Newroz-Feiern in Nord- und Ostsyrien

Das diesjährige Newroz wurde auch in Nord- und Ostsyrien begangen. Es wurde zu einem eindrucksvollen Ausdruck von Widerstand, kultureller Identität und dem Streben nach Freiheit und Demokratie.

Newroz als Ausdruck von Widerstand

Auch in der Autonomieregion Nord- und Ostsyrien wurde das kurdische Neujahrsfest Newroz mit großer Begeisterung gefeiert. In elf Städten versammelten sich zehntausende Kurd:innen, Araber:innen, Suryoye, Armenier:innen und Turkmen:innen, um gemeinsam unter dem Motto „Die physische Freiheit von Abdullah Öcalan ist die Garantie einer demokratischen Gesellschaft“ das Newroz-Fest zu begehen. Vielerorts wurde bereits in den vergangenen Tagen Newroz gefeiert.

Erstes Newroz nach Sturz des Baath-Regimes

Die diesjährigen Feierlichkeiten standen unter einem besonderen Zeichen: Es war das erste Newroz nach dem Sturz des Baath-Regimes und gleichzeitig ein Moment, der durch den historischen Friedensaufruf von Abdullah Öcalan an den türkischen Staat besondere Bedeutung erhielt. In Kobanê wurde das Fest auf dem symbolträchtigen Miştenûr-Hügel begangen.

Hiso: Die Kraft des Volkes ist unbesiegbar 

In Cagir Baza, einem Dorf bei Amûdê, wurde das Newroz-Feuer durch Mitglieder des Angehörigenrats von Gefallenen entzündet, begleitet von einer Schweigeminute zum Gedenken an all jene, die im Widerstand ihr Leben ließen. In seiner Rede erklärte der Ko-Vorsitzende der Partei PYD, Xerîb Hiso, dass dieses Newroz im Zeichen von Freiheit, Selbstbestimmung und einer Lösung der kurdischen Frage sowie aller weiterer Konflikte im Nahen Osten stehe: „Das Feuer von Newroz wurde dieses Jahr mit dem starken Willen unseres Volkes in ganz Syrien entzündet. Diese Kraft hat gezeigt, dass sie unbesiegbar ist.“

Xerîb Hiso

Hiso erinnerte an die Symbolkraft des Newroz-Feuers – das vom Schmied Kawa, dem Helden in der mythologischen Ursprungsgeschichte von Newroz, entzündet wurde und von Persönlichkeiten wie dem PKK-Mitbegründer Mazlum Doğan, der sich an Newroz 1982 im Gefängnis von Diyarbakır (ku. Amed) aus Protest gegen Unterdrückung und Folter das Leben nahm, nachdem er zuvor seine Zelle in Brand gesteckt hatte, weitergetragen wurde – und betonte, dass es durch die Philosophie Öcalans in diesem Jahr noch stärker brenne. „Öcalans Aufruf zu Frieden und einer demokratischen Gesellschaft hat auch hier in Syrien das Feuer der Hoffnung neu entfacht“, so Hiso weiter. Diese Botschaft sei inzwischen zu einem globalen Ruf nach Lösung und Würde geworden.

Qamişlo

In Hesekê versammelten sich zehntausende Menschen, die teilweise aus umliegenden Städten wie Til Berak, Hol und Şedadê angereist waren. Die Feier begann mit einer Schweigeminute und dem Entzünden des Newroz-Feuers, unter Bannern mit dem Bild Abdullah Öcalans sowie Fahnen der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) sowie der Volks- und Frauenverteidigungseinheiten (YPG und YPJ). Viele Teilnehmende erschienen in traditioneller Kleidung und lauschten der Stimme Öcalans. Über Lautsprecher wurde die Newroz-Botschaft des kurdischen Vordenkers von 2013 abgespielt.

Hesekê

Die kurdische Politikerin Foza Yusîf, Mitglied des Präsidialrats der PYD, unterstrich die Bedeutung von Öcalans Botschaft für das diesjährige Newroz. Sie verurteilte die Angriffe des türkischen Staates auf Nord- und Ostsyrien und betonte die Entschlossenheit der Bevölkerung, sich nicht der Unterdrückung zu beugen. Gleichzeitig kritisierte sie den jüngsten Verfassungsentwurf der syrischen Regierung in Damaskus: „Wir haben über 54 Jahre gegen das Baath-Regime Widerstand geleistet und über 14.000 Gefallene gegeben. Ein Verfassungsentwurf, der unsere Rechte nicht anerkennt, ist für uns nicht akzeptabel.“

Raqqa

Yusîf rief das neue syrische Regime dazu auf, die Rechte aller gesellschaftlichen Gruppen zu garantieren und die Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien als Vorbild zu nehmen. Abschließend erklärte die Politikerin, dass Newroz 2025 als „Newroz der Freiheit“ in die Geschichte eingehen solle – mit dem Ziel, die physische Freiheit von Öcalan zu erreichen: „Unsere größte Hoffnung ist, dass Herr Öcalan im kommenden Jahr direkt zu seinem Volk sprechen kann. Unser Widerstand und unsere Einheit weisen den Weg.“

Qamişlo