8. März in Deutschland: „Feuer und Flamme dem Patriarchat“

„Widerstand leisten. Sich organisieren. Frei leben“ – unter diesem Motto haben sich die Kurdische Frauenbewegung in Deutschland und mit ihr vernetzte Strukturen an den Aktivitäten zum diesjährigen 8. März beteiligt. Wir berichten über eine kleine Auswahl.

In Celle haben unterschiedliche Initiativen und Organisationen eine Krach-Demonstration mit anschließender Kundgebung veranstaltet, um anlässlich des internationalen Frauenkampftags für Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen und für ein Leben frei von Gewalt zu demonstrieren.  Auch in diesem Jahr riefen die feministische Organisierung „Gemeinsam Kämpfen - für  Selbstbestimmung und demokratische Autonomie“, das Autonome Frauenhaus Celle e.V., der kurdische Frauenverein Hêvî - Hilfe für Frauen in Not, der Dachverband des Ezidischen Frauenrats e.V. (SMJÊ), der Frauen-, Divers-Personen- und Kinder-Brunch der Solidarischen Initiative Neuenhäusen, LIST (Land in Sicht Transition), GEW Kreisverband Celle, DGB Kreisvorstand Celle und die Linksjugend Solid Südheide wieder zu der Krach-Demonstration auf, an der rund 85 Menschen allen Alters teilnahmen.

Verschleppte Ezidinnen finden und befreien

Lautstark zog die Krach-Demonstration vom Gertrud-Schröter-Platz (ehem. Thaerplatz) über den großen Plan in die Innenstadt. Auf der Kundgebung an der Stechbahn wurde in unterschiedlichen Redebeiträgen die Geschlechterungerechtigkeit in Deutschland, wie auch weltweit kritisiert. Rednerinnen des Autonomen Frauenhauses machten darauf aufmerksam, dass Femizide (Frauenmorde) ein Problem unserer Gesellschaft seien und gestoppt werden müssten. In einem Redebeitrag vom SMJÊ wurde auf den noch immer anhaltenden Völkermord des sogenannten Islamischen Staats (IS) an der ezidischen Bevölkerung hingewiesen und die Forderung stark gemacht, die noch immer verschleppten Frauen und Mädchen aufzufinden und zu befreien.

Fotos: Andrea Knoop

Eine Rednerin von der feministischen Ortsgruppe „Gemeinsam Kämpfen“ erklärte: „Wir kämpfen mit all unserem Mut, unserer Kraft und Entschlossenheit für eine bessere – eine gerechte Welt und unseren stärksten Kampf führen wir, indem wir eine ökologische, geschlechterbefreite und basisdemokratische Gesellschaft aufbauen.“

Aktionen in Berlin

In Berlin fand zunächst im kurdischen Verein eine Feier statt, bevor nachmittags die mittlerweile neunte vom Bündnis „Alliance of Internationalist Feminists“ organisierte Demonstration zum 8. März durchgeführt wurde. Unter dem Titel „8M: We break your borders – We smash your fascism” trafen sich tausende Frauen in Wedding, um gemeinsam gegen die Ausbeutung und Unterdrückung durch Kapitalismus und Patriarchat auf die Straße zu gehen. Es war wohl die größte Demonstration unter vielen in Berlin, die vom Leopoldplatz über verschiedene Zwischenstationen zur Seestraße ging.

Aufwärmen mit Govend-Tänzen

Die Organisierung der Allianz nahm 2013 im Jahr der Ermordung der kurdischen Revolutionärinnen Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez anlässlich des 25. November, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, durch International Women Space, Sozialistischer Frauenbund SKB und der kurdischen Frauenbewegung ihren Anfang.

Inzwischen setzt sich das Bündnis aus sehr vielen organisierten Frauen zusammen, deren gemeinsames Ziel von Anfang an eine ganz klar internationalistische feministische Perspektive war. So sind mit den Demonstrationen zum 8. März und 25. November auch oft entsprechende Ziele angesteuert worden: Etwa das Auswärtige Amt mit der Anklage der Zusammenarbeit mit faschistischen Machthabern, das Pergamon-Museum sowie das Humboldt-Forum mit Forderung nach Dekolonialisierung, der Flughafen Schönefeld aus Protest gegen die vielen skrupellosen Abschiebungen sowie der Förderkreis Deutsches Heer e.V.

Demo im Wedding

Dresden

In Dresden fand vormittags zunächst ein vom Frauenrat Uta im kurdischen Verein ausgerichtetes Frühstück statt. Um 14 Uhr stand dann die von der Kampagne Women Defend Rojava organisierte Kundgebung mit dem Motto „Zeit für feministische Utopien“, König:innenufer an. Etwa zwei Stunden dauerte die Zusammenkunft, gekommen waren rund 800 Menschen. Im Anschluss startete hinter einem Fronttransparent mit der Aufschrift „Stoppt den Feminizid! Es lebe der Widerstand organisierter Frauen“ die Demonstration „Kämpferisch! Solidarisch! Vereint im Kampf um Befreiung!“ über die Carolabrücke. In einer gemeinsamen Erklärung wurde dazu aufgerufen, den Kampf für die Befreiung der weiblichen politischen Gefangenen in türkischen Gefängnissen auszuweiten und gegenüber den Besatzungsangriffen der Türkei auf Rojava und Şengal die Einheit der Frauen zu verteidigen.

Hamburg

In Hamburg beteiligten sich über 5.000 Menschen an einer Sterndemonstration des „Hamburger Bündnis zum internationalen 8. März Streik“. Von fünf verschiedenen Orten aus liefen die Teilnehmenden in einem Sternmarsch Richtung Jungfernstieg.

Der internationalistische Flügel startete um 16.30 Uhr am S-Bahnhof Sternschanze. Zu den Organisatorinnen gehörten die Initiativen Frauenrat Rojbîn, Tejiendo Redes y Rebeldìas, Miradas Femininistas, Gemeinsam Kämpfen, Zora, Flinta und Klima, Ende Gelände Hamburg und andere feministische Gruppen. Um 18.30 Uhr endete die Demonstration mit einer gemeinsamen Abschlusskundgebung und einem Kulturprogramm.

Bielefeld

In Bielefeld hatten sich anlässlich des feministischen Frauenkampftags zahlreiche Organisationen, Parteien und Bündnisse zu einer kraftvollen Demonstration zusammengeschlossen. Unter den Unterstützer:innen war auch die Kurdische Frauenbewegung in Europa (TJK-E). Die gemeinsamen Forderungen lauteten: gerechte Verteilung und Anerkennung von Care-Arbeit, Geschlechtergleichheit, Selbstbestimmung, intersektionale Gerechtigkeit und Sichtbarkeit, sowie entschlossene Haltung gegen patriarchale Gewalt, Krieg, Kapitalismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit, Klassismus und Ableismus.

Heilbronn

In Heilbronn fand eine Bündniskundgebung mit Redebeiträgen, kurdischer Musik, Tänzen und Infoständen statt. Auch gab es einen Tanz-Flashmob als Protest bei der Veranstaltung, die von einem Bündnis aus diversen kurdischen Gruppen, Rebell, MLPD, Die Linke, Links-Jugend und Frauenverband Courage am Kiliansplatz organisiert wurde: „One Billion Rising“ (englisch für Eine Milliarde erhebt sich) ist eine weltweite Kampagne für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen und für Gleichstellung. Die Aktion wird seit 2013 jährlich am 14. Februar durchgeführt, weltweit tanzen Menschen gegen Gewalt. Politische Aktivistinnen in Heilbronn nehmen auch den 8. März zum Anlass, mit der Aktion auf das globale Problem der patriarchalen Gewalt aufmerksam zu machen. An den Infoständen wurde kräftig für eine Bündnisdemo mobilisiert, die am 12. März stattfinden wird. Ebenfalls aus Anlass des Frauenkampftags.

Frauenkampftag

Die Idee für einen Internationalen Tag, an dem Frauen ihre Forderung nach Gleichberechtigung besonders stark machen, ist im späten 19. bis frühen 20. Jahrhunderts aus der Arbeiterinnenbewegung heraus entstanden. Zu Beginn war eine zentrale Forderung, neben besseren Arbeitsbedingungen und gleichberechtigter Entlohnung, das Frauenwahlrecht.