Waldbrände: Im Westen für Profit, in Kurdistan als Kriegswaffe

Staatliche Kräfte brennen seit Jahren in der Türkei und in Kurdistan Wälder nieder. Während es in der Westtürkei dabei um Profit geht, handelt es sich im Osten um eine Kriegstaktik.

In Kurdistan wurden zum ersten Mal im Jahr 1925 Waldbrände zur Aufstandsbekämpfung eingesetzt. Damals ging es um die Niederschlagung der Şêx-Saîd-Erhebung. Mit der Reformgesetzgebung und dem in diesem Zusammenhang verübten Massenmord von Dersim wurde diese Taktik fortgesetzt. Insbesondere ab den 90er Jahren bis heute werden Wälder systematisch vom Staat niedergebrannt.

Fast jeden Tag kommen Meldungen von Waldbränden aus den Städten Kurdistans. Die Waldbrände begannen diesen Sommer in Licê und Darahêni (Genç), dann folgten in Şirnex (Şırnak) die Gebiete Cûdî, Gabar, Herekol und Besta. Die staatlichen Kräfte setzen Waldbrände bewusst ein, um ihre Militärstützpunkte zu schützen.

Lebensraum wird vernichtet

Das Mitglied der Umweltschutzplattform von Hewsel, Necdet Sezgin, sprach mit ANF über die letzten Brände in Kurdistan. Sezgin erklärte: „Wie in jedem Sommer brennen in der Türkei und Kurdistan die Wälder. Mit diesen Bränden kamen verschiedene Probleme ans Licht. Die Wälder werden angezündet, aber es wird so getan, als ob Unfälle die Ursache wären.

In der West-Türkei geht es darum, Gebiete für Profitextraktion und die Tourismusindustrie zu öffnen. In unserer Region werden diese Brände mehr aus Sicherheitsgründen gelegt. Seit langen Jahren wird der Lebensraum in dieser Region zerstört.“

Wir werden am Atmen gehindert“

Sezgin beschreibt die Wälder als Lebensräume: „In den Gesetzen der Republik Türkei wird der Wald und die Qualität eines Waldgebiets durch das Vorkommen der natürlichen Baumarten und deren bewusste Nutzung beschrieben. De facto werden wir aber am Atmen gehindert. In diesem Sinne ist jedes Waldgebiet für uns ein Lebensraum und wir müssen den Kampf gegen die Vernichtung, aus welchem Grund auch immer, dieses lebenswichtigen Gebiets aufnehmen. Wir als Umweltschutzverein erklären hier nochmal deutlich, dass wir gegen diese Waldbrände stehen.“

Im Westen sollen Gebiete für Profitextraktion geschaffen werden“

Sezgin wies auch auf die Waldbrände im Marmara-Gebiet, der Ägäis und der Mittelmeerregion hin und erklärt: „Der Hauptgrund für diese Brände ist die Suche nach Bodenschätzen oder der Aufbau von Touristenzentren, um Investitions- und Bauland zu schaffen. Welche Ausreden auch immer angeführt werden, die Personen, die im Westen der Türkei die Wälder in Brand setzen, werden nicht ermittelt. Es gibt in diesem Zusammenhang ein regelrechtes System der Straflosigkeit. Diese Straflosigkeit bringt noch mehr Waldbrände mit sich.“

Die Täter sind bekannt

Sezgin schloss mit den Worten: „Es ist glasklar, dass die Waldgebiete ein Ökosystem beherbergen. Diese Gebiete bieten nicht nur Lebensraum für Menschen, sondern für alle Lebewesen. Wir werden uns weiterhin darum bemühen, den Lebensraum aller Lebewesen zu schützen. Diejenigen, die bei uns die Wälder in Brand setzen, sind bekannt. Wir treten dafür ein, dass die Waldbrände enden und sich sowohl der Staat als auch die Gesellschaft für Löscharbeiten einsetzen.“