Jugendkongress in Amed steht bevor

Sevim Akdağ erklärt zu dem am Sonntag in Amed stattfindenden Jugendkongress der HDP: „Die Jugend war schon immer der dynamischste Teil der Gesellschaft. Wir wollen dieses Potential neu mobilisieren.“

Am 25. November findet der 2. Kongress der Jugendräte der Demokratischen Partei der Völker (HDP) statt. Das Motto des Kongresses, zu dem junge Menschen aus allen vier Teilen Kurdistans und aus Europa eingeladen sind, lautet: „Organisiert und befreit euch, zerschlagt den Kolonialismus“.

Gegenüber ANF hat sich Sevim Akdağ als Mitglied des HDP-Jugendrats zur Kongressvorbereitung geäußert. Seit der Ausrufung des Ausnahmezustands im Jahr 2016 versuche der Staat massiv, die widerständige Haltung im kurdischen Volk und vor allem junger Menschen zu brechen, sagt sie.

 

Repression auf Rekordniveau

Akdağ erzählt von den Repressionserfahrungen der kurdischen Gesellschaft und insbesondere der Jugend: „Seit den achtziger Jahren bis heute wird eine Politik angewandt, welche die kurdische Jugend passiv machen und von ihrer Widerstandstradition entfremden sollte. Natürlich hat dieses Vorgehen mit der Ausrufung des Ausnahmezustands das höchste Niveau erreicht, denn direkt vor dem Ausnahmezustand hat der Widerstand für eine demokratische Selbstverwaltung stattgefunden. In vielen Provinzen und Städten Kurdistans wurde dieser Widerstand vor allem unter der Führung der Jugend geleistet. Dann nahm die Repression gegen die Jugend, die sich für ihre Straßen und für ihr Land einsetzte, zu. Wenn zwei Personen zusammen auf der Straße sind, wird sofort angegriffen. Das ist eine sehr schwierige Situation.“

„Der Kampf ist niemals aufgegeben worden“

Für die Jugend habe es schon zuvor Phasen des erzwungenen Stillstands gegeben, aber diese hätten niemals bedeutet, dass der Kampf aufgegeben worden sei, erklärt Sevim Akdağ: „Für eine Zeit mag es einen gewissen Stillstand gegeben haben, aber letztendlich hat die kurdische Jugend den Widerstand als Erbe von Menschen wie Kemal Pir, Hayri Durmuş und Sakine Cansız übernommen.

Mit den Parlamentswahlen ist viel Bewegung in Kurdistan und der Türkei aufgekommen. Wo wir auch hingegangen sind, haben wir positive Reaktionen bekommen. Wenn wir an den Türen klingelten, erwarteten uns die Menschen bereits. So ist es auch jetzt. Es besteht die Erwartung, dass die Jugend wieder auf die Straße geht. Diese Erwartung bedeutet natürlich eine große Motivation für uns.“

Angriffe durch Assimilation und Korrumpierung

Zur anhaltenden Repression sagt Sevim Akdağ: „In letzter Zeit gibt es viele Festnahmen und Gefallene. Andauernd werden Menschen verschleppt und es wird versucht, sie als Spitzel anzuwerben. Eigentlich passiert das, was wir heute erleben, nicht zum ersten Mal. Es ist Ausdruck einer sich immer wiederholenden Realität. Nicht nur die Repression wiederholt sich, auch die Tradition des Widerstands wiederholt sich. Daher arbeiten wir daran, die widerständigen jungen Menschen wieder zusammenbringen. Von Anfang an haben wir gesehen, dass es ein jugendliches Potential gibt, das sich bewegen möchte. In der Bevölkerung gibt es ein Bewusstsein, durch das die Mobilisierung unterstützt wird.“

Der Kampf junger Frauen um ihre Identität

Sevim Akdağ fährt fort: „Die Jugend ist sowohl historisch betrachtet als auch aktuell der dynamischste Teil der Gesellschaft. Deswegen fokussiert das System seine schmutzigste Politik auf junge Menschen. Es wird versucht, die Jugend zu korrumpieren und von ihrer Kultur zu entfremden. Die Menschen erzählen uns, dass in den Stadtvierteln Prostitution betrieben und Drogen verkauft werden. In dieser Situation sind der Kongress und die Organisierung der Jugend dringend erforderlich. Es muss eine Jugendidentität geschaffen werden, die sich selbst und ihre Kultur kennt. Die Jugend ist ja bereits gut organisiert. Es gibt insbesondere den Kampf junger Frauen, die ihre Identität gegenüber dem System verteidigen. Unser Ziel ist es, diesen Kampf auf das höchste Niveau zu bringen.“

Aufruf zum Kongress

Zu den Kongressvorbereitungen sagt Sevim Akdağ: „Unsere Arbeit geht überall weiter, von Marmara in der Westtürkei bis nach Serhed. Im HDP-Jugendrat sind viele verschiedene Komponenten vertreten. Wir bereiten den Kongress alle zusammen vor. Wir haben Jugendorganisationen aus allen vier Teilen Kurdistans, der Türkei und auch aus Europa zum Kongress eingeladen.

Auf dem Kongress soll die schmutzige Politik diskutiert werden, die gegen die Jugend in Kurdistan und der Türkei praktiziert wird, und die Möglichkeiten des Kampfes dagegen. Wir wissen, dass die kurdische Jugend eine gewisse Vorreiterrolle im Mittleren Osten hat. Unser Ziel ist es, nach dem Kongress von Straße zu Straße, von Haus zu Haus zu ziehen und alle Jugendlichen zu erreichen. Wir rufen vor allem junge Frauen, die in diesem Sinne kämpfen wollen, und alle anderen dazu auf, an unserem Kongress teilzunehmen.“