Frankfurt: Gegen Krieg und Besatzung in Kurdistan

In der Mainmetropole Frankfurt hat es am Sonnabend eine Demonstration gegen den türkischen Angriffskrieg in Südkurdistan gegeben. Die irakische Aggression gegen das ezidische Kerngebiet Şengal war ebenfalls zentrales Anliegen der Protestveranstaltung.

Unter dem Motto „Defend Kurdistan“ ist am Sonnabend in der Mainmetropole Frankfurt gegen Krieg und Besatzung in Kurdistan protestiert worden. Die irakische Aggression gegen Şengal, das Hauptsiedlungsgebiet der ezidischen Gemeinschaft, war ebenfalls zentrales Anliegen.

Aufgerufen zu der Demonstration hatte die Kurdische Frauenbewegung in Europa (TJK-E). Die Menge, darunter neben einigen hundert kurdischen Demonstrierenden auch zahlreiche Menschen aus dem internationalistischen Spektrum, traf sich an der Frankfurter Hauptwache. Unter einem Fahnenmeer in den Farben Grün, Rot und Gelb zog der Marsch hinter einem Fronttransparent mit der Aufschrift „Nieder mit dem türkischen Kolonialismus – Defend Kurdistan“ los. Direkt dahinter war zu lesen: „Die legitime Selbstverwaltung der Eziden verteidigen“.

Scharfe Kritik an Hewlêr und Bagdad

In verschiedenen Redebeiträgen wurde während der Demonstration durch Nordend auf die Ambitionen des türkischen Staates verwiesen, durch Besatzungskriege in den Nachbarländern Syrien und Irak die Wiederbelebung des Osmanischen Reiches politisch zu verwirklichen. Scharfe Kritik galt der Demokratischen Partei Kurdistans (PDK), die in Hewlêr (Erbil) die Regierung dominiert und die Türkei bei ihrem völkerrechtswidrigen Vorgehen unterstützt. Verurteilt wurde die Partei der Familie Barzanî auch für ihren Umgang mit den Ezidinnen und Eziden Şengals und dem mit der irakischen Zentralregierung in Bagdad unter türkischer Regie ausgehandelten Oktober-Abkommen von 2020, das die Auflösung der Autonomieverwaltung und die Entwaffnung der ezidischen Verteidigungskräfte vorsieht. Sowohl Bagdad als auch Hewlêr als „jene Kräfte,“ die den IS-Genozid 2014 durch ihren fluchtartigen Rückzug aus Şengal erst „ermöglichten“, wurden aufgefordert, die Selbstverwaltung der ezidischen Gemeinschaft zu respektieren und sie nicht länger ihrer Rechte zu berauben.


Sitzstreik vor US-Konsulat

Vor dem amerikanischen Generalkonsulat gegenüber des Frankfurter Hauptfriedhofs mündete die Demonstration in einen Sitzstreik. Als Zeichen der Wut angesichts der Ignoranz der internationalen Staatengemeinschaft den türkischen Verbrechen in Kurdistan gegenüber nahmen die Beteiligten mit dem Rücken zur Botschaft vor dem Gebäude Platz und riefen „Nato finanziert – Türkei bombardiert“. Öffentlich angeprangert wurde auch die deutsche Bundesregierung, weil sie die Militäraktionen ihres türkischen Verbündeten seit Jahren schweigend hinnehme und trotz erwiesener Kriegsverbrechen durch den Nato-Mitgliedsstaat in Kurdistan Waffenexporte an Ankara genehmigt. „Damit ist Deutschland mitverantwortlich für den Krieg gegen das kurdische Volk. Wir fordern die Bundesregierung auf, den Mut aufzubringen, von ihrem pro-türkischen Kurs umzukehren.“