Antirassistische Mahnwache in Hanau-Kesselstadt

„Wir warten nicht auf einen neuen rassistischen Anschlag!” – Die Initiative 19. Februar ruft zur Mahnwache am Haus des Vaters des Attentäters von Hanau auf.

Die Initiative 19. Februar ruft für Dienstag zur Mahnwache am Haus des Vaters des Attentäters von Hanau auf. Im Aufruf der Initiative heißt es:

Wie unlängst durch Medienberichte bekannt wurde, teilt der Vater des Rechtsterroristen die verschwörungstheoretischen und rassistischen Vorstellungen seines Sohnes. Er fordert nicht nur die Mordwaffen zurück, sondern will auch das Traktat seines Sohnes mit dessen rassistischen Vernichtungsphantasien wieder Online ins Internet stellen. Desweiteren stellt er Strafanzeigen wegen „Volksverhetzung" bezüglich der Gedenkstätten und macht die Opfer zu Tätern. Und er droht in den Schreiben mit dem Verlust weiterer Menschenleben!

Der Vater des Täters erscheint als „tickende Zeitbombe" und gleichzeitig stellt sich die Frage, warum er von den Ermittlungsbehörden nach der Tatnacht binnen weniger Stunden vom Beschuldigten zum Zeugen gemacht wurde. Die Veröffentlichung macht jedenfalls deutlich, dass Vater und Sohn die gleichen rassistischen Vorstellungen teilen. Ob und wie weitgehend für den rassistischen Mordanschlag am 19. Februar eine Beihilfe des Vaters für seinen Sohn gegeben war, muss vor dem Hintergrund der nun öffentlich gewordenen Schriftsätze erneut umfangreich ermittelt und aufgeklärt werden.

Wir fragen die zuständigen Behörden und die Polizei:

Wie ist es möglich, dass der Vater des Täters seit Ende April bis mindestens September 2020 mehrfach solche Anzeigen gestellt hat und dies ohne jegliche erkennbare Konsequenzen bleibt?

Warum wurden nicht zumindest die Angehörigen der Opfer informiert und Schutz angeboten?

Wie ist es möglich, dass trotz offensichtlicher Fremdgefährdung der Vater in seiner Wohnung in Hanau-Kesselstadt verbleiben darf? Hat er weiter seinen Führerschein und darf auch seine PKWs fahren?

Gibt es ein erneutes Ermittlungsverfahren gegen den Vater als Mitwisser oder Beihelfer zu den Morden vom 19.02.2020?

Wir können nicht fassen, dass nach dem unglaublichen rassistischen Verbrechen mit neun Todesopfern und der Kette behördlichen Versagens vor und während der Tatnacht nun auch im Nachhinein auf die rassistischen Anzeigen des Vaters des Täters und dessen offensichtliche Fremdgefährdung nicht sofort reagiert wurde. Niemand würde davon auch nur wissen, wenn es die Medien jetzt Monate später nicht endlich öffentlich gemacht hätten. Wenn erneut Schreckliches passiert wäre, hätten dann Behörden und Polizei erneut behauptet, dass sie es vorher nicht wissen konnten?

Die antirassistische Mahnwache in Hanau-Kesselstadt findet statt am 29. Dezember um 12 Uhr, Ecke Kantstrasse – Helmholtzstrasse.