Aachen: Vortrag und Diskussion mit Anja Flach

Gut 35 Menschen kamen ins kurdische Volkshaus in Aachen, um einen Vortrag der Hamburger Ethnologin Anja Flach zur Geschichte der kurdischen Frauenbefreiungsbewegung zu hören und anschließend zu diskutieren.

Am Mittwochabend hat „Gemeinsam Kämpfen Aachen“ in Zusammenarbeit mit der Gruppe „Initiative Kurdistan Aachen“ zum dritten Vortrag in einer monatlichen Veranstaltungsreihe eingeladen. Die letzten Vorträge behandelten deutsche Waffenlieferungen an die Türkei und Lösungsvorschläge, die die kurdische Freiheitsbewegung auf die Probleme der Gesellschaft gibt.

Gestern konnte die langjährige Aktivistin und Autorin Anja Flach aus einer in Teilen sehr persönlichen Perspektive von der Geschichte der Frauenbefreiungsbewegung berichten. Immer wieder konnte sie die Geschichte der Frauenorganisation mit eigenen Erfahrungen, die sie in den 1990er Jahren in den Bergen sammeln konnte, verbinden.

Insbesondere konnte sie dabei die Bedeutung von einzelnen Frauen wie Sakine Cansiz hervorheben, die es ermöglichten, das Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken und autonome Frauenstrukturen in allen Bereichen aufzubauen. Gleichzeitig konnten aber auch die Prinzipien der Frauenbewegung deutlich gemacht werden. Länger wurde dabei auf das Prinzip „Freies Denken und freier Wille“ eingegangen, das deutlich machen soll, dass um ein Bild einer freien Frau zu schaffen, Frauen sich und ihr Denken aktiv von patriarchalen Einflüssen lösen müssen.

In der anschließenden Diskussion wurde insbesondere auf den Begriff Frau eingegangen, der die Frage aufwarf, welche Bedeutung nicht-binäre Geschlechtsidentitäten in der Freiheitsbewegung haben. Verschiedene Anwesende konnten aus ihren Perspektiven schildern, was sie mit dem Begriff verbinden. Dabei wurde deutlich, dass diese Frage in Europa deutlich häufiger aufkommt als im Nahen Osten. Eine Forschungsgruppe, die aktuell aus der Perspektive der Jineolojî zu nicht-binären Geschlechtsidentitäten recherchiert, teilte mit, dass der Blick auf die Begriffe Frau und Mann sehr binär geprägt ist, also ein Mann nichts weibliches und eine Frau nicht männliches in sich tragen dürfe. Es sei hingegen wichtig, diese Begriffe als Dualismus zu verstehen, also als zwei Pole, die sich gegenseitig bedingen und zwischen denen auch Graustufen möglich sind.

Zum Abschluss ging die Veranstaltung in viele kleinere Gespräche über, während sich einige Teilnehmende entschlossen, Tänze aus der kurdischen Freiheitsbewegung zu tanzen.