YPJ veröffentlichen Filmmaterial: Der IS ist nicht vorbei

Die YPJ haben Filmmaterial von internierten IS-Frauen in Nordostsyrien veröffentlicht. Alle in dem Video verwendeten Bilder stammen von beschlagnahmten Handys ausländischer IS-Frauen oder von Aufnahmen im Internierungslager Hol bei Hesekê.

Ausländische IS-Frauen werden oft als naive Ehefrauen dargestellt, die ihren Ehemännern nach Syrien gefolgt sind. Sie spielen jedoch eine entscheidende Rolle innerhalb des sogenannten „Islamischen Staates“. In Internierungslagern in Nordostsyrien erziehen viele von ihnen ihre Kinder mit der IS-Doktrin, um das „Kalifat" am Leben zu erhalten.

Das Informations- und Dokumentationsbüro der Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) hat Filmmaterial veröffentlicht, das Aufnahmen aus Handys von internierten ausländischen IS-Frauen in der Autonomieregion Nord- und Ostsyrien (AANES) enthält. Das Filmmaterial wird von einer Erklärung der YPJ begleitet, in der gewarnt wird, dass der IS nicht vorbei ist, nur weil seine Territorialherrschaft zerschlagen wurde, und dass die Bedrohung für die gesamte Menschheit weiter besteht, solange seine Ideologie verbreitet und an die nächste Generation weitergegeben wird.


Zehntausende internierte IS-Mitglieder

„Der Kampf gegen Gruppen wie den IS ist nicht nur ein militärischer, sondern auch ein ideologischer", betont die am Freitag veröffentlichte YPJ-Erklärung, in der es weiter heißt:

Als Teil des Militärbündnisses der Demokratischen Kräfte Syriens (ar. QSD, en. SDF) haben wir als YPJ eine entscheidende Rolle bei der Niederschlagung des sogenannten IS-Kalifats gespielt. Seit der Schlacht gegen das letzte vom IS gehaltene Gebiet in Baghouz im März 2019 wurden in unseren Gebieten mehr als 10.000 IS-Kämpfer festgenommen. Unter den Festgenommenen befindet sich eine große Zahl von Ausländern, die aus mehr als 50 verschiedenen Ländern nach Syrien gekommen sind, um sich dem IS anzuschließen. Die Frauen und Kinder dieser ausländischen IS-Mitglieder werden in Lagern festgehalten, wobei das Lager al-Hol mit 50.000 Personen das größte ist. Etwa 2.000 der IS-Familien stammen aus westlichen Ländern, die anderen aus dem Kaukasus, Nordafrika sowie dem Nahen und Fernen Osten.

Brutstätte einer neuen IS-Generation

Das Lager al-Hol wurde zur Brutstätte einer neuen Generation hochgradig fanatischer Islamist:innen, die sich nicht nur für das verlorene „Kalifat" rächen wollen, sondern alles tun, um den Fortbestand der Organisation zu sichern und das Kalifat am Leben zu erhalten.

Im Lager kommt es häufig zu Morden und Enthauptungen, und versteckte Scharia-Gerichte bestrafen Frauen, die sich weigern, der extremistischen Ideologie der IS-Organisation zu gehorchen. Mütter wurden dabei beobachtet, wie sie ihre Kinder mit der Ideologie der Terrorgruppe indoktrinierten und ihnen eine militärähnliche Leibeserziehung verordneten. Um eine neue Generation von IS-Kämpfern heranzuziehen, werden die Jungen im Lager systematisch vergewaltigt und ausgewählte Frauen geschwängert. Kinder in einer Umgebung zu lassen, in der sie einer extrem gewalttätigen Ideologie, sexuellem Missbrauch und Indoktrination ausgesetzt sind, verstößt gegen das Kindergesetz Nr. 7 (2022) der AANES, das vorschreibt, dass Kinder vor einem gefährlichen Umfeld geschützt werden müssen.

Ausländische IS-Frauen spielen eine wichtige Rolle

Ausländische IS-Frauen spielen eine wichtige Rolle bei der Gewährleistung der ideologischen Kontinuität der Organisation. Diese Frauen werden oft als naive Ehefrauen dargestellt, die ihren Männern einfach nach Syrien gefolgt sind. Um diese falsche Darstellung zu belegen, zeigen wir Inhalte von Handys, die IS-Frauen im Lager heimlich und illegal besitzen. Telefone sind verboten, um die Koordination mit IS-Schläferzellen zu verhindern, die die Flucht der Gefangenen aus dem Lager zu organisieren versuchen. Illegal besessene Telefone werden daher beschlagnahmt und durchsucht. Alle in dem Video verwendeten Aufnahmen stammen von beschlagnahmten Handys ausländischer IS-Frauen oder von Aufnahmen im Lager al-Hol selbst.

Die AANES wird allein gelassen

Die Autonome Verwaltung von Nord- und Ostsyrien (AANES) und die QSD haben die internationale Gemeinschaft wiederholt aufgefordert, die Situation der ausländischen Staatsangehörigen zu lösen, indem sie sie zurückführen und vor die Gerichte ihrer jeweiligen Länder stellen. Diese Aufrufe bleiben größtenteils ungehört, und die Menschen in Nord- und Ostsyrien, die am meisten unter der barbarischen Gewalt von IS gelitten haben, werden mit der Last der Unterstützung und der sicheren Verwahrung der IS-Mitglieder sowie mit Präventions- und De-Radikalisierungsprojekten für ihre Kinder allein gelassen. Aus diesem Grund kündigte die AANES im Juni 2023 an, dass sie mit der juristischen Verfolgung inhaftierter ausländischer IS-Mitglieder vor Ort beginnen werde, in dem Land, in dem die Organisation ihre abscheulichsten Verbrechen verübt hat.

Der IS ist noch nicht besiegt

Als YPJ wissen wir, dass der IS nicht vorbei ist, nur weil seine Territorialherrschaft zerschlagen wurde. Solange seine Ideologie verbreitet und an die nächste Generation weitergegeben wird, besteht die Bedrohung für die gesamte Menschheit fort. Der Kampf gegen Gruppen wie den IS ist nicht nur ein militärischer, sondern auch ein ideologischer. Gegen die frauenfeindliche, grausame Ideologie des IS, die Angst verbreitet und zu Versklavung und Völkermord führt, setzen wir uns für die Verbreitung des Projekts des Demokratischen Konföderalismus ein - ein System, in dem die Gesellschaft in Gemeinden und Räten unter Beteiligung aller religiösen Gruppen und Ethnien organisiert ist und in dessen Mittelpunkt die Befreiung der Frau und die Ökologie stehen. Viele unserer geliebten Kämpferinnen und Kämpfer haben ihr Leben gelassen, um unser Volk und die Welt vor der Barbarei des IS zu schützen. Gegen die entsetzlichen Grausamkeiten, die der IS gegen Frauen und die Völker des Nahen Ostens verübt hat, entwickeln und schützen wir als YPJ eine Frauenrevolution, in der sich Frauen wirklich befreien können und die den Weg für die Befreiung ihrer Gesellschaften und für einen wirklich demokratischen Nahen Osten öffnet.