des Jahrhunderts setzen wir mit dem Gründungskongress eines Frauenrates ein wichtiges Zeichen. Wir müssen in eben diesem Widerstandsgeiste handeln, um die Werte der Gesellschaft und der Frau zu verteidigen. Von jetzt an können noch größere Aufgaben angegangen werden und alle Frauen aus der Region Achim können sich über den Frauenrat am Freiheitskampf beteiligen.”

Danach ergriff die Mutter von Binevş Edessa, nach deren Kampfname Zeyneb sich der neugegründete Frauenrat nennt, das Wort, um ihre Freude zum Ausdruck zu bringen: „Als Mutter von Zeyneb bin ich stolz, dass der Gründungskongress des ezidischen Frauenrates bei uns in der Region stattfindet. Um uns für die Ziele der Gefallenen einzusetzen, müssen wir die Organisierung der ezidischen Frauen stärken und die Idee der Befreiung der Frau in die Tat umsetzen. Der Weg Apos ist der beste Weg für uns ezidische Frauen, aber auch für alle anderen Frauen.”

Im Laufe des Kongresses sprach auch Munawer Azizoglu Bazan im Namen des Vorstands des YJK-E. Sie sagte: „Frauen müssen ihr eigenes System entwickeln, um sich und die gesamte Gesellschaft zu organisieren. Ansonsten werden sie immer wieder zum Angriffsziel patriarchaler Herrschaft.” Daraufhin erklärte sie ausführlich das Rätesystem innerhalb der Frauenbewegung und wies noch einmal auf die Wichtigkeit der Organisierung ezidischer Frauen hin.

Danach begrüßte die PYD-JIN-Abgeordnete Ronahî Welat den Kongress und verbildlichte die Realität der Frauenrevolution, die in den letzten sieben Jahren in Rojava ein universelles Modell erschaffen habe, welches auch in Efrîn Anwendung fand. Weiterhin führte sie aus: „Wie sich die Frauen im Şengal selbst organisieren und verwalten, sollte für alle Frauen außerhalb der Heimat als Vorbild betrachtet werden, um überall auf der Welt einem weiteren Genozid vorzubeugen.”

Die Delegierte des Dachverbands des Ezidischen Frauenrats e.V. (SMJÊ) Songul Talay ging ausführlich auf die letzten Geschehnisse in Efrîn und Şengal ein. Sie gab einen Einblick in die Entwicklungen im Şengal, wo die Frauen eine Revolution im Denken aufbauen. „Frauen sind endlich in allen Bereichen der Gesellschaft sichtbar und tätig geworden. Auf diese Weise übernehmen sie die ihnen gebührende führende Rolle ein. Es ist wichtig, sich gegen einen weißen Genozid auch außerhalb der Heimat zu schützen. Dafür muss ideologisch, politisch und organisiert gekämpft werden. Ezidinnen aus allen Teilen Kurdistans müssen sich gerade in dieser Phase des Erfolgs zusammen tun.”

Am Ende des Kongresses wurden vier Kommissionen und eine Leitung bestehend aus 13 Frauen gewählt.

Die Abschlussrede hielt Sebriyê Savgat, die Ko-Vorsitzende von NAV-YEK. Sie ging noch einmal ausführlich auf die Situation der ezidischen Gesellschaft in der Diaspora ein und führte aus: „Um einer Assimilation der Gesellschaft vorzubeugen, müssen Projekte für Kinder, Jugendliche und Frauen entwickelt und durchgeführt werden. Alle müssen sich im Geist des Widerstands und des Freiheitskampfes beteiligen.”