HPG veröffentlichen Namen von Gefallenen

Sîpan Batman, Rahime Xebat, Eylem Mazlum und Bahoz Mijînî sind im Befreiungskampf gegen die türkische Armee in Nordkurdistan gefallen.

Das Pressezentrum der Volksverteidigungskräfte (HPG) hat die Namen von vier in Nordkurdistan gefallenen Guerillakämpfer:innen bekannt gegeben. Sîpan Batman und Rahime Xebat sind am 1. September bei einem Gefecht mit der türkischen Armee in Garzan ums Leben gekommen, Eylem Mazlum und Bahoz Mijînî am 4. Juli im Gebiet Kato Jîrka. Die HPG sprechen den Familien der Gefallenen und dem Volk Kurdistans ihr Beileid aus und erklären, dass der Kampf weitergeht.

Zur Identität der Gefallenen machen die HPG folgende Angaben:

                                      

Codename: Sîpan Batman
Vor- und Nachname: Turan Özel
Geburtsort: Êlih
Namen von Mutter und Vater: Zümrete – Siyabend
Todestag und -ort: 1. September 2022 / Garzan

 

Codename: Rahime Xebat
Vor- und Nachname: Şîlan Ökmen
Geburtsort: Mêrdîn
Namen von Mutter und Vater: Makbule – Mehmet Faruk
Todestag und -ort: 1. September 2022 / Garzan

 

Codename: Eylem Mazlum
Vor- und Nachname: Evîndar Kavak
Geburtsort: Mêrdîn
Namen von Mutter und Vater: Vezire – Mahmut
Todestag und -ort: 4. Juli 2022 / Kato Jîrka

 

Codename: Bahoz Mijînî
Vor- und Nachname: Mücahit Tok
Geburtsort: Mersin
Namen von Mutter und Vater: Fatma – Abdurrahman
Todestag und -ort: 4. Juli 2022 / Kato Jîrka

Sîpan Batman


Sîpan Batman ist in Êlih (tr. Batman) geboren und in einem der kurdischen Befreiungsbewegung nahestehenden Umfeld aufgewachsen. Er sympathisierte bereits früh mit der Guerilla, die erste Guerillagruppe lernte er in seinem Dorf kennen. Das Verhalten und die Worte der Kämpfer:innen hinterließen großen Eindruck auf ihn und er wollte sich 1993 dem bewaffneten Kampf anschließen, was ihm jedoch aufgrund unglücklicher Umstände nicht gelang. Danach betätigte er sich viele Jahre als Milizionär und leistete der Befreiungsbewegung damit wertvolle Dienste. Auch nachdem er mit seiner Familie aus wirtschaftlichen Gründen in eine türkische Großstadt umziehen musste, setzte er seinen Kampf entschlossen fort. Der Krieg in Kurdistan blieb für ihn immer präsent und er war weiterhin aktiv. In dieser Zeit lernte er die PKK und die Gedanken Abdullah Öcalans besser kennen. Angesichts massiver Angriffe auf die kurdische Bewegung ging er schließlich 2010 in die Berge. Diesen Tag bezeichnete er später als Wendepunkt und glücklichsten Moment in seinem Leben. Aufgrund seiner organisatorischen und Lebenserfahrung entwickelte er sich schnell zu einem kompetenten Guerillakämpfer und einem führenden Kommandanten. Er hielt sich zunächst drei Jahre in Metîna auf, wo er militärische Kompetenzen erlangte und sich mit seiner eigenen Persönlichkeit auseinandersetzte. Mit der Entwicklung der Revolution von Rojava und den zunehmenden Angriffen des türkischen Staats stand für Sîpan Batman fest, dass er sein Volk überall verteidigen muss. Er kämpfte eine lange Zeit gegen islamistische Gruppierungen wie al-Nusra und IS und nahm als führender Kommandant an diversen Befreiungsoffensiven teil. Dabei zeigte er große Einsatz- und Opferbereitschaft und einen taktischen Reichtum. Viele seiner Mitkämpfer:innen kamen ums Leben und er war davon überzeugt, ihnen nur gerecht werden zu können, indem er sein militärisches und ideologisches Wissen vertiefte und in die Praxis umsetzte. Er übernahm die Aufgabe eines Gebietskommandanten und blieb auch in dieser Position bescheiden im Umgang mit seinen Weggefährt:innen und der Bevölkerung.

Nach dem Sieg über den IS kehrte er zurück in die Berge und zog Bilanz über seine bisherige Praxis. In einem Bildungslehrgang bereitete er sich auf seine kommenden Aufgaben vor und ging anschließend auf eigenen Vorschlag nach Bakur (Nordkurdistan), wo er Teil der Kommandantur von Garzan wurde und bis zum letzten Atemzug mit großem Mut kämpfte.

Rahime Xebat


Rahime Xebat ist in Mêrdîn geboren. Ihre Familie und ihr weiteres Umfeld waren der kurdischen Befreiungsbewegung seit deren Entstehung verbunden, aus ihrer nahen Verwandtschaft gab es Gefallene. Als Heranwachsende wurde sie in der Jugendbewegung aktiv und engagierte sich vor allem in der Arbeit innerhalb der Bevölkerung. Dadurch lernte sie die Realität des kurdischen Volkes aus verschiedenen Perspektiven kennen. Gleichzeitig erlebte sie die auf einen Völkermord abzielende Politik des türkischen Staates aus unmittelbarer Nähe und empfand große Wut darüber. 2014 schloss sie sich in Mêrdîn der Guerilla an und ging kurze Zeit später nach Besta, wo sie eine Grundausbildung bekam und von den langjährigen Kampferfahrungen in Nordkurdistan profitieren konnte. Wie sie selbst sagte, empfand sie die Guerilla als ein von gegenseitigem Teilen und Empathie geprägtes Leben. Das sei nur nachvollziehbar, wenn man es selbst erlebt habe. Anschließend hielt sie sich drei Jahre lang im Cûdî-Gebiet auf und nahm an vielen Aktionen gegen die türkische Armee teil. 2017 ging sie für eine militärische und ideologische Weiterbildung in die Medya-Verteidigungsgebiete und setzte sich mit ihrer bisherigen Praxis und der von Abdullah Öcalan vorgelegten Frauenbefreiungsideologie auseinander. Sie beschäftigte sich intensiv mit den neuen Taktiken des modernen Guerillakampfes und kämpfte danach in Heftanîn. Auf eigenen Vorschlag ging sie schließlich als eine Kommandantin der YJA Star zurück nach Bakur, wo sie am 1. September im Kampf gegen die türkische Armee in Garzan ums Leben kam.

Eylem Mazlum


Eylem Mazlum ist in Mêrdîn-Stewrê geboren und in einer patriotischen Familie aufgewachsen. Ihr Onkel Lokman kam 1999 im kurdischen Befreiungskampf ums Leben. In ihrer Jugend hatte Eylem mehrfach die Gelegenheit, Guerillakämpfer:innen zu sehen. Diese Begegnungen hinterließen einen tiefen Eindruck bei ihr. Sie las die Schriften von Abdullah Öcalan und empfand seine Vorstellungen als Befreiung. Als der IS Massaker in Şengal und Rojava beging, entschied sie sich für den bewaffneten Kampf und schloss sich 2014 der Guerilla an. Sie machte eine Grundausbildung im Qendîl-Gebirge und bereitete sich auf die militärische Verteidigung ihres Volkes vor, indem sie den Gebrauch verschiedener Waffen und Taktiken erlernte. Die Bücher von Öcalan hatte sie schon früher gelesen, die ideologische Bildung in den Bergen wirkte sich jedoch noch viel unmittelbarer auf ihr Leben aus. Wie sie selbst sagte, fühlte sie sich in ihrem neuen Leben zum ersten Mal „wie ich selbst“. Sie ging in die Zap-Region und nahm erstmalig an Aktionen gegen den Feind teil. Im Zap erlebte sie auch zum ersten Mal, dass Mitkämpfer:innen ums Leben kamen. Durch diese Erfahrungen entstand eine tiefe Verbundenheit zu der Region. Für Eylem war es ein grundlegendes Ziel, die ihr als Frau von außen gesetzten Grenzen zu überwinden und die Mauern zu sprengen, hinter denen sie eingeschlossen war. Dafür unternahm sie große Anstrengungen und sie holte sich immer wieder neue Kraft aus den Analysen von Abdullah Öcalan. Nach einer Weiterbildung ging sie auf eigenen Vorschlag nach Botan und übernahm Aufgaben in der Gebietskommandantur von Kato Jîrka. Als eine Kommandantin der YJA Star nahm sie an vielen erfolgreichen Aktionen gegen die türkische Armee teil und kam am 4. Juli bei einem feindlichen Angriff ums Leben.

Bahoz Mijînî


Bahoz Mijînî ist in Mersin geboren, seine Familie stammte aus dem Dorf Mijîn in Qileban (tr. Uludere) in der nordkurdischen Provinz Şirnex. Er wuchs im Bewusstsein seiner kurdischen Identität und des Befreiungskampfes auf und sympathisierte bereits früh mit der PKK und der Guerilla. Als Heranwachsender nahm er mit großer Energie an den Jugendaktivitäten teil, 2015 ging er in die Berge und wurde Guerillakämpfer. Er interessierte sich sehr für die verschiedenen Taktiken im Guerillakampf und bildete sich im Rahmen des Neustrukturierungsprozesses ständig in neuen Methoden der Kriegsführung und Verteidigung weiter. Gleichzeitig war ihm bewusst, dass militärische Kenntnisse für einen erfolgreichen Kampf nicht ausreichen. Er las die Schriften von Abdullah Öcalan und setzte sich mit seiner eigenen Persönlichkeit auseinander, um selbst zu einem freien Menschen zu werden. Nach einem intensiven Bildungsprozess ging er nach Botan, wo er sich zunächst im Gebiet Besta auf die Planung und Umsetzung von Aktionen gegen den Feind konzentrierte. Dabei zeigte er große Sorgfalt und Opferbereitschaft. Später kam er ins Gebiet Kato Jîrka. Dort setzte er seinen Kampf fort und bewies insbesondere bei Sabotageakten Kreativität und Mut.