Dschihadist aus der Türkei: Es ist vorbei mit dem IS

Unzählige IS-Dschihadisten haben sich den letzten Tagen den Demokratischen Kräften Syriens ergeben. Darunter sind auch zahlreiche Mitglieder der Organisation, die aus der Türkei stammen.

Die militärische Niederlage der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ist praktisch besiegelt. Die letzten Dschihadisten sind in einem überschaubaren Gebiet in al-Bagouz eingekesselt. Das Dorf stellte den Zugang zur Hauptbasis der Dschihadisten in der Region Deir ez-Zor, der Kreisstadt Hajin und liegt an strategischer Position. Ein Teil des Dorfes im Distrikt Abu Kamal liegt im Irak und ein Teil in Syrien. Der IS hatte al-Bagouz zur Militärbasis erklärt und als Knotenpunkt zwischen Syrien und dem Irak genutzt.

Seit rund einer Woche läuft dort nun die finale Operation der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) zur Zerschlagung des IS. Täglich ergeben sich in al-Bagouz verbliebene Mitglieder der salafistischen Miliz gemeinsam mit ihren Familien den von den Volksverteidigungseinheiten (YPG) geführten QSD und werden in sichere Gebiete evakuiert.

Erste Gesundheitsuntersuchung

Unter den Dschihadisten, die sich ergeben, befinden sich vor allem IS-Mitglieder aus der Türkei, Turkmenistan, Indonesien, Russland, Frankreich, Deutschland, Finnland, Nordafrika, Tunesien, Libyen und Marokko. Die Verletzten IS-Mitglieder werden von den medizinischen Einheiten der QSD behandelt.

Die IS-Mitglieder werden in ein ausgewähltes Gebiet gebracht und dort an zwei Kontrollpunkten nochmals durchsucht. Frauen und Kinder werden von den Kämpferinnen der YPJ durchsucht, die Männer von Kämpfern der YPG und QSD.

Dschihadisten aus der Türkei

Die Dschihadisten aus der Türkei kommen vor allem aus den Provinzen Ankara, Kırşehir, Istanbul, Konya und Çankırı. In den vergangenen drei Tagen haben sich über 6.000 Menschen den QSD ergeben, darunter aber auch Zivilist*innen, die vom IS als Schutzschilde benutzt wurden.

„Und es ist vorbei mit dem IS“

Die IS-Mitglieder, die im Jahr 2014 nach der Ausrufung des sogenannten „Kalifats“ nach Syrien reisten und sich der Organisation anschlossen, berichteten, die türkisch-syrische Grenze äußerst entspannt passiert zu haben. Der Dschihadist Hüseyin Kafar (18) lebte in der Türkei in Ankara. Gemeinsam mit seiner Mutter, seinem Vater und seinen vier Brüdern ging er zum IS. Nach Kafars Angaben habe sein Vater in der Türkei enge Beziehungen zu islamischen Vereinen gehabt. Bei vorrangegangenen Kämpfen sei der Vater getötet worden. Kafar erklärt: „Als 2014 das Kalifat ausgerufen wurde, brachte uns mein Vater alle hierher. Wir sind jetzt vier Jahre bei ihnen. Mein Vater ist gestorben. Als der IS an Gebiet verlor, wollten wir raus, aber wir hatten keine Gelegenheit. Jetzt haben wir uns ergeben. Und es ist vorbei mit dem IS.“ Seine Mutter und die Geschwister hätten al-Bagouz bereits verlassen.

 „Die Vereine haben uns geschickt und die Grenze wurde aufgemacht“

Hüseyin Kafar erwähnt, über die Stadt Dîlok (Antep) nach Syrien gereist zu sein. Schwierigkeiten beim Passieren der Grenze habe seine Familie dabei nicht gehabt. Nach der Ankunft in Syrien seien sie zunächst nach al-Bab geschickt worden, später auch in andere Städte. „Viele Mitglieder des IS stammen aus der Türkei. Etliche von ihnen ergeben sich nun. Mit mir kamen noch fünf weitere Personen hierher. So gut wie alle, die sich der Organisation aus der Türkei anschlossen, kamen durch die Vermittlung einer Gemeinde. Mein Vater war Mitglied der Kamil-Nuhoğlu-Gemeinde. Nun bin ich hier und möchte zurück in die Türkei, um mir ein neues Leben aufbauen“, so der 18-jährige Kafar. 

„Mein Vater hat mich zum IS gebracht“

İshak Nuroğlu aus Çankırı hat sich ebenfalls zusammen mit seiner Familie dem IS angeschlossen. Ähnlich wie Kafar berichtet er, die Grenze bei Dîlok passiert zu haben, um nach Syrien zu gelangen. Mit seinem Vater ergab sich Nuroğlu den Einheiten der QSD. Seine Mutter sei bereits zurück in die Türkei gereist. Der Dschihadist erzählt: „Es gibt keinen Ort mehr, an dem wir bleiben können. Wir wollen auch in die Türkei zurück. Mein Vater hat mich hierhergebracht. Ich bin unter ihnen aufgewachsen. Aber jetzt möchte ich in die Türkei und arbeiten. Mein Leben soll so sein wie früher.“

Kellner aus Istanbul beim IS

Ein weiterer Dschihadist aus der Türkei ist Abdullah Aman Mehmet. Der 28-Jährige hat aktiv in den Reihen der Terrormiliz gekämpft und sich bei Gefechten mit den QSD eine Verletzung an der linken Hand zugezogen. Über seinen Anschluss zum IS berichtet er: „Ich arbeitete im Stadtteil Fatih in Istanbul in einem Lokal. Der Besitzer des Ladens sagte mir nach einer Weile, in Syrien habe man ein neues Leben geschaffen und auch ich könnte dort besser leben. Es war ein ausländischer Mann, der sich Ukaça nannte und mich von Antep-Karkamış aus nach Dscharablus brachte. Das ist mittlerweile vier Jahre her. Seitdem kam ich nicht mehr hier raus. Jetzt möchte ich zurück in die Türkei.“