Oldenburg: Friedensmahnwache für Şengal gestartet

In Oldenburg hat eine dreitägige Mahnwache für Frieden im ezidischen Siedlungsgebiet Şengal begonnen. Die vom Dachverband des ezidischen Frauenrats initiierte Aktion soll eine Öffentlichkeit schaffen angesichts neuer Interventionsdrohungen der Türkei.

In Oldenburg begann am Donnerstag eine von ezidischen Organisationen getragene „Mahnwache für Frieden und gegen Krieg“, um eine Öffentlichkeit zu schaffen angesichts neuer Interventionsdrohungen der Türkei gegen Şengal. Die insgesamt drei Tage andauernde Aktion findet an der Langen Straße in der Oldenburger Innenstadt statt und wurde initiiert vom Dachverband des ezidischen Frauenrats „Sîwana Meclîsa Jinên Êzîdî” (SMJÊ). Mittragende ist die Koordination der ezidischen Gesellschaft in Europa (KCÊ-E), der NAV-YEK, MŞD, HCÊ, Hevbendiya Êzdîyên Suriyê, Navenda Çanda Êzîdxan und Kordinasiyona Gundên Bakurê Kurdistan angehören.

Der erste Aktionstag startete mit einer Eröffnungsrede und einer Schweigeminute für alle Gefallenen und Opfer der 74 ezidischen Genozide. Aufgrund des niedersächsischen Infektionsschutzgesetzes war die Zahl der Teilnehmenden beschränkt. Viele von ihnen brachten Fahnen der Selbstverteidigungseinheiten Şengals (YBŞ/YJŞ) und anderer ezidischer Organisationen mit, die auch den Platz der Mahnwache schmückten. Am Infozelt waren zudem Bilder von gefallenen Kämpferinnen und Kämpfern angebracht worden.

Gestaltet wurde der Tag mit zahlreichen Redebeiträgen von Vertreter*innen von SMJÊ, KCÊ-E und der MLPD. Thematisiert wurde dabei das im Oktober vergangenen Jahres auf Betreiben der Türkei zwischen der irakischen Zentralregierung und der Führung der südkurdischen Autonomieregion geschlossene Abkommen, das eine Umstrukturierung Şengals entsprechend der Interessen von Ankara, Hewlêr und Bagdad und der damit einhergehenden Auflösung der selbstverwalteten Strukturen vorsieht. Scharf kritisiert wurde die Tatsache, dass das Abkommen über die Köpfe der ezidischen Bevölkerung hinweg getroffen worden ist. Die Redner*innen hoben hervor, dass nur die YBŞ und YJŞ von der ezidischen Gemeinschaft als vertrauenswürdige Verteidigungskraft sowie Garant für ein freies Leben in Şengal angesehen würden. Die irakische Regierung wurde aufgefordert, die ezidischen Selbstverteidigungseinheiten als offizielle Streitkräfte Şengals anzuerkennen und der Region den Autonomiestatus nicht länger zu verwehren.

Demonstration zum Abschluss

Am Freitag wird die Mahnwache in der Zeit von 13 bis 15 Uhr als Informationsstand durchgeführt. Das Sit-in am Samstag wird mit einem Demonstrationszug unter dem Motto „Die Autonomie Şengals ist der Garant für Schutz und Sicherheit. Wir sagen NEIN zu einem erneuten Genozid an den Êzîd*innen!” durch die Innenstadt abgeschlossen. Der Treffpunkt ist ebenfalls die Lange Straße, los geht es um 14 Uhr.