Rojava: Proteste gegen Angriffe auf Ain Issa

In Qamişlo, Tirbespiyê, Tell Brak und Raqqa haben Demonstrationen gegen die Besatzungsangriffe türkisch-islamistischer Invasionstruppen gegen Ain Issa stattgefunden.

Die Proteste gegen die andauernden Angriffe der Türkei und verbündeter Islamisten auf das Autonomiegebiet von Nord- und Ostsyrien halten unvermindert an. Auch am Montag zogen wieder zahlreiche Menschen in verschiedenen Städten auf die Straßen, um ihre Wut angesichts der eskalierenden Aggression gegen Ain Issa sowie ihre Solidarität mit den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) auszudrücken. Die internationale Gemeinschaft wurde vielerorts aufgefordert, ihre Politik der Ignoranz gegenüber den Hauptlasttragenden des Kampfes gegen den sogenannten IS zu beenden und aktiv gegen die Verbrechen des Nato-Verbündeten Türkei vorzugehen.

Qamişlo: Wir lassen uns nicht vertreiben

In Qamişlo führte eine kämpferische Demonstration, an der sich vor allem die Belegschaft der Autonomiebehörden beteiligte, vom Viertel Xerbî bis zum Sitz der Vereinten Nationen im Zentrum der Stadt. Lautstark wurden Parolen wie „Terrorist Erdogan“, „Nein zur türkischen Besatzung“ und „Gemeinsam gegen den türkischen Faschismus“ gerufen. Şemsêxan Gulo vom örtlichen Zivilrat thematisierte in einer Ansprache die systematischen Kriegsverbrechen der türkischen Armee und durch Ankara gesteuerte Dschihadistenmilizen an der Bevölkerung Nord- und Ostsyriens und hob dabei im Besonderen die Angriffe auf Frauen hervor. Die Angriffe auf Ain Issa bezeichnete Gulo als einen weiteren Versuch, die Menschen in den selbstverwalteten Gebieten aus ihren angestammten Lebensräumen zu vertreiben. „Wir gehen nicht, sondern bleiben und kämpfen. Denn das hier ist unser Mutterland.“

Tirbespiyê: Weltgemeinschaft hat versagt

Auch in Tirbespiyê wurde signalisiert, dass ein Abebben der kollektiven Wut Rojavas gegen die Besatzungstruppen nicht in Sicht ist. Die Demonstration dort startete vor der Zentrale des Dachverbands der Frauenbewegung Kongreya Star und führte bis ins Stadtzentrum. Höhepunkt der Abschlusskundgebung war die Rede von Mihemed Farhan, dem Ko-Vorsitzenden des Kreisrats von Tirbespiyê. Der Politiker verurteilte das internationale Schweigen angesichts der Pläne der Türkei, ihre Besatzungszone in Nordsyrien durch die Invasion Ain Issas auszuweiten. „Die Weltgemeinschaft hat versagt und Organisationen wie die Vereinten Nationen bleiben weiterhin untätig. Dies stellt eine neue Stufe des Komplotts gegen die Komponenten Nord- und Ostsyriens dar“, so Farhan.

Tell Brak: Werte der Revolution verteidigen

Bei einem Protest in Tell Brak wurde besonders hervorgehoben, dass es in Momenten wie diesen von existenzieller Bedeutung sei, die Werte der Revolution von Rojava noch stärker zu verteidigen. „Wir lassen uns die unter hohen Opfern erkämpften Errungenschaften nicht nehmen“, sagte der Ko-Vorsitzende des Kreisrats, Abdulselam El-Hasani. „Unsere Verbundenheit gilt dem Widerstand gegen die Besatzung.“

Raqqa: Wir stehen den QSD bei

In Raqqa fanden am Montag gleich zwei Aktionen gegen die türkisch-dschihadistischen Truppen in Nord- und Ostsyrien statt. Zunächst wurde eine Demonstration durchgeführt, die am Hevrîn-Xelef-Park nördlich der alten Brücke startete und am Uhrenturm endete. Unter den Beteiligten waren neben allen Mitgliedern der lokalen Räte sowie des Zivilrats von Raqqa auch viele Führungspersönlichkeiten der arabischen Stämme. In Redebeiträgen wurden die Angriffe auf Ain Issa scharf verurteilt und Russland aufgefordert, seiner Verantwortung als Garantiemacht des Waffenstillstands nachzukommen.

Im Stadion von Raqqa versammelten sich im Anschluss mehrere Dutzend Angehörige der „Gesellschaftlichen Verteidigungskräfte“ (HPC) und begrüßten den Widerstand der QSD. Die Angriffe der Türkei gegen Ain Issa wurden als Versuch bezeichnet, den IS zu reaktivieren und als Instrument für die „schmutzigen Machenschaften“ Ankaras zu benutzen. „Wir stehen den QSD voll und ganz zur Seite und werden unsere Heimat und Gesellschaft verteidigen“, hieß es in einer verlesenen Erklärung.