Konzentration auf Minbic, Chaos in Idlib

Die Türkei buhlt in Washington und Moskau um Zustimmung für eine Besatzung von Minbic. Währenddessen bekämpfen sich die Dschihadisten in Idlib gegenseitig und protürkische Milizen verüben Störangriffe auf Minbic.

Mit dem zeitlich unklaren Rückzug der US-Soldaten aus Syrien hat die Türkei Schwierigkeiten, sich zwischen den USA und Russland zu entscheiden. Es finden sowohl mit Moskau als auch mit Washington Gespräche über eine Besatzung Nordsyriens statt. Als erstes Ziel hat sich der türkische Staat die Stadt Minbic (Manbidsch) ausgesucht. Für eine entsprechende Propagandaschlacht sind alle türkischen Medien an die Grenze entsandt worden.

Währenddessen haben der türkische Staat und protürkische Dschihadisten in den letzten Tagen mit Störangriffen auf Arima in al-Bab und auf den Norden von Minbic begonnen. ANF hat die Situation im Dorf Boghaz bei Arima und in Arab Hasan bei Minbic nach den Angriffen aufgenommen.

Zwischen al-Bab und Arima

In der vorletzten Nacht wurde Boghaz aus dem Dorf Ulashli im Nordosten von al-Bab von protürkischen Milizionären angegriffen. Als die Verteidigungskräfte den Angriff entgegneten, mussten sich die Dschihadisten zurückziehen. Das Dorf Boghaz steht unter der Kontrolle des Militärrats von al-Bab, der Al-Akrad-Front und der syrischen Armee.

Nach den türkischen Besatzungsandrohungen ist als Ergebnis diplomatischer Gespräche zwischen der syrischen Regierung und der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien eine gemeinsame Verteidigung der Region beschlossen worden. Dieses Gebiet steht momentan unter der Kontrolle der syrischen Armee, des Militärrats von al-Bab und der Al-Akrad-Front. Russland ist in der Region weiterhin als Beobachter präsent.

Zwischen Minbic und dem Sajur

Ein weiteres Ziel der vom türkischen Staat gesteuerten Störangriffe ist das Dorf Arab Hasan im Norden von Minbic, das vom Militärrat der Stadt verteidigt wird. Gegenüber ANF erklärte ein Sprecher des Militärrats, dass die Angriffe fortgesetzt werden und mit Gegenwehr darauf reagiert wird.

Nachdem der türkische Staat und protürkische Dschihadisten mit der „Schutzschild Euphrat“-Operation Dscharablus vom IS übernommen haben, ist der Fluss Sajur als Grenze zwischen Minbic und Dscharablus festgelegt worden. Seit einem Jahr finden am Sajur Patrouillen des türkischen Staates und der US-dominierten internationalen Koalition gegen den IS statt. Diese Kontrollfahrten fanden zunächst getrennt voneinander statt, wurden später zusammengelegt und werden weiter fortgesetzt.

Propagandaschlacht

Der türkische Staat hat in den vergangenen Tagen den vermeintlichen Beginn einer Invasion propagandistisch ausgeschlachtet und Dschihadisten aus Idlib, Efrîn, Dscharablus, al-Bab und Ezaz in die Nähe von Minbic geschickt. Dieser zwei- bis dreistündige Weg wurde in den türkischen Medien fünf Tage lang immer wieder aufgewärmt. Einige der dschihadistischen Gruppen sind jedoch nach tagelanger Wartezeit im Grenzgebiet vor zwei Tagen zurückgekehrt.

Konzentration auf Minbic, Konfusion in Idlib

Während die Türkei weiterhin in Moskau und Washington um eine Genehmigung für die Besatzung Nordsyriens buhlt, ist es zwischen den dschihadistischen Milizen, für die der türkische Staat in Astana und Sotschi die Garantie übernommen hat, zu gewalttätigen Konflikten gekommen. Die aus der Al-Nusra-Front hervorgegangene Hayat Tahrir al-Sham (HTS) hat vor zwei Tagen die Miliz Harakat Nour al-Din al-Zenki im Nordosten von Idlib angegriffen.

Mobilmachung gegen al-Nusra

Die HTS hat in Darat al-Izza, einer Ortschaft 23 Kilometer westlich von Aleppo, in der die Türkei ihren ersten Beobachterposten aufgestellt hatte, die Kontrolle von der Al-Zenki-Miliz übernommen. Unterdessen haben die von der Türkei gesteuerten Gruppen, die sich unter dem Namen „Syrische Befreiungsarmee“ zusammengeschlossen haben, zur Mobilmachung gegen die HTS aufgerufen. Um gegen die HTS vorzugehen, sind zahlreiche Dschihadisten aus Efrîn, Dscharablus und al-Bab nach Idlib transferiert worden. Es ist weiterhin auffällig, dass die täglich von den türkischen Medien angepriesenen Truppenverlegungen an die syrische Grenze größtenteils in Hatay und Kilis stattfinden.

Diplomatischer Syrien-Verkehr

Vergangene Woche unterbreitete der türkische Staat beim Moskau-Besuch des türkischen Außenministers, des Verteidigungsministers, des MIT-Beauftragten und des Erdoğan-Sprechers den Vorschlag, einen Teil von Idlib im Austausch für einen Teil von Minbic herzugeben. Am 8. Januar ist ein Besuch von Vertretern des türkischen Staates in Washington geplant. Einen Tag vor diesem Besuch wird John Bolton, der nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Trump, in der Türkei erwartet. Anschließend wird sich zeigen, welche Form die türkische Offensive in Syrien annehmen wird.