HDP stellt Parlamentsanfrage wegen entführten Metropoliten

Vor sechs Jahren sind die Metropoliten Pavlos Yazigi und Johanna Ibrahim an der türkisch-syrischen Grenze entführt worden. Der aramäische HDP-Abgeordnete Tuma Çelik fordert Aufklärung von der türkischen Regierung.

Der aramäische HDP-Abgeordnete Tuma Çelik hat im türkischen Parlament in Ankara eine kleine Anfrage zum Fall der Metropoliten Pavlos Yazigi und Mor Gregorios Johanna Ibrahim gestellt, die vor sechs Jahren an der türkisch-syrischen Grenze entführt wurden. Çelik fordert die Regierung auf, Informationen preiszugeben, die der AKP im Zusammenhang mit der Entführung vorliegen.

Zum Hintergrund: Der syrisch-orthodoxe Metropolit Mor Gregorios Johanna Ibrahim empfing am 22. April 2013 seinen aus der Türkei zurückgekehrten griechisch-orthodoxen Amtskollegen Pavlos Yazigi am Grenzübergang Bab al-Hawa. Im Fahrzeug befand sich außerdem noch der Fahrer und Subdiakon von Erzbischof Ibrahim, Fatha’Allah Kabboud (der ermordet wurde), und eine Person namens Fuad Eliya. Auf dem Weg nach Aleppo passierten sie einen etwa 20 Kilometer von der Grenze entfernten FSA-Kontrollpunkt ohne Probleme. Kurze Zeit später wurde ihnen der Weg von bewaffneten Männern abgeschnitten. Die acht Personen holten den Fahrer und Fuad Eliya aus dem Fahrzeug und verschleppten die beiden Metropoliten. Der Kopf der Entführergruppe war der Dagestaner Magomed Abdurahmanov, der den Codenamen Abu Banat benutzt.

Zu diesem Zeitpunkt waren Aktivitäten des sogenannten „Islamischen Staates” (IS) in der Region noch nicht bekannt, stattdessen war der Al-Qaida-Ableger al-Nusra stark im Feld. Das wichtigste Durchreisezentrum für die Anhänger der Organisationen war die Türkei. Die Dschihadisten konnten sich entspannt von einer auf die andere Seite der türkisch-syrischen Grenze bewegen. Die AKP-Regierung hatte die Grenze zwischen der Türkei und Syrien zu einem der aktivsten Durchreisekorridore für Dschihadisten gemacht.

Mor Gregorios Johanna Ibrahim und Pavlos Yazigi (v.l.n.r.)

Die beiden Würdenträger Mor Gregorios Johanna Ibrahim und Pavlos Yazigi  galten als Verfechter der friedlichen Koexistenz von Muslimen, Christen und weiterer Religionsgemeinschaften und Volksgruppen in Syrien. Erzbischof Ibrahim rief kurz vor seiner Entführung zu Versöhnung, Vergebung und gegenseitigem Dialog auf.

Verantwortliche der türkischen Regierung, allen voran der damalige Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu, erklärten damals immer wieder: „Wir wissen, dass die Metropoliten am Leben sind. Ihre Rettung ist nur noch eine Frage der Zeit.“ Die Realität sah jedoch ganz anders aus. Während diese Erklärung gemacht wurde, wurde der Entführer der beiden religiösen Führer, Abu Banat, in der Türkei festgenommen, verhört und im Stillen wegen einer anderen Straftat inhaftiert. Abu Banat war insbesondere durch seine Enthauptungsvideos bekannt geworden, die in den ersten Kriegsjahren für große Aufmerksamkeit sorgten. Der erste Chemiewaffen-Angriff, das Massaker von Khan al-Assal, soll ebenfalls von der Abu-Banat-Gruppe begangen worden sein. Abu Banat ist ein Kriegsverbrecher, der für viele Gräueltaten verantwortlich zeichnet.

Da sich die türkische Regierung schon damals bemühte und es auch jetzt noch tut, sich durch ihr Schweigen dieses Thema vergessen zu machen, fordert der HDP-Abgeordnete Tuma Çelik insbesondere von der Presse, sich dem Fall der entführten Metropoliten zu widmen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Die Regierung habe bereits in der Vergangenheit auf Anfragen seiner Partei nicht reagiert, so Çelik. Um das Schicksal der beiden Würdenträger Pavlos Yazigi und Johanna Ibrahim aufzuklären, müsse eine breite Öffentlichkeit geschaffen werden, fordert der Parlamentarier.

Der Anwalt Erkan Metin äußerte in einem Interview mit unserer Agentur zu dem Fall, dass die Metropoliten kurz nach ihrer Entführung von der kaukasischen Dschihadistengruppe an eine Bombe gebunden und getötet wurden. Diese Informationen habe das Kaukasus-Emirat in einem Text auf seiner offiziellen Internetpräsenz verbreitet, erklärte der Anwalt in dem Gespräch. Das Interview in voller Länge ist nachzulesen unter: Was passierte mit den entführten Metropoliten von Aleppo?