KON-MED ruft zum Zîlan-Festival in Gelsenkirchen auf

Der kurdische Dachverband KON-MED ruft für Samstag zur Teilnahme am Zîlan-Frauenfestival in Gelsenkirchen auf und erklärt: „Als KON-MED werden wir dabei sein und die ,Jin Jiyan Azadî'-Revolution unterstützen.“

Der kurdische Dachverband KON-MED ruft für Samstag zur Teilnahme am Zîlan-Frauenfestival in Gelsenkirchen auf. Die Ko-Vorsitzenden des bundesweiten Verbands kurdischer Vereine weisen in ihrem Aufruf darauf hin, dass das Festival das größte Zusammentreffen der in Deutschland lebenden Kurdinnen ist und in diesem Jahr dem Gedenken an die am 23. Dezember 2022 in Paris ermordete Revolutionärin Evîn Goyî gewidmet wird.

Der Anschlag in Paris sei ein direkter Angriff auf die kurdische Bewegung gewesen, heißt es weiter in dem Aufruf: „Denn der Kampf der freien Frauen, den Evîn Goyî im Lichte des Paradigmas von Abdullah Öcalan mit großem Einsatz fortsetzte, hatte mit der Frauenrevolution von Rojava Erfolg. Später verbreiteten sich die Aufstände, die in Ostkurdistan unter der Führung der Genossinnen von Evîn Goyî begannen, mit der Losung Jin-Jiyan-Azadî über die ganze Welt. Jin-Jiyan-Azadî war inspirierend und wegweisend für den Freiheitskampf von Frauen weltweit. Der Frauenkampf, der mit großer Kraft unterdrückt und in eine andere Richtung gelenkt wurde, entdeckte den Weg zur Freiheit wieder und wurde stärker. In diesem Rahmen wurde ein großer Fortschritt im Kampf für freie Frauen und eine freie Gesellschaft erzielt.“

Der Pariser Anschlag sei zehn Jahre nach dem tödlichen Attentat des türkischen Geheimdienstes auf Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez (Sara, Rojbîn und Ronahî) als Reaktion des männlichen Staatssystems auf den von Evîn Goyî geführten Frauenkampf und die „Jin Jiyan Azadî"-Revolution erfolgt, erklärt KON-MED und weist darauf hin, dass das Zîlan-Festival in einer sehr kritischen Zeit stattfindet: „Frauen aus ganz Kurdistan und der ganzen Welt werden auf dem Festivalgelände ihre Stimme erheben und ihren Kampf gegen diese Mentalität fortsetzen. Als KON-MED werden wir dabei sein, um den Frauenkampf zu stärken. Wir laden alle Menschen ein, das Festivalgelände in Gelsenkirchen mit dem Slogan Jin-Jiyan-Azadî zu füllen."


Von Kurdistan in die Welt: Jin Jiyan Azadî!“

Das diesjährige Zîlan-Frauenfestival am 17. Juni trägt das Motto „Von Kurdistan in die Welt: Jin Jiyan Azadî!“ und wird vom Verband der Frauen aus Kurdistan (YJK-E) organisiert. Veranstaltungsort ist das Amphitheater Gelsenkirchen, Beginn ist um 10 Uhr. Im Bühnenprogramm sind Tanzaufführungen und Musikauftritte von Jin Ma, Mizgîn Tahir, Kevana Zêrîn, Eylem Aktaş, Beser Şahin und Firmesk angekündigt.

Darüber hinaus soll die „Jin Jiyan Azadî“-Philosophie auf einer Podiumsdiskussion vorgestellt werden. Die Parole „Frau Leben Freiheit“ hat ihren Ursprung in der von Abdullah Öcalan bereits in den 1990er Jahren vorgelegten Frauenbefreiungsideologie und wurde in Rojava/Nordsyrien zur Devise der Frauenrevolution und des unter hohen Opfern geführten Kampfes gegen den „Islamischen Staat“ (IS). Seit vergangenem Herbst ist „Jin Jiyan Azadî“ mit dem Aufstand nach dem Mord an der Kurdin Jina Mahsa Amini im Iran von Kurdistan aus weltweit bekannt geworden.

Wie in jedem Jahr gibt es auf dem Frauenfestival ein reichhaltiges Rahmenprogramm. An Ständen werden von Frauen hergestellte Produkte vorgestellt, eine Bilderausstellung thematisiert den Frauenbefreiungskampf. Für Kinder wird ein Sonderprogramm angeboten.

Zîlan-Frauenfestival: Kurdische Tradition seit 2004

Das erste Zîlan-Frauenfestival hat 2004 unter dem Motto „Frauen überschreiten Grenzen“ in Gelsenkirchen stattgefunden. Im Jahr danach widmete die Frauenbewegung das Festival den Internationalistinnen Uta Schneiderbanger (Nûdem) und Ekin Ceren Doğruak (Amara), die am 31. Mai 2005 bei einem Autounfall in Südkurdistan ums Leben gekommen sind. In den folgenden Jahren standen zentrale Themen der Frauenbewegung im Mittelpunkt, so etwa der Kampf gegen den herrschenden Ehrbegriff („Wir sind niemandes Ehre, unsere Ehre ist unsere Freiheit!“) und gegen Feminizid („Frauen sind Leben, töte nicht das Leben!“) im Mittelpunkt. 2013 erklärten Tausende Frauen ihre Entschlossenheit, den Kampf der vom türkischen Geheimdienst in Paris ermordeten Revolutionärinnen Sakine Cansız (Sara), Leyla Şaylemez (Ronahî) und Fidan Doğan (Rojbîn) fortzusetzen. Weitere Festivals wurden den kämpfenden Frauen in Kobanê und Şengal gewidmet. Nach der türkischen Invasion in Efrîn lautete 2018 das Motto: „Efrîn verteidigen bedeutet die Frauenrevolution zu verteidigen“. 2019 fand das Festival unter dem Motto „Frauenwiderstand befreit“ statt. Nach zwei Jahren „Corona-Pause“ stand das Festival im vergangenen Jahr in Frankfurt unter der Devise „Wehr dich! Organisiere dich! Lebe deine Freiheit!“.