„We Came From Fire“ von Joey Lawrence in Silêmanî

Die Fotoserie „We came from Fire“ von Joey Lawrence ist seit dem Wochenende im südkurdischen Silêmanî zu sehen. Der Fotograf reiste 2015 nach Rojava und in das Şengal-Gebirge, um dort den Alltag kurdischer Kämpferinnen und Kämpfer zu porträtieren.

Während die Türkei als Partner der Nato gemeinsam mit ihrer dschihadistischen Proxy-Armee seit dem 9. Oktober einen Angriffskrieg gegen die Verteidigungskräfte der selbstverwalteten Gebiete Nord- und Ostsyriens führt, zeigt eine Fotoausstellung im südkurdischen Silêmanî Bilder eben dieser Kämpferinnen und Kämpfer, die bereits gegen den Islamischen Staat (IS) kämpften und dazu beitrugen, die Terrororganisation militärisch zu besiegen. Die einmaligen Fotos stammen von dem kanadischen Fotografen und Dokumentarfilmer Joey Lawrence. Der 29-Jährige reiste im März 2015 das erste Mal nach Südkurdistan und abschließend weiter nach Rojava, und porträtierte an den Frontlinien Kämpfer*innen der YPG/YPJ und Guerillaeinheiten in der Şengal-Region. Seine Aufnahmen zeigten unter anderem bereits Vanity Fair Italia und The Independent's Saturday Magazine. Im Juli erschien sein Sammelband „We came from Fire - Photographs of Kurdistan's Armed Struggle Against ISIS“ inklusive aufschlussreicher Reiseliteratur.

Die Fotoausstellung wurde am Wochenende im Amna-Suraka-Gefängnis eröffnet. Das Gefängnis ist das ehemalige Geheimdienst-Hauptquartier des Baath-Regimes und diente als Folterkammer. Insbesondere aufständische Kurd*innen wurden dort gefoltert. Der Name Amna Suraka bedeutet „rote Sicherheit“, was auf die roten Wände im Gefängnis zurückzuführen ist. Es wurde 1979 unmittelbar nach Gründung der Islamischen Republik Iran von Saddam Hussein in Auftrag gegeben und zwölf Jahre lang ununterbrochen betrieben. 1991 gelang es der kurdischen Peschmerga, das Gefängnis einzunehmen und die Insassen zu befreien. Das Gebäude wurde in seinem ursprünglichen Zustand erhalten und dient heute als Museum für die Verbrechen des Baath-Regimes.

„Ich denke, dass dies ist ein perfekter Ort für Fotos von kurdischen Kämpferinnen und Kämpfern ist”, sagte Lawrence bei der Ausstellungseröffnung am Samstag. Eigentlich hatte er geplant, seine Bilder in Rojava auszustellen - an den Orten, wo sie entstanden sind. Aufgrund der Invasion war dies nicht möglich, erklärte er.

„In diesem Gefängnis wurden unter Saddam Hussein kurdische und irakische Zivilisten gefoltert. Nach der Revolution von Başûr wurden sie befreit. Aber die Frauen und Männer, deren Bilder an den Wänden hier hängen, kämpfen heute gegen andere Diktatoren. Wir Kunstschaffenden und alle anderen Menschen, insbesondere politische Parteien, ganz gleich, wie ihre Ausrichtung auch aussieht, müssen solidarisch mit den Kämpferinnen und Kämpfern und der Zivilbevölkerung von Rojava sein. Wenn die Angreifer die Revolution in Rojava niederschlagen, wer weiß, was als nächstes passieren wird?“, sagte Lawrence.

Er selbst sehe sich nicht als ein Fotojournalist, dessen Pflicht es sei, neutral zu bleiben und lediglich über einen Konflikt zwischen zwei Seiten zu berichten, fügte Lawrence hinzu. „Ich bin ein Porträtfotograf, der sich kulturell mit den Hintergründen des kurdischen Kampfes und dem historischen Widerstand gegen den Völkermord auseinandersetzt. Ich bin hier, weil es mich persönlich betrifft. Fakt ist, dass die Türkei in Syrien eingefallen ist. Die kurdischen Kämpferinnen und Kämpfer verteidigen ihre Heimat und ihre Häuser. Ich kann nicht neutral bleiben, denn ich fühle mich diesen Menschen gegenüber verpflichtet.“

Die von der Metrography Agency organisierte Ausstellung ist noch bis zum 11. November täglich von 10 bis 17 Uhr im Gefängnismuseum Amna Suraka zu sehen. Der Erlös aus dem Verkauf von signierten Bildern kommt dem Kurdischen Roten Halbmond (Heyva Sor a Kurdistanê) zugute.

Joey Lawrence

Der 1989 im kanadischen Ontario geborene Profifotograf und Regisseur Joey Lawrence ist besser bekannt unter seinem Künstlernamen Joey L. und lebt aktuell in Brooklyn/New York. Sein Interesse an der Fotografie begann bereits im Alter von sieben Jahren. Sein Vater gab ihm seine Point-and-Shoot Kamera, mit der er erste Fotos seiner Dinosaurier-Spielzeuge machte. Was spielerisch begann, wurde schnell zur großen Leidenschaft.

Im Alter von 18 Jahren begann er, professionell zu arbeiten. Zu seinen Kunden gehören unter anderem Lavazza, National Geographic Channel, die US-Armee, Canon, Jose Cuervo, Summit Entertainment und History Channel, aber auch die Regierung von Abu Dhabi und viele andere.

Lawrence hat auch eine Reihe von bekannten Gesichtern fotografiert, darunter Robert De Niro, Danny DeVito, John Green und die Sportlerin und zweimalige Olympiasiegerin Gabby Douglas, um nur einige zu nennen. Seine Arbeiten sind regelmäßig in Zeitschriften, U-Bahn-Werbung und auf Werbetafeln zu sehen.

Die ANF-Redaktion empfielt an dieser Stelle seine Dokumentationsfilme Born From Urgency - Faces from the Frontline Against ISIS und Guerrilla Fighters of Kurdistan.