Kundgebung für Hasankeyf in Istanbul

Auf einer Kundgebung für den Erhalt von Hasankeyf in Istanbul hat der HDP-Vorsitzende Sezai Temelli dazu aufgerufen, bei den Bürgermeisterwahlen am Sonntag für den Schutz „unserer Städte, unserer Natur und unserer Zukunft“ zu stimmen.

In Istanbul hat eine Kundgebung für den Erhalt von Hasankeyf (kurdisch: Heskîf) stattgefunden. An der von der Hasankeyf-Koordination Istanbul im Stadtteil Fatih veranstalteten Kundgebung gegen die drohende Flutung durch den Ilisu-Staudamm nahmen neben vielen weiteren Menschen auch der HDP-Vorsitzende Sezai Temelli und die Abgeordneten Mehmet Rüştü Tiryaki, Tülay Hatimoğulları und Semra Güzel teil.

Als erster Redner ergriff der HDP-Abgeordnete aus Batman, Mehmet Güçlü Tiryaki, das Wort und erklärte, dass die Regierung auch die kulturelle Struktur von Istanbul – „die schönste Stadt der Welt“ – zerstört habe. Zu Hasankeyf sagte er: „Hasankeyf hat eine zwölftausendjährige Geschichte. Es ist eine Siedlung, in der 480 Generationen von Menschen gelebt haben. In dieser Zeit hat sie einmal großen Schaden erlitten, aber selbst beim Einfall der Mongolen ist die historische und kulturelle Struktur nicht angerührt worden. Nach 480 Generationen sind wir jetzt von einer furchtbaren Zerstörung bedroht. Für ein Energiewerk, das keine fünfzig Jahre bestehen wird, soll eine zwölftausend Jahre alte Siedlung überflutet werden. Davon hat niemand etwas. Hasankeyf ist bereits jetzt einbetoniert, aber es ist noch nicht zu spät. Alle gemeinsam können wir die Flutung stoppen, bevor die Staudammtore geschlossen werden. Wir haben uns darauf eingeschworen, Hasankeyf zu retten.“

Im Anschluss redete der Ko-Parteivorsitzende Sezai Temelli und rief dazu auf, bei der Wiederholung der Bürgermeisterwahl in Istanbul am 23. Juni dafür zu sorgen, dass „unsere Städte, unsere Natur und unsere Zukunft vor der AKP geschützt werden“. „Die AKP regiert unsere Städte nicht, sie zerstört sie. Die historische und kulturelle Struktur unserer Städte wird von der AKP bedroht“, erklärte Temelli und betonte, dass die Türkei gar nicht über einen so großen Energiebedarf verfüge, um die Zerstörung von Hasankeyf zu rechtfertigen: „Deshalb sind die Wahlen am 23. Juni eine kritische Angelegenheit. Setzen wir uns bei dieser Wahl gemeinsam für unsere Städte und unsere Kinder ein. Hasankeyf darf nicht überflutet werden, die AKP soll untergehen!“

„AKP will sich bei den Kurden beliebt machen“

Auf Fragen von Journalisten zum Wahlkampf der HDP antwortete der Parteivorsitzende nach der Kundgebung: „Wir haben festgestellt, dass bei den Wahlen am 31. März circa 220.000 unserer Wählerinnen und Wähler ihr Stimmrecht nicht genutzt haben. Wir haben die Ursachen evaluiert und arbeiten entsprechend, um den Urnengang aller Wahlberechtigten zu ermöglichen. Die HDP ist nicht nur die Partei der Kurden, sie hat auch eine linke, sozialistische, demokratische Wählerschaft. An sie will ich an dieser Stelle appellieren: Am Sonntag geht es um ein Demokratie-Referendum. Alle Wahlberechtigten sollten daher wählen gehen.“

Temelli äußerte sich außerdem zu dem gestrigen TV-Duell zwischen den Bürgermeisterkandidaten der CHP und AKP. Die AKP bemühe sich im augenblicklichen Wahlkampf um die Sympathie der Kurden: „Am 31. März sind wir beschimpft und verjagt worden. Das haben unsere Wähler nicht vergessen. Das kurdische Volk ist kurdisch, nicht kurdischer Herkunft. Das sollte inzwischen jeder begreifen. Von kurdischen Wurzeln zu sprechen und ein paar kurdische Wörter in den Mund zu nehmen, wird niemandem etwas nützen. Diese Regierung ist seit 17 Jahren an der Macht. In den letzten fünf Jahren hat sie die gesamte Türkei isoliert. Und ein paar Tage vor der Wahl will sie sich bei den Kurden beliebt machen. Darauf werden die Wähler nicht hereinfallen.“