Kurdische Gemeinde demonstriert in Zürich

Kurdische Verbände haben am Samstag in Zürich gegen die faktische Aushebelung des Wahlrechts für Kurdinnen und Kurden in der Türkei protestiert. Die türkische Regierung lässt wieder gewählte Bürgermeister verhaften.

Kurdischer Bürgermeister in der Türkei verhaftet

Die Demokratische Kurdische Gemeinde (CDK-S) und der kurdische Frauenverband in der Schweiz (YJK-S) haben am Samstag in Zürich gegen die faktische Aushebelung des Wahlrechts in den kurdischen Gebieten in der Türkei protestiert. Anlass der Demonstration war die Amtsenthebung und Verhaftung des Ko-Bürgermeisters von Colemêrg (tr. Hakkari). Der vor zwei Monaten zum Bürgermeister gewählte DEM-Politiker Mehmet Sıddık Akış ist am Mittwoch zu fast zwanzig Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. An seiner Stelle wurde der Provinzgouverneur als staatlicher Treuhänder an die Spitze der Verwaltung berufen. Die kurdischen Gemeinden in der Türkei werden seit 2016 nach jedem Wahlerfolg unter Zwangsverwaltung gestellt, viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sind verhaftet worden.


Zum Auftakt der Demonstration wurde auf dem Helvetiaplatz eine Schweigeminute im Gedenken der Gefallenen des kurdischen Freiheitskampfes abgehalten. Cemal Özdemir, Ko-Vorsitzender der CDK-S, hielt eine Ansprache, in der er die Missachtung des Wählerwillens durch die türkische Regierung als faschistischen Putsch zur Aufrechterhaltung des Kolonialsystems in Kurdistan bezeichnete. „Als kurdisches Volk werden wir dieses Kolonialsystem niemals akzeptieren“, sagte Özdemir und sprach den in der Türkei gegen die Zwangsverwaltung Widerstand leistenden Menschen seine Hochachtung aus.

An der Spitze des Demonstrationszuges durch die Innenstadt wurde ein Transparent mit der Aufschrift „Defend Kurdistan“ getragen. Die Veranstalter:innen informierten mit ständigen Durchsagen über ihr Anliegen, die Teilnehmenden riefen Widerstandsparolen. Bei der Abschlusskundgebung auf dem Helvetiaplatz sagte Selma Sürer im Namen des kurdischen Frauenverbands YJK-S, dass unzählige Menschen die Türkei auf der Flucht vor politischer Verfolgung verlassen. Sie selbst zähle auch dazu: „Ich musste nach Europa kommen, aber seit meiner Ankunft bin ich ständig in Aktion. Wir alle stehen solidarisch hinter dem Widerstand der Bevölkerung von Colemêrg, wir werden um jeden Preis weiter für Demokratie kämpfen.“