Traditioneller Newroz-Empfang in Paris

Der Demokratische Kurdische Rat in Frankreich hat seinen traditionellen Newroz-Empfang veranstaltet – mit zahlreichen Persönlichkeiten aus Politik und Zivilgesellschaft. Den Höhepunkt bildete eine Botschaft vom Ex-Präsident François Hollande.

Kurdisches Neujahr

Der Demokratische Kurdische Rat in Frankreich (CDK-F) hat am Abend in Paris seinen traditionellen Newroz-Empfang veranstaltet – diesmal im Hôtel Lutetia. Mit rund 200 geladenen Gästen und einem beeindruckenden Programm wurde Newroz gefeiert - zum einen als Neujahrstag und zum anderen als Symbol für Hoffnung, Freiheit und Widerstand.

Die Gastgeber begrüßten zahlreiche Persönlichkeiten aus der französischen Politik und Zivilgesellschaft, darunter den ehemaligen Bildungsminister Jean-Michel Blanquer, die Renaissance-Abgeordnete Sarah Tanzilli, den Wissenschaftler Bertrand Badie, den Abenteurer Patrice Franceschi, die Bürgermeisterin des 10. Pariser Arrondissements Alexandra Cordebard, die Senator:innen Rémi Féraud und Anne Souyris, die Ko-Vorsitzenden des Rats der armenischen Verbände, Ara Toranian und Franck Papazian, den Präsidenten des Rats der chaldäischen Gesellschaft George Yaramis, und den PCF-Verantwortlichen für internationale Beziehungen Pascal Torre, der zugleich Ko-Vorsitzender des französisch-kurdischen Freundschaftsvereins ist.


Auch Handelnde und Aktive kurdischer Organisationen waren vor Ort, darunter Nûrî Mehmûd, der Sprecher der Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nord- und Ostsyrien ist, der  Europavertreter der in Başûr aktiven Patriotischen Union Kurdistans (YNK), Şex Şemal, sowie Zübeyir Aydar vom Exekutivrat des kurdischen Exilparlaments Nationalkongress Kurdistan (KNK).

Erstmals 612 v. Chr. in Medien, auch Mederreich genannt, begangen, wird Newroz vom kurdischen Volk am 21. März als Neujahrsfest gefeiert. Newroz bedeutet „neuer Tag“, symbolisiert aber auch den Frühlingsanfang. Zugleich hat das Fest für Kurdinnen und Kurden eine große politische Bedeutung. Der kurdischen Mythologie nach haben sich die Menschen in Kurdistan an Newroz der Herrschenden entledigt und sich aus der Tyrannei befreit.

Agit Polat ist Sprecher für Außenbeziehungen des CDK-F, dem Dachverband der kurdischen Vereine in Frankreich

Auf diese Tradition, die bis heute ein wichtiges Element der kurdischen Gesellschaft und vieler weiterer Völker darstellt und die Bestrebungen für Frieden, Freiheit und Demokratie symbolisiert, gingen auch Xane Akdoğan und Şahin Polat, die die genderparitätische Doppelspitze des CDK-F repräsentieren, in ihren Eröffnungsreden ein. „Newroz ist ein Tag des Widerstands gegen Unterdrückung“, hieß es auch in einer Ansprache des Verbandssprechers Agit Polat. Er zeichnete einen kurzen Umriss der Historie von Newroz in Nordkurdistan und erklärte, dass das Fest bis vor einigen Jahren noch verboten war und Feiern vom türkischen Staat blutig niederschlagen wurden. „Dennoch handelt unsere Gesellschaft bei ihrem Kampf um Gerechtigkeit stets mit dem Geist von Newroz. Deutlich zutage tritt dieser Geist beim Widerstand gegen Mentalitäten wie der des selbsternannten IS zum Vorschein.“

Auch Jean-Michel Blanquer würdigte den Kampf, den das kurdische Volk in Rojava führt. „Es ist ein Widerstand, der von einer Frauenrevolution angeführt wird, und diese Tatsache beeindruckt uns hier in Frankreich sehr. Rojava zeigt uns den Weg auf, wie wir kämpfen müssen.“ Von der französischen Öffentlichkeit forderte Blanquer mehr Solidarität für den „gerechten Kampf“ von Rojava und des kurdischen Volkes ein.

Nûrî Mehmûd war aus Rojava angereist

YPG-Sprecher Nûrî Mehmûd wählte scharfe Worte für seine Rede. Er sprach die Drohungen gegen die Demokratische Selbstverwaltung in der Region Nord- und Ostsyrien (DAANES) an und bezeichnete die Türkei und Iran als „Produzenten von Terror und Gewalt“. Beide Mächte würden ihre regionalen Interessen durch Rojava mittel- und langfristig bedroht sehen. Ein politischer Status für die Region würde die heutige Existenz Teherans und Ankaras stark beeinflussen und sie zu Änderungen zwingen. „Deshalb ist es auch kein Zufall, dass sich die beiden historisch konkurrierenden Staaten gegen Rojava an einem gemeinsamen Punkt treffen und ihre Bemühungen dahingehend kanalisieren, Chaos in unseren Regionen zu schaffen. Dabei verfolgen sie eine antiwestliche Politik. Wir hingegen verfolgen eine Politik des dritten Weges in der Region. Es ist eine Politik, die ein Zusammenleben aller Unterschiede und Kulturen ermöglicht. Es ist eine Politik, die mit den demokratischen Werten des Westens übereinstimmt. Deshalb müssen wir die Solidarität und den gemeinsamen Kampf gegen diese reaktionären Kräfte stärken“, sagte Mehmûd.

Die Parlamentarierin Sara Tanzilli, die auch Teil einer französischen Forschungsgruppe über Kurdistan und die Kurd:innen, ist, stellte fest, dass die Bevölkerung des viergeteilten Kurdistans seit Jahrhunderten unter dem Einfluss von diktatorischen Regimen leben müsse. „Doch trotz aller Unterdrückung und Massaker haben die Menschen in Kurdistan nie aufgegeben und setzen ihren Kampf bis heute fort. Diesen Widerstand der Kurdinnen und Kurden gilt es zu würdigen, und wir sollten uns an ihm beteiligen. Denn der kurdische Freiheitskampf im Nahen Osten gibt uns allen Hoffnung.“

Bevor im Anschluss kulinarische Köstlichkeiten aus Kurdistan beim Dinner serviert wurden, wurde noch eine Botschaft des ehemaligen französischen Staatspräsidenten François Hollande verlesen, der verhindert war und nicht persönlich dem Newroz-Empfang beiwohnen konnte. Darin hieß es: „Ich weiß, dass das kurdische Volk, wenn es Newroz feiert, nicht nur das neue Jahr begeht, sondern vor allem die Unterdrückung ablehnt und sein Bekenntnis zur Freiheit bekräftigt. Bei der Verteidigung seiner Grundwerte zeigt es außergewöhnlichen Mut, der uns hier und heute inspirieren sollte. Liebe Freunde, ich wünsche Ihnen ein neues Jahr, das friedlicher und schöner sein möge als das vergangene. Seien Sie sicher, dass viele unserer Herzen heute mit Ihnen schlagen.“

Der Abend im Hôtel Lutetia klang mit einem musikalischen Programm aus. Die Zusammenkunft spiegelte dem CDK-F zufolge die Wichtigkeit wider, Weltoffenheit im Alltag zu leben und kulturelle Vielfalt als einen großen Schatz zu begreifen. Die Gäste waren begeistert und freuen sich auf ein baldiges Wiedersehen.