Im Gedenken an Qazî Muhammed

Der Ko-Vorsitz des Exekutivrats der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) gedachte dem Präsidenten der Kurdischen Republik Mahabad, Qazî Muhammed, der heute vor 71 Jahren erhängt wurde.

Anlässlich der Hinrichtung des Präsidenten der Kurdischen Republik Mahabad, Qazî Muhammed, seines Bruders Sadrî und seines Cousins Seyfî Qazî wurde heute vom Ko-Vorsitz des Exekutivrats der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) eine schriftliche Erklärung herausgegeben, die zum einem zum Gedenken aufruft und zum anderen mahnt, die gleiche Mentalität der letzten 71 Jahre nicht fortzusetzen.

In der Erklärung kam zum Ausdruck, dass „die Hinrichtung von Menschen, die sich für die politischen und nationalen Rechte des kurdischen Volkes einsetzen, den tatsächlichen Umgang mit Kurd*innen im Mittleren Osten vor Augen führt. Dieses Denken wurde die letzten 71 Jahre stets fortgeführt. Deswegen steht heute auch keine hiesige Kraft für das demokratische Leben der kurdischen Bevölkerung mit einem Recht auf eigene Kultur und eine eigene Identität ein. So sieht die Realität aus.”

Der KCK erklärte, dass auch die kurdische Republik Mahabad eine souveräne und vom Iran unabhängige Republik angestrebt habe, und führte weiter aus: „In jener Zeit gab es mehrere autonome Republiken innerhalb der Sowjetunion. Die Gründer der Republik Mahabad schlossen sich diesen Vorbildern an und wollten mit der damaligen iranischen Regierung verhandeln. Diese jedoch kannten keine andere Antwort, als auf ihrem Verständnis von Nationalstaat und den die kapitalistische Moderne unterstützenden Nationalismus. Es wurden keine weiteren politischen Bemühungen unternommen, als die Republik zu zerschlagen und ihre Anführer zu erhängen. Diese Politik passt überhaupt nicht zur Geschichte des Irans, der aus vielen Völkern besteht und andere Identitäten sowie deren autonome Selbstverwaltungen akzeptiert. Er ist eigentlich der, der sich gegen die kapitalistische Moderne der westlichen Welt stellt und auf die Bewahrung der historischen Kultur des Mittleren Ostens besteht. Indem sich der Iran der Ideologie von rassistischen Nationalstaaten und einer Kolonialpolitik der Völkermorde anschließt, handelt er gegen seine geschichtliche Verantwortung und Realität.

Dabei zeugen Jahrhunderte anhaltende Auseinandersetzungen davon, dass weder Massaker, noch Hinrichtung oder irgendwelche anderen Maßnahmen die Existenz und die Freiheit der Kurd*innen antasten können. Die kurdische Frage steht heute in der Agenda des Mittleren Ostens ganz oben. Der Dritte Weltkrieg wird bereits im Mittleren Osten ausgefochten. Dreh- und Angelpunkt sind die Kurd*innen. Somit wird noch einmal mehr deutlich, dass eine Lösung der kurdischen Frage zum Vorteil aller Völker des Mittleren Ostens beitragen wird. Dass es immer noch nicht zu einer Lösung gekommen ist, hängt wie eine Strafe über der Bevölkerung aller Länder des Mittleren Ostens. Die verantwortlichen politischen Kräfte des Mittleren Ostens müssen die Lage richtig einschätzen und eine Lösung auf der Grundlage eines freien Lebens sowie dem Identitäts- und Existenzrecht des kurdischen Volkes vorantreiben. Es ist eine große Chance für alle Länder, dass die Kurd*innen eine Lösung des Problems ganz ohne den Aufbau eines Staates anstreben.

All die Gewalt, Unterdrückung und Massaker dienen nur der Entwicklung eines Feindbildes zwischen den Völkern, die seit Jahrhunderten Seite an Seite leben. Sie sind zu nichts anderem nutze. Deswegen müssen die benachbarten Länder endlich die Augen öffnen und sich gegenüber der kurdischen Frage verantwortlich zeigen und für eine Lösungspolitik gerade stehen. Schließlich dient eine solche Politik auch ihren eigenen Zwecken. Wenn das kurdische Problem gelöst wird, dann wird sich zeigen, dass auch alle anderen Konflikte mit Leichtigkeit nacheinander gelöst werden können.

Die Länder des Mittleren Ostens dürfen nicht auf die Politik des türkischen Staates und seiner faschistischen AKP/MHP-Regierung, die die Feindschaft gegenüber den Kurd*innen anführen, hereinfallen. Der türkische Staat möchte alle Länder der gesamten Region zum Anschluss an seine Politik der Vernichtung und des Genozids bringen. Auf diese Weise wird es zu zwischen allen zu Auseinandersetzungen mit den Kurd*innen kommen. Alle Länder, die sich nicht dem Genozid an den Kurd*innen anschließen möchten, dürfen nicht in diese Falle tappen und sollten sich darum bemühen, bestehende Konflikte mit den Kurd*innen selbst zu lösen. Denn allein der türkische Staat zieht Profit aus diesem Krieg. Er nützt keiner anderen politischen Kraft. Kurd*innen und Araber*innen können innerhalb der vorhandenen Grenzen geschwisterlich zusammen leben. Auch im Iran ist es möglich, innerhalb der bestehenden Grenzen für alle Völker ein freies und gleichberechtigtes Leben aufzubauen.

Heute, am Jahrestag der Hinrichtung des Präsidenten der kurdischen Republik Mahabad, Qazî Muhammed, und anderer kurdischer Politiker, ist es ein angebrachter Zeitpunkt, in diesem Rahmen eine Selbstkritik abzugeben und damit Verdienst gegenüber allen Völkern zu leisten. Wir gedenken mit Respekt und Dankbarkeit Qazî Muhammed und allen Hingerichteten. Wir geben hiermit ein weiteres Mal unser Versprechen, dass wir Kurdistan befreien und den Mittleren Osten in einen Ort der Demokratie verwandeln werden, denn das sind ihre Wünsche und ihre Sehnsüchte gewesen.”