Politische Botschaften und Erinnerung an den „Weg der Wiedergeburt“
In Abdullah Öcalans Geburtsort Amara fand heute eine zentrale Feier zu seinem 76. Geburtstag statt. Die Veranstaltung bildete den Höhepunkt eines zweitägigen Festivals, das von der Plattform demokratischer Initiativen organisiert und von einer Massenkundgebung eingeleitet wurde. Im Zentrum stand ein deutliches Zeichen für die demokratische Lösung der kurdischen Frage.
Nach einer von Frauen angeführten Demonstration aus dem nahegelegenen Xelfetî (tr. Halfeti) trafen sich Hunderte Menschen im Garten des Hauses, in dem Abdullah Öcalan 1949 geboren wurde. Die Teilnehmer:innen wurden mit Rufen wie „Bijî Serok Apo“, „PKK ist das Volk – Das Volk ist hier“ und „Tausend Grüße der Sonne, die in Amara aufging“ empfangen.
Symbolträchtige Teilnahme von 76 Personen
In Anlehnung an Öcalans 76. Lebensjahr bestand das zentrale Ehrengremium der Veranstaltung aus genau 76 Personen. Unter ihnen waren die DBP-Vorsitzenden Çiğdem Kılıçgün Uçar und Keskin Bayındır, mehrere Abgeordnete der DEM-Partei, Ko-Bürgermeister:innen, Mitglieder des Rats der Friedensmütter sowie Aktive der DEM-Jugend, die nach einem mehrtägigen Marsch von Amed (Diyarbakır) nach Amara gekommen waren. Auch Mehmet Öcalan, der Bruder Abdullah Öcalans, nahm teil, ebenso wie der bekannte Journalist Haydar Ergül und Avesta Gülten Uçar, Mitglied der Friedensgruppe von 2009.
Mehmet Öcalan: „Öcalan ist unser Licht“
Im Hof des Hauses hielt Mehmet Öcalan eine emotionale Ansprache: „Dieses Haus war Zeuge vieler historischer Momente. Wir danken allen, die heute hierhergekommen sind. Die kurdische Frage muss auf demokratischem Wege gelöst werden. In unserem letzten Gespräch hat Rêber Apo allen seine Grüße ausgerichtet. Sein Geburtstag ist unser aller Feiertag. Seit 76 Jahren ist er im Kampf – er ist unsere Sonne am Tag, unser Mond in der Nacht.“
Die Menge reagierte mit langanhaltenden Sprechchören: „Rojbûna te pîroz be ey Serok Apo“ – „Alles Gute zum Geburtstag, Vorsitzender Apo“.
Panel zur „Geschichte der Wiedergeburt“
Im Anschluss fand ein Panel zur kurdischen Freiheitsbewegung statt. Unter dem Titel „Die Geschichte der Wiedergeburt“ – sprachen Avesta Gülten Uçar und Haydar Ergül über die Anfänge und die Entwicklung des kurdischen Widerstands. Uçar betonte die lange Kontinuität des Kampfes: „Diese Bewegung hat nicht heute begonnen. Sie ist das Ergebnis eines langen Weges. Wir begrüßen den aktuellen Friedens- und Demokratieappell von Öcalan. Eine freie Gesellschaft wird von Jugendlichen und Frauen getragen – wir bauen sie gemeinsam auf.“
Der Journalist Haydar Ergül erinnerte an die Rolle charismatischer Führungspersönlichkeiten in der Geschichte: „Man sagt, solche Menschen gibt es nur einmal in hundert Jahren – doch die Kurd:innen haben eine andere Geschichte. Seit Jahrhunderten unterdrückt, haben sie eine Bewegung hervorgebracht, deren Bedeutung weit über das eigene Volk hinausgeht. Am 4. April 1949 wurden viele kurdische Kinder geboren – aber nur einer wurde zu einem ‚Anführer‘.“
Ergül berichtete auch über seine persönlichen Begegnungen mit Öcalan während dessen Aufenthalt in Rom zur Zeit des internationalen Komplotts Ende der 1990er Jahre. Das Panel endete mit einer offenen Fragerunde. Die Veranstaltung in Amara, getragen von politischen, gesellschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, unterstrich erneut die zentrale Rolle Abdullah Öcalans im kurdischen Befreiungskampf – und die anhaltenden Forderungen nach einer politischen Lösung, Dialog und seiner Freilassung.