Widerstandshochburg in Aleppo: Şêxmeqsûd

Das Viertel Şêxmeqsûd in Aleppo stellt mit seiner überwiegend kurdischen Bevölkerung eine Widerstandshochburg dar. Das heute selbstverwaltete Viertel wurde 2016 befreit, die YPG/YPJ kämpften gegen zahlenmäßig überlegene Dschihadisten.

Das selbstverwaltete Viertel Şêxmeqsûd mit seiner überwiegend kurdischen Bevölkerung liegt strategisch günstig im nordwestlichen und höchsten Teil von Aleppo. Ein großer Teil der Menschen stammt aus Efrîn. Das Viertel ist für seinen Widerstand bekannt. Während des Qamişlo-Aufstandes von 2004 kam es hier zu ersten Reaktionen. Nach Beginn der Rebellion in Syrien, die von Deraa ausging, zog auch Şêxmeqsûd die Aufmerksamkeit auf sich. Am 10. März 2012 griff eine Miliz der Regierung in Damaskus eine von den Bewohner:innen des Viertels organisierte Demonstration an, dabei wurde die Kurdin Gulê Selmo ermordet. Nach ihrem Tod leisteten die Menschen großen Widerstand, und die Regierung in Damaskus war gezwungen, sich aus dem Viertel zurückzuziehen. Şêxmeqsûd organisierte sich auf der Grundlage der Selbstverteidigung. Am 26. Juli 2012 wurde eine Volksrat gegründet. Die Angriffe von Milizen der syrischen Regierung hielten an, am 6. September wurden bei einem schweren bewaffneten Angriff 21 Menschen getötet.

Angriffe des Regimes und islamistischer Banden

Nicht nur Regimemilizen, sondern auch dschihadistische Banden griffen das Viertel an. Bei Angriffen am 26. Oktober 2012 wurden acht Menschen getötet. Im März 2013 griffen Banden auf der einen Seite und Milizen der Regierung in Damaskus auf der anderen Seite das Viertel an. Kämpfer:innen der YPG/YPJ reagierten und schlugen die Angriffe zurück. Am 7. September 2013 schlossen sich mehrere islamistische Gruppen zusammen und griffen an. Die YPG und YPJ töteten mehr als 60 der Angreifer und zwangen sie zum Rückzug.

Das Viertel wurde vollständig befreit

Im Jahr 2015 nahmen die Angriffe auf das Viertel wieder zu. Die Streitkräfte des Regimes bombardierten das Gebiet zwischen Şêxmeqsûd und Eşrefiyê. Drei Monate nach diesen Angriffen schlossen sich die vom türkischen Staat koordinierten Banden am 28. Mai 2015 zusammen und begannen, Şêxmeqsûd unter der Führung von Jabhat al-Nusra (Al-Nusra-Front, Al-Qaida-Ableger in Syrien) anzugreifen. Als auch diese Angriffe vereitelt wurden, wurde das Viertel am 22. September 2015 belagert und hunderte Male mit schweren Waffen angegriffen. Dabei wurden sechs Zivilpersonen getötet und Dutzende weitere verwundet. Mit Unterstützung des türkischen Staates startete al-Nusra am 27. November 2015 einen neuen Angriff. Für einen Angriff vom 16. Februar 2016 schlossen sich 27 dschihadistische Milizen zusammen. Der Angriff dauerte bis zum 26. November 2016. Am 27. November starteten die YPG und YPJ eine Befreiungsaktion, die im Dezember 2016 abgeschlossen wurde.


Die Bevölkerung von Şêxmeqsûd leistete zusammen mit ihren Kämpferinnen und Kämpfern acht Monate lang großen Widerstand in diesem kleinen Viertel. Ein Teil dieses Widerstands befand sich in einigen wenigen Gebäuden im Süden von Şêxmeqsûd, die Sekin Şebabiye genannt wurden. Diese Gebäude bildeten die Verteidigungslinie des Viertels. Die dschihadistischen Banden setzten alle Arten von Waffen ein, kamen aber nicht weiter. Am 29. Mai 2016 gelangten Dschihadisten durch einen Tunnel unter das Gebäude und ließen drei Tonnen Sprengstoff detonieren. Bei dieser Explosion kamen zwölf YPG-Kämpfer ums Leben.

Wir haben den Widerstand immer vergrößert

Zagros Rojava, der diesen historischen Widerstand als Kämpfer miterlebte, berichtete ANF von jenen Tagen: „Wir haben gemeinsam mit der Bevölkerung in Şêxmeqsûd Widerstand geleistet. Die Menschen waren in der gleichen Position wie die Kämpferinnen und Kämpfer. Wir bekamen Kraft durch die Unterstützung unseres Volkes und sie bekamen Kraft durch uns. Die 27 Banden, angeführt von der Jabhat al-Nusra, planten mit dem Angriff im Jahr 2016, das Viertel zu stürzen und Efrîn zu besetzen. Sie griffen an, um Sekin Şebabiye einzunehmen. Wir hatten nur ein Ziel: Wir wollten nicht zulassen, dass sie diesen Ort auf irgendeine Weise besetzen. Viele unserer Freundinnen und Freunde hier leisteten großen Widerstand. Dank Freunden wie Rêdûr und Abu Şiyar, die gefallen sind, wurde unsere Entschlossenheit noch größer. Die Banden setzten hier alle Arten von Waffen ein. Sie wurden vom türkischen Staat unterstützt. Wir waren zahlenmäßig viel, viel weniger als sie. Trotzdem haben wir ständig Angriffe unternommen, um sie abzuwehren. Während dieser Angriffe hat unser Freund Rêdûr eine Opferaktion durchgeführt. Durch diese Aktion wurde unser Widerstand noch stärker. Trotz all ihrer Angriffe gelang es ihnen nicht, in die Gebäude einzudringen. Deshalb sprengten sie das Gebäude in die Luft. Viele unserer Freunde wurden getötet, aber wir gaben nicht auf. Wir setzten unseren Widerstand fort. Nach der Explosion setzten wir uns in Bewegung und befreiten ganz Şêxmeqsûd."


Hewar Efrîn, der seit Beginn des Widerstands in den Reihen der YPG kämpft und beim Widerstand in Sekin Şebabiye verwundet wurde, berichtete von seinen Erfahrungen: „Ich war auch in diesen Gebäuden, unser Kommandant war Abu Şiyar. Er hat uns ständig trainiert. Er lehrte uns, wie man sich verteidigt und wie man kämpft. Wir lernten von ihm den Geist des Widerstands. Trotz all ihrer Bemühungen gelang es den Banden nicht, in das Gebäude einzudringen. Deshalb gruben sie einen Tunnel und sprengten das Gebäude in die Luft. Ich ruhte mich nach meinem Wachdienst aus, und da sprengten sie es in die Luft. Ich wurde bei dieser Explosion verwundet und musste drei Monate lang im Krankenhaus bleiben. Zwölf unserer Freunde wurden bei der Explosion getötet. Unter ihnen war auch unser Kommandant Abu Şiyar. Deshalb ist Sekin Şebabiye jetzt als Şehîd Abu Şiyar bekannt."

Die Leichen der zwölf Kämpfer konnten nicht geborgen werden. Das gesamte Gebäude gilt als ihr gemeinsames Grab. Kleine Gärten zu Ehren jedes Kämpfers stellen ihre Gräber dar.