Journalisten wegen Libyen-Berichterstattung verhaftet

Wegen Berichten zum Tod von türkischen Soldaten in Libyen sind in der Türkei zwei kurdische Journalisten verhaftet worden.

Ein Gericht in Istanbul hat Untersuchungshaft gegen zwei Journalisten der pro-kurdischen Zeitung Yeni Yaşam Gazetesi angeordnet. Chefredakteur Mehmet Ferhat Çelik und Herausgeber Aydın Keser wird im Zusammenhang mit ihrer Libyen-Berichterstattung vorgeworfen, den Klarnamen zweier Agenten des türkischen Geheimdienstes MIT, die Ende Februar in Libyen ums Leben gekommen sind, preisgegeben zu haben. In dem Artikel ist allerdings lediglich die Rede von Soldaten. Dass es sich um MIT-Angehörige handelte, geht aus dem Zeitungsbericht nicht hervor.

Yeni Yaşam hatte über den Tod von zwei türkischen Soldaten mit Verweis auf die Zeitung Yeni Çağ und unter Berufung auf das Verteidigungsministerium berichtet. Daraufhin leitete die Generalstaatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren ein. Vergangenen Freitag wurden Çelik und Keser sowie der Yeni-Çağ-Kolumnist Murat Ağırel zur Vernehmung vorgeladen. Einen Antrag für den Erlass eines Haftbefehls gegen die Journalisten lehnte das zuständige Gericht ab, ordnete jedoch Meldeauflagen an. Dagegen widersprach die Staatsanwaltschaft und ließ alle drei am Samstagfrüh festnehmen.

Vor dem Untersuchungshaftrichter wiesen alle Beschuldigten erneut die Vorwürfe gegen sie zurück. Çelik erklärte, vom Tod „zweier Soldaten“ unter Angabe der Quelle berichtet zu haben. „Weder sind wir die eigentlichen Urheber dieser Meldung, noch haben wir behauptet, dass es sich bei den Toten um MIT-Agenten handelt. Demzufolge gilt der Vorwurf, die Identitäten von Geheimdienstagenten enttarnt zu haben, nicht uns. Sollte es wohl einen Mechanismus geben, in dessen Rahmen wir geheime Informationen preisgeben könnten, sei er von den ermittelnden Behörden und dem Sicherheitsapparat getätigt worden.“ Am Sonntagabend erging Haftbefehl gegen Çelik, Keser und Ağırel.