Afghanische Soldaten als türkische Söldner in Nordsyrien

Vor den Taliban geflohene Soldaten der afghanischen Armee und Mitglieder des „IS Khorasan“ werden in der Türkei aufgenommen und für den von Ankara gesteuerten dschihadistischen Milizverband SNA in Nordsyrien rekrutiert.

Im vergangenen Jahr sind über zweieinhalb Millionen Menschen aus dem Iran in die Türkei eingereist, darunter vor allem viele Geflüchtete aus Afghanistan. Sie werden in der Regel eine Zeit lang von der Migrationsbehörde der Provinz Wan (tr. Van) festgehalten und dann abgeschoben. Vor den Taliban geflüchtete Angehörige der afghanischen Armee und Mitglieder des afghanischen IS-Ablegers „Islamischer Staat Provinz Khorasan“ werden jedoch anders behandelt.

Nach dem Abzug der USA aus Afghanistan im Jahr 2021 übernahmen die Taliban vollständig die Macht. Die Flucht vor Verfolgung durch die Taliban führt überwiegend über den Iran in die Türkei. Angehörige der afghanischen Armee sind jedoch hauptsächlich nach Usbekistan und Tadschikistan geflohen. In einer Erklärung des usbekischen Außenministeriums heißt es, dass alle afghanischen Staatsangehörigen einschließlich der Soldaten, die nach der Machtübernahme durch die Taliban illegal in Usbekistan eingereist sind, das Land in den letzten Tagen verlassen und in ein Drittland gereist sind. Der Name des Drittlandes wurde in der Erklärung nicht genannt. Die Zahl der Soldaten wurde mit 585 angegeben. Die Tatsache, dass das usbekische Außenministerium kein Drittland nannte, lässt die Frage aufkommen, ob es sich um die Türkei handelt.

ANF vorliegenden Informationen zufolge nimmt die Türkei ehemalige afghanische Soldaten und IS-Mitglieder zunächst in ein freiwilliges Praktikums- und Beschäftigungsprojekt auf. Dies geschieht auf der Grundlage einer Praktikumsrichtlinie, die auf der Grundlage von Artikel 23 der Verordnung über die Aufgaben und die Arbeit der Direktion für Migrationsmanagement erstellt wurde. Diejenigen, die gemäß den festgelegten Kriterien aus dem Kandidatenpool ausgewählt werden, können in einer öffentlichen Einrichtung beschäftigt werden.

Die in diesem Rahmen evaluierten und mit einem legalen Deckmantel versehenen afghanischen Armeeangehörigen und Mitglieder des IS Khorasan werden zunächst nach Erzîrom (Erzurum) geschickt, wo sie eine Zeit lang festgehalten werden. Von dort aus findet ein Transfer an die syrische Grenze statt, in die „Major Mete Yıldırım Base Area“ im Grenzgebiet zwischen der Provinz Riha (Urfa) und der seit 2019 von der Türkei besetzten Zone um Girê Spî und Serêkaniyê in Nordsyrien. Wie jetzt bekannt wurde, haben diese Personen nach einer militärischen Ausbildung an Kampfhandlungen in Rojava teilgenommen und sich der „Syrischen Nationalarmee“ (SNA) angeschlossen, einem von Ankara vereinten Milizverband dschihadistischer Gruppierungen.