Guerillakämpfer Serhildan: Ein Leben wie das von Haki Karer

Haki Karer ist eine zentrale Identifikationsfigur der kurdischen Freiheitsbewegung. Auch über 30 Jahre nach seinem Tod inspiriert das Leben des internationalistischen Mitstreiters von Abdullah Öcalan junge Menschen und führt sie in die Berge Kurdistans.

Ich sitze in Şemzînan im Schatten eines imposanten Walnussbaumes und plaudere mit ein paar Guerillakämpfern. Der dichte Blattschmuck des Baumes verdeckt den Himmel. Serhildan Kamuran ist einer von den HPG-Kämpfern, mit denen ich mich unterhalte. Er hat sich vor vier Jahren der Guerilla angeschlossen. Ursprünglich stammt Serhildan aus Bedlîs, ist jedoch in Mersin aufgewachsen. Er gehört zur kurdischen Jugend, die den Bemühungen des türkischen Staates zur Agentenanwerbung ausgesetzt ist und in deren Alltag Drogenkriminalität und Prostitution getragen wird. Im Alter von 13 Jahren begann Serhildan, Drogen zu nehmen. Mit 16 setzte er diesem Lebensabschnitt ein Ende, nachdem er einen Text über das Leben von Haki Karer gelesen hatte. Haki Karer, ein internationalistischer Mitstreiter Abdullah Öcalans und erster gefallener Kader der „Apoisten”, ist eine zentrale Identifikationsfigur der kurdischen Bewegung. Im Mai 1977 wurde er durch ein Komplott ermordet. Abdullah Öcalan kam nach seinem Tod zu der Überzeugung, dass nur die Gründung einer Partei dem Andenken Haki Karers gerecht werden könne und verfasste daraufhin den Programmentwurf der PKK. Wie Kemal Pir wird auch Haki Karer von Öcalan als seine „geheime Seele“ bezeichnet.

Haki Karer (vierter von links) als Student an der Universität Ankara

Serhildan erzählt, er sei von Haki Karer so beeindruckt gewesen, dass er, nachdem er von seinem Leben erfuhr, auf Drogen und seine Konsumgewohnheiten verzichtet habe. Sodann begann er, politisch zu werden, und mit den zunehmenden Anschlägen des sogenannten IS in Rojava und den intensiven Kriegsphasen in Kobanê und Şengal entschloss sich Serhildan, der Guerilla beizutreten. Gemeinsam mit sechs Freunden ging er 2014 zu den Volksverteidigungskräften. Nach der Ausbildung für neue Kämpferinnen und Kämpfer war er zunächst in verschiedenen Bereichen aktiv, bevor es ihn vor drei Jahren nach Şemzînan verschlug.

Auch 31 Jahre Jahre nach seinem Tod beeindruckt Haki Karer weiterhin

„Das Leben von Haki Karer beeindruckte mich in vielerlei Hinsicht. Seine Opferbereitschaft, sein Kampf für das geschwisterliche Zusammenleben des kurdischen und türkischen Volkes, dass er den Gruppengeist bis zum Ende zu wahren versuchte und sich immer dann an vorderster Front einbrachte, wenn es am gefährlichsten war, seine organisatorischen Aktivitäten und seine Nähe zu unserem Vorsitzenden, all dies beeindruckt auch weiterhin. Jeder PKK-Kämpfer oder alle, die es werden wollen, müssen von Haki Karer unbedingt wissen und ihn verstehen“, sagt Serhildan.

Es gäbe keine Ausbildungseinheit und keinen Bildungslehrgang zur Geschichte der PKK, in dem der Name Haki Karer nicht fallen würde, erzählt der junge Kämpfer. „Aus diesem Grund sind auch die neuen Kämpferinnen und Kämpfer mit seinem Leben vertraut. Wir sprechen ständig von ihm. In jeder Guerillaeinheit gibt es einen Freund, der Haki heißt. In den letzten Jahren haben viele Freunde auch Karer als Namen angenommen. In Şemzînan kennt jeder seinen Namen und weiß um seine Bedeutung für die PKK“.

Am Ende unseres Gesprächs sagt Serhildan Kamuran, dass sie als Guerilla der HPG ihren Sieges- und Freiheitsmarsch in der Person von Haki Karer fortsetzen würden und betont: „Der einzige Weg zu einem freien Leben ist so zu sein wie Haki“.